Mittelfränkische Wirtschaft nimmt Fahrt auf

Exporte als Motor des Aufschwungs - Stabile Beschäftigung stützt Konsumklima

(PresseBox) (Nürnberg, ) Die mittelfränkische Wirtschaft nimmt nach der anhaltenden Erholung im ersten Quartal 2010 im Frühsommer weiter Fahrt auf und berichtet von einer klaren Verbesserung ihrer Geschäftslage. Die wirtschaftliche Belebung schlägt sich in den zunehmend besser gefüllten Auftragsbüchern der Industrie nieder. Begünstigt auch durch die aktuelle Euro-Schwäche zeigen sich die Unternehmen umso deutlicher erholt, je exportstärker sie sind und je besser ihre Wettbewerbspositionen in den Wachstumsmärkten Asiens und Amerikas sind. Auch das Geschäftsvolumen von Großhändlern, Handelsvertretern und unternehmensnahen Dienstleistern mit der Industrie ist weiter gewachsen.

Zu einem zweiten Standbein der Erholung hat sich der private Konsum entwickelt: Nachdem der massive Einsatz von Kurzarbeit vielfach Arbeitslosigkeit verhindern konnte und mit anziehenden Umsatzerlösen von Industrie und unternehmensnahen Dienstleistern auch die Beschäftigung wieder wächst, schwinden die Sorgen der Verbraucher um ihren Arbeitsplatz. Von dem damit verbesserten Konsumklima können zahlreiche Einzelhändler und verbrauchernahe Dienstleister profitieren.

Angesichts der anziehenden Auftragseingänge und Erlöse sind die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Unternehmen von Zuversicht geprägt. Dieser Optimismus bestimmt auch die Investitionsplanungen der Betriebe: Zwar ist das Vor-Krisen-Niveau der Kapazitätsauslastung noch bei weitem nicht erreicht, doch neben Ersatzbeschaffungen erfordern Rationalisierungs- und Innovationsaspekte wachsende Investitionen. Insbesondere in den Dienstleistungsbranchen führen die anziehenden Geschäfte zudem zu höheren Beschäftigungsplänen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Ende April abgeschlossenen Frühsommer-Umfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken zur Konjunktur.

Geschäftslage

Die mittelfränkische Wirtschaft wurde von dem weltweiten Nachfrageeinbruch nach dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Stabilisierung und allmählichen Besserung der Auftrags- und Erlössituation bis Ende 2009 gewinnt die Erholung im Frühjahr 2010 an Fahrt. Als "gut" bezeichnen 27% der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage, 57 % als "befriedigend" und 16 % als "schlecht". Der Saldo aus "gut"- und "schlecht"-Stimmen hat sich seit Jahresbeginn um 23 Prozentpunkte verbessert und liegt erstmals seit fast zwei Jahren wieder im Positiven. Zwar wird das Niveau von Kapazitätsauslastung, Umsatzerlösen oder Erträgen aus den Zeiten vor der Krise noch nicht erreicht, aber die Konjunkturampel hat auf grün geschaltet.

Erwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft

Die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft belegen die gewachsene Zuversicht, dass sich Auftragseingänge und Umsätze im weiteren Jahresverlauf zunehmend erholen. 32 % der Befragten erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, nur 10 % fürchten eine Verschlechterung. Der Saldo ist damit um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn gestiegen. Der gewachsene Optimismus quer durch alle Sektoren der Wirtschaft setzt auf eine stabile Arbeitsmarkt-Entwicklung als Grundlage einer wachsenden Konsumnachfrage sowie auf eine stabile außenwirtschaftliche Entwicklung mit zunehmenden Aufträgen für mittelfränkische Hersteller von Vorleistungen und Investitionsgütern. Konjunkturelle Risiken aus einer Euro-Abwertung und steigenden Importpreisen werden kaum beachtet.

Entwicklung nach Branchen

Die mittelfränkische Industrie kann dank kräftig sprudelnder Auftragseingänge aus dem Ausland auf eine raschere Erholung von den tiefen Umsatzeinbrüchen nach der Finanzkrise hoffen. Dadurch ist in den Geschäftserwartungen speziell der Investitionsgüterhersteller die Zuversicht deutlich gewachsen. Nun lösen die mittelfränkischen Produzenten die Investitions- und Beschäftigungsbremsen, die noch zu Jahresbeginn auf einen langsameren Wachstumspfad deuteten. Noch keineswegs zufrieden zeigen sich die Befragten mit ihrer derzeitigen Kapazitätsauslastung - fast die Hälfte beurteilt sie als "nicht ausreichend". Doch das Tempo, mit dem sich die Auftragsbücher seit Jahresbeginn 2010 füllen, und die Erwartung anhaltenden Umsatzwachstums nähren den Optimismus der Industriebetriebe und drängen erste Sorgen über steigende Material- und Personalkosten in den Hintergrund.

Die Urteile und Erwartungen der mittelfränkischen Bauwirtschaft bleiben im Mai 2010 erneut hinter dem Durchschnitt zurück. Dabei sind nach dem langen Winter alle Kurven nach oben gerichtet und liegen ausnahmslos über dem saisonal vergleichbaren Vorjahresstand. Dennoch kann die Sommerbelebung der Baukonjunktur die anhaltenden strukturellen Probleme nicht überdecken. Der Wohnungsbau stagniert bereits seit Jahren. Dem Wirtschaftsbau fehlt es derzeit konjunkturell bedingt an Volumen. Im öffentlichen Bau mangelt es nach den Konjunkturprogrammen 2009 angesichts leerer kommunaler Kassen an Anschlussaufträgen. So prägen weiterhin steigende Kosten und Preisdruck bei nicht ausreichend ausgelasteten Kapazitäten das Bild der Branche.

Der mittelfränkische Handel zeigt sich im Frühsommer 2010 so zufrieden mit seiner aktuellen Lage wie seit der deutschen Vereinigung nicht mehr. Begleitet wird dies durch gewachsenen Optimismus. Die industrienahen und die international aktiven Handelsbetriebe profitieren wie die Industrie selbst von der unerwartet kräftigen Erholung der Nachfrage auf den Weltmärkten. Die Sorgen des Einzelhandels noch zu Jahresbeginn um mögliche Nachfrageausfälle haben die Verbraucher widerlegt. Vielmehr steigt das Konsumklima dank stabiler Arbeitsmarktentwicklung und positiver Konjunkturperspektiven - und wer angesichts staatlicher Haushaltsdefizite und Euro-Turbulenzen Preissteigerungen fürchtet, gibt sein Geld jetzt leichter aus.

Urteile und Planungen der unternehmensnahen Dienstleistungsunternehmen verbessern sich zum dritten Mal in Folge. Dennoch bleibt weiterhin Luft nach oben: Im Urteil über die Geschäftslage und die aktuelle Umsatzentwicklung zeigen sich Güterverkehrsbetriebe mehrheitlich nicht zufrieden, die Umsätze haben sich weiterhin rückläufig entwickelt. Neben Speditionen berichten auch Vertreter der Medienwirtschaft noch über freie Kapazitäten. Ebenso wie die übrigen unternehmensnahen Dienstleister sind sie aber zuversichtlich, dass ihre Auftragslage eine bessere Auslastung in den kommenden Monaten sichert. Um für zunehmende Auftragseingänge gerüstet zu sein, planen alle Teilbranchen mit höheren Investitionen und wachsenden Belegschaften.

Die verbrauchernahen Dienstleistungen entwickeln sich schon während des gesamten Jahres 2010 höchst unterschiedlich. Betriebe aus dem Freizeit-, Kultur- und Gesundheitsgewerbe sowie dem Vermittlungs- und Versicherungswesen äußern sich ähnlich zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage wie die ebenfalls verbraucherbezogenen Einzelhändler oder auch die unternehmensnahen Dienstleister. Zudem zeigen sie sich zuversichtlich und planen mit größeren Belegschaften und höheren Investitionsbudgets. Dagegen klagen Vertreter der Reisebranche sowie vor allem die Unternehmen aus dem Gastgewerbe über gesunkene Umsätze, rückläufige Gästezahlen aus Tourismus und Geschäftsreisen sowie eine trotz Mehrwertsteuersenkung für Beherbergungsleistungen verschlechterte Ertragslage.

Investitionen und Beschäftigung

Die Investitionspläne der mittelfränkischen Unternehmen folgen ihren Geschäftserwartungen nahezu ohne Verzögerung. Die Aufhellung des Investitionsklimas zeigt sich in der Industrie noch deutlicher als im Durchschnitt aller Branchen - sowohl im Saldo aus wachsenden und sinkenden Investitionsplänen (Industrie: +19 Punkte; alle: +9 Punkte) als auch in der Veränderung gegenüber Jahresbeginn (Verbesserung Industrie: +23 Punkte; alle: +14 Punkte). Dies spiegelt die Geschwindigkeit und die Intensität, mit der sich Auftragseingänge und Umsatzerlöse in den ersten Monaten 2010 verbessern konnten. Industrieinvestitionen erweisen sich erneut als entscheidende Triebfeder des Aufschwungs.

Am mittelfränkischen Arbeitsmarkt setzt sich die im letzten Herbst eingeläutete Wende nach dem saisonalen Stillstand während des Winterhalbjahres im Frühsommer 2010 sehr deutlich fort. Während weniger Betriebe Entlassungen erwägen, ist die Zahl der Unternehmen gestiegen, die neue Stellen schaffen. Die anziehenden industriellen Auftragseingänge konnten zunächst durch Rückführung von Kurzarbeit aufgefangen werden. Inzwischen planen die Industriebetriebe bereits wieder mit wachsenden Belegschaften. Noch deutlicher zeigt sich der Aufschwung im unternehmensnahen Dienstleistungssektor, der seine hohe Bedeutung als Jobmotor im Strukturwandel erneut unter Beweis stellt.

Ausblick

Die Belebung der Konjunktur während des Frühjahrs 2010 fiel in Deutschland stärker aus als vielfach erwartet. Gerade nach den tiefen Einbrüchen der weltweiten Wirtschaftsleistung 2008/09 profitierten von der allmählichen Erholung seit Mitte 2009 insbesondere die starken Exporteure. Das Exportwachstum erhielt durch die spürbare Euro-Abwertung im Zuge der Vertrauensverluste Griechenlands zunächst sogar zusätzliche Schubkraft.

Doch mittel- und langfristig stehen den abwertungsbedingten Wettbewerbsvorteilen deutliche Risiken entgegen: Importe aus Nicht-Euro-Ländern verteuern Rohstoffe und Vorleistungen. Auch könnten anziehende Inflationsraten sehr rasch die Konsumfreude dämpfen.

So werden sich die Blicke vieler Unternehmer bald besorgt darauf richten, ob die Bemühungen der Euro-Staaten um eine Eindämmung der Schuldenkrise erfolgreich sind. Zugleich stellt der erforderliche finanzpolitische Spagat zwischen Haushaltskonsolidierung, Hilfe für überschuldete Euro-Staaten und Rückführung der gestiegenen Staatsquoten durch steuerliche Entlastung von Konsumenten und Unternehmen höchste Anforderungen an eine verantwortliche Politik zur Sicherung einer nachhaltigen Konjunkturerholung.

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