Wirtschaftskrise ist auch in der Region angekommen

Industrie- und Handelskammer stellt in einem Jahrespressegespräch die Ergebnisse einer aktuellen Konjunkturumfrage vor / Großes Online-Maßnahmenpaket

(PresseBox) (Weingarten, ) Die Auswirkungen der anhaltenden Wirtschaftskrise sind auch in der Region Bodensee-Oberschwaben angekommen. "Die Geschäftslage der Unternehmen habe aber nur leicht nachgegeben und sei trotz aller Marktschwierigkeiten immer noch befriedigend, berichtete Heinrich Grieshaber, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), in einem Jahrespressegespräch. Einer aktuellen Konjunkturumfrage zufolge vermelden 36 Prozent der regionalen Unternehmen eine gute Geschäftslage, 48 Prozent sind mit ihrer Lage zufrieden. "Lediglich 17 Prozent beurteilen ihre Lage als schlecht", betonte Grieshaber. Die Umsätze seien zwar in weiten Teilen zurückgegangen, die Ertragslage sei aber in den meisten Fällen noch stabil. "Die Unternehmen haben sich in der konjunkturellen Hochphase gut aufgestellt", erklärte der IHK-Präsident.

Sorge bereite allerdings, dass jedes zweite Unternehmen sinkende Auftragseingänge registriere. Die Umsatzerwartungen sei drastisch zurückgeschraubt worden, so Grieshaber weiter. Die allgemeinen Erwartungen, insbesondere was das Ausland betreffe, lägen im Saldo mit minus 44 Prozent auf einem Zehn-Jahres-Tiefstwert. Davon sei auch die regionale Beschäftigungslage betroffen. Nur noch 10 Prozent der Unternehmen wollen laut Umfrage ihr Personal aufstocken, 30 Prozent wollen es abbauen, 60 Prozent stabil halten.

Vor allem die Industrie zeige sich im Vergleich mit den anderen Branchen "überaus pessimis-tisch", berichtete Bettina Wolf vom IHK-Geschäftsbereich Standortpolitik & Unternehmensförde-rung. Annähernd jedes vierte Unternehmen sehe sich in einer schlechten Geschäftslage. 77 Prozent beurteilten ihre Lage nach den vergangenen drei Krisenmonaten aber dennoch als gut oder befriedigend. Die Kapazitäten seien noch zu 86 Prozent ausgelastet, so Bettina Wolf weiter. Massiv eingebrochen aber seien die Umsatzerwartungen. Das Statistische Landesamt meldet für das verarbeitende Gewerbe in Baden-Württemberg für Dezember 2008 einen Auftragsrückgang im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent. Und auch die IHK-Außenwirtschaftsabteilung habe im Januar einen Rückgang bei den Ursprungszeugnissen festgestellt, berichtete Bettina Wolf. Im Februar sei die Zahl aber bereits wieder angestiegen.

Die Lage im regionalen Baugewerbe bleibe angespannt, so Wolf. Im Straßen- oder dem öffentlichen Bau gebe es noch keine Impulse. Gut sei die Stimmung derzeit im Handel. Trotz Krisenmeldungen sei das Weihnachtsgeschäft gut gelaufen, die Umsätze haben laut Umfrage kaum nachgelassen. Insbesondere der Großhandel falle durch eine überraschend gute Lageeinschätzung auf, berichtete Bettina Wolf. Er profitiere offensichtlich noch von zurückliegenden Aufträgen. Wolf: "Die Umsätze sind gestiegen, die Ertragslage hat sich sogar verbessert." Noch gute Stimmung herrsche auch im Hotel- und Gaststättengewerbe. Hotels und Unterkünfte werden weiter frequentiert und die Geschäftslage im Restaurantbereich hat merklich angezogen. Bei den Dienstleistern habe die vor einem Dreivierteljahr herrschende euphorische Lageeinschätzung zwar kontinuierlich nachgegeben. 40 Prozent der befragten Betriebe melden eine gute Lage, nur 9 Prozent bewerten ihre Lage als schlecht. Überproportional stark belastet sei das Transportgewerbe, betonte IHK-Präsident Grieshaber mit Blick auf die Mauterhöhung im Januar. Ein Ausweichen auf die Schiene sei mangels Kapazitäten nicht realisierbar. Dr. Wolfgang Heine vom IHK-Geschäftsbereich Standortpolitik & Unternehmensförderung kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Mautgelder nicht dem Straßenbau zugute kämen. "Die Investitionen in Straßen liegen auf dem gleichen Niveau wie vor der Maut-Einführung. Das ist ein Unding."

In stabiler Fassung präsentieren sich die regionalen Kreditinstitute. Sie sehen keinen Anlass, ihre Beschäftigtenzahlen zu verändern, stocken ihre Risikofürsorge aber spürbar auf und ziehen sich aus Auslandsgeschäften deutlich zurück. Von einer Kreditklemme könne in der Region keine Rede sein, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Peter Jany. Kreditablehnungen seien keine genannt worden. 23 Prozent der befragten Unternehmen vermeldeten allerdings schlechtere Kreditkonditionen - vor einem Jahr waren dies noch 17 Prozent.

Online-Maßnahmenpaket auf www.weingarten.ihk.de

Mit einem gebündelten Informations- und Servicepaket sowie einer E-Mail-Hotline möchte die IHK in diesen Krisenzeiten den Unternehmen zur Seite stehen. Ab der Kalenderwoche 10, be-richtete Nina Gerstenkorn, Referentin des IHK-Hauptgeschäftsführers, können sich Unternehmer auf der IHK-Website über Beratungsangebote, Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, über Fragen zum Thema Vertrieb, Innovation, Weiterbildung, Qualifizierung und über viele andere Dinge schnell und zielgerichtet informieren. Auch zu rechtlichen Fragen, beispielweise bei der Einführung von Kurzarbeit, werde im Internet und in kostenfreien Veranstaltungen informiert, so IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Peter Jany. Über die gleichfalls im Internet eingerichtete E-Mail-Hotline gelange man darüber hinaus schnell an den richtigen und kompetenten Ansprechpartner. "Der Informationsbedarf unserer Unternehmen ist in diesen schweren Zeiten groß", so Jany. Die IHK sehe sich als Dienstleister für die Wirtschaft hier in der Verantwortung und in der Pflicht. Der Direkteinstieg in das Maßnahmenpaket erfolgt über: www.weingarten.ihk.de/Matrix.htm

Fachkräftebedarf steigt bis 2020 drastisch an

Auch in Krisenzeiten, so ein IHK-Appell an die Wirtschaft, gelte es, den Fachkräftebedarf nicht aus den Augen zu lassen. Bis zum Jahr 2020 summiere sich in der Region Bodensee-Oberschwaben ein Mangel von fast 45.000 Fachkräften. Dies zumindest ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die zwölf baden-württembergische Industrie- und Handelskammern beim Lehrstuhl von Professor Bert Rürup an der Technischen Universität Darmstadt in Auftrag gegeben haben. Rund 9000 akademische (überwiegend Ingenieure) und annähernd 36.000 nicht akademische Fachkräfte würden demnach bis zum Jahr 2020 im IHK-Bezirk mit den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen sowie dem Bodenseekreis gebraucht, stünden der Wirtschaft aber nicht zur Verfügung. Insbesondere bei der Steigerung des Fachkräftepotenzials von Frauen gebe es einen wirksamen Ansatzpunkt zur Abmilderung der Fachkräfteproblematik, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Peter Jany und warb für einen raschen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote als Grundlage für eine vernünftige Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Das Thema des künftigen Fachkräftebedarfs sei eng gekoppelt an die Frage der Bevölkerungs-entwicklung, sagte Ruth Schlaf vom IHK-Geschäftsbereich Standortpolitik & Unternehmensför-derung. In einer aktuellen IHK-Broschüre "Demografische Fitness", finden Unternehmer neben wichtigen Infos auch Handlungsempfehlungen, wie etwa sich frühzeitig um Nachwuchs zu kümmern, "schlummernde Potenziale" zu aktivieren (Beurlaubte/Teilzeitbeschäftigte) oder auch ältere Arbeitnehmer einzustellen und zu qualifizieren. Personalpolitische Maßnahmen, so Ruth Schlaf, sollten aber mit der Unternehmensstrategie abgestimmt sein. Und noch eines ist ihr wichtig: "Demografische Fitness muss Chefsache sein." Die gewünschte Wirkung sei nur dann zu erreichen, wenn Führungskräfte und Mitarbeiter an einem Strang ziehen.

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