Regionale Wirtschaft: Konjunktur nimmt Fahrt auf

IHK-Konjunkturbericht Herbst 2010

(PresseBox) (Weingarten, ) Seit dem Frühjahr hat der wirtschaftliche Aufschwung für die Unternehmen in der Region Bodensee-Oberschwaben Fahrt aufgenommen. 45 Prozent der regionalen Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage gut, 48 Prozent sind zufrieden. Die Unternehmen rechnen zwar nicht damit, dass die Steigerungsraten beibehalten werden, aber sie erwarten für die nächsten Monate eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Der IHK-Konjunkturklimaindex ist damit weiter angestiegen auf 139 Punkte. Vor einem Jahr lag der Klimaindex bei 99 Punkten. Mit dem Anziehen der Konjunktur belebt sich auch der Arbeitsmarkt deutlich und das Thema Fachkräftemangel rückt wieder in den Fokus.

"Das starke Wirtschaftswachstum hat alle Erwartungen übertroffen. Wer hätte gedacht, dass sich der Aufschwung dermaßen beschleunigt", freut sich IHK-Präsident Heinrich Grieshaber über die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage. Das Statistische Landesamt weist für Baden-Württemberg im ersten Halbjahr 2010 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent aus. Insbesondere die Industrie konnte in den vergan-genen Monaten hohe Umsatzsteigerungen und eine Erholung der Ertragslage verzeichnen. Erfreulich ist auch, dass die Region Bodensee-Oberschwaben im ersten Halbjahr 2010 die geringste Zahl von Unternehmensinsolvenzen aller Regionen in Baden-Württemberg zu verzeichnen hat. Mit 1,6 Prozent Insolvenzhäufigkeit belegt die Region den Spitzenplatz in Baden-Württemberg. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 gingen die Insolvenzen um 14 Prozent zurück. Doch bei allem berechtigten Optimismus gilt es, realistisch zu bleiben. Dieses rasche Tempo ist vermutlich nicht zu halten. Die Erwartungen der Unternehmen zeigen, dass mit einer weiteren Beschleunigung kaum zu rechnen ist. "Wir müssen weiter an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeiten und uns nicht gegenseitig auf die Schuler klopfen. 38 Prozent der regionalen Unternehmen machen sich Sorgen um die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen. Die Politik ist daher gefordert: Das Sparpaket darf nicht wieder aufgeschnürt werden, die Haushaltskonsolidierung muss Vorrang haben. Das Thema Fachkräftemangel wird zunehmend zum Engpass. Wir müssen die Potenziale der Menschen bei uns noch besser nutzen und gleichzeitig müssen qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland willkommen sein", fordert Präsident Grieshaber. Zudem bleibt die Entwicklung der Weltwirtschaft abzuwarten.

Auf dem Arbeitsmarkt führt das schnelle Wachstum zu einer deutlichen Belebung. Neben einem raschen Anstieg von Zeitarbeitsverhältnissen verzeichnen die Arbeitsagenturen auch einen großen Anstieg regulärer Beschäftigungsverhältnisse. Die regionale Arbeitslosenquote betrug im September nur noch 3,7 Prozent. Während der Wirtschaftskrise war das Thema Fachkräftemangel in den Hintergrund gerückt. Jetzt zeigt sich, dass es nur kurz verdeckt war und umso gravierender wieder auftaucht: Jedes dritte Unternehmen in der Region sieht den Fachkräftemangel als Risiko für die eigene Entwicklung. 43 Prozent der Unternehmen geben aber auch die Arbeitskosten als Risiko an.

Industrie: schwungvolle Entwicklung

Die vergangenen vier Monate haben Schwung in die Industriekonjunktur gebracht. Seit dem Frühjahr hat sich die Lageeinschätzung nochmals verbessert. Der Umsatz ist stark angestiegen. Die Umsätze von Januar bis August 2010 liegen um sechs Prozent über den Umsätzen im gleichen Zeitraum im Jahr 2009; allerdings noch um 20 Prozent unter den Umsätzen des Boomjahres 2008. Wichtiger Tragpfeiler ist und bleibt das Auslandsgeschäft. Hier berichten 60 Prozent der Unternehmen von steigenden Umsätzen. Die Exportquote liegt seit drei Monaten über 50 Prozent. Der Inlandsumsatz war im Frühjahr noch lange nicht so dynamisch wie der Auslandsumsatz. Jetzt stellen die Unternehmen (64 Prozent) auch hier eine kräftige Belebung fest. Die Erträge erholen sich stetig, die Kapazitätsauslastung geht auf die 90 Prozent zu. Die derzeitige Tendenz der Auftragseingänge ist viel versprechend, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland gehen vermehrt Aufträge ein. Als interessante Auslandsmärkte sehen die Unternehmen insbesondere Asien, Europa und Russland. Deshalb blicken die Unternehmen sehr optimistisch in die Zukunft. Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung der eigenen Geschäftsentwicklung, die andere Hälfte rechnet mit gleich bleibend guten Geschäften. End-lich wird auch wieder investiert in der Industrie. Dabei denkt jedes fünfte Unternehmen an Kapazitätserweiterung. Auch die Personalsuche hat in vielen Betrieben wieder begonnen, dabei ist für 29 Prozent der Unternehmen der Fachkräftemangel wieder aktuelles Thema. Dennoch bleiben für die Unternehmen einige Risiken bestehen. Fast 63 Prozent sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen ein Risiko für die Entwicklung des Unternehmens, fast 40 Prozent beklagen zu hohe Arbeitskosten, auch die politischen Rahmenbedingungen werden skeptisch beobachtet.

Baugewerbe: (Zwischen-)Hoch im Sommer

Endlich kommen auch vom Baugewerbe wieder positive Stimmen, der Sommer hat den Unternehmen ein kleines Hoch verschafft. 30 Prozent der Unternehmen sehen sich sogar in einer guten Geschäftslage. Die Ertragslage hat sich gebessert und wird von der Mehrheit der Bauunternehmen als zufriedenstellend bezeichnet. Neue Aufträge kommen vor allem aus dem Wohnungsbau und aus dem gewerblichen Hochbau. Auch wenn das Baugewerbe insgesamt einen Auftrieb verspürt, sieht man doch gravierende Unterschiede in den einzelnen Bausparten. Die Lage im Ausbaugewerbe ist sehr viel besser als im Hoch- oder Tiefbau. Im Ausbaugewerbe spiegeln sich mittlerweile die Effekte der Konjunkturprogramme wider. Insbesondere die Kommunen haben mit Hilfe der krisenbedingten Sonderprogramme kräftig investiert. Im Hoch- und Tiefbau wirken aber noch die immensen Investitionsausfälle der Krise nach. Auch bei den Erwartungen liegen die verschiedenen Baubranchen auseinander. Im Hinblick auf die kommenden Monate zeigt sich das Ausbaugewerbe optimistisch, Hoch- und Tiefbau bleiben skeptisch. An eine Reduzierung des Personals müssen aber nur sehr wenige Unternehmen denken. Über alle Baubranchen hinweg machen sich die Unternehmen eher Sorgen um die zukünftigen Fachkräfte. 56 Prozent der Unternehmen sehen den Fachkräftemangel als Risiko für die Zukunft an, das sind so viele wie in keiner anderen Branche.

Handel: Kunden in Kauflaune

Der Einzelhandel war zwar von der Krise wenig betroffen, konnte aber auch von der vorausgegangen Boomphase nicht in entsprechendem Ausmaß profitieren. Mit dem jetzigen Aufschwung steigen auch beim Einzelhandel die Umsätze. In Baden-Württemberg sind bis auf den Monat August in 2010 die Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu den Vorjahresmonaten angestiegen. Die regionalen Einzelhändler sehen sich gut aufgestellt: Über 40 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als gut, über 50 Prozent als befriedigend. Das Kaufverhalten der Kunden wird als durchaus wieder kauffreudig beurteilt. Der Kfz-Handel kann noch nicht von Zuwachsraten berichten, hier herrscht noch deutliche Kaufzurückhaltung. Allerdings sehen die Autohändler ihre Lage nicht mehr so schlecht wie noch in den ersten Monaten des Jahres. Die Erwartungen der Einzelhändler sind insgesamt optimistisch. Die Beschäftigungslage im Einzelhandel bleibt stabil.

Der Großhandel hat in den vergangenen vier Monaten stark zugelegt, zwei Drittel der Unternehmen berichten von gestiegenen Umsätzen. Die Geschäftslage wird entsprechend günstig eingeschätzt. Die gute Stimmung trifft dabei gleichermaßen auf den produktionsnahen und den konsumnahen Großhandel zu. Die Großhändler rechnen mit einem stabilen Aufschwung und mit weiterhin guten Geschäften. Es wird wieder mehr investiert und fast jedes dritte Unternehmen ist auf Personalsuche.

Dienstleister: steigende Nachfrage nach Serviceleistungen

In allen Dienstleistungsbranchen herrscht sehr gute Stimmung. 54 Prozent der Unternehmen sind in einer guten, 43 in einer befriedigenden Geschäftslage. Die unternehmensnahen Dienstleister können jetzt ihr Know-how für ihre Kunden wieder voll einsetzen. Insbesondere die Konstruktionsbüros, bei denen sich im Frühjahr die Belebung erst vorsichtig angedeutet hat, sind jetzt wieder gut im Geschäft und berichten von gestiegenen Umsätzen. Im Bereich EDV haben die Aufträge nach dem schon recht dynamischen Frühjahr noch etwas angezogen. Die unternehmensnahen Dienstleister blicken sehr optimistisch in die Zukunft. Sie rechnen mit anhaltend hohen Aufträgen. Fast drei Viertel der Betriebe planen Investitionen, davon fast die Hälfte zur Kapazitätserweiterung. 41 Prozent der Serviceanbieter mit gewerblichen Kunden sind auf Personalsuche. Dabei bestätigen 35 Prozent, dass sie Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden. Auch im Verkehrsgewerbe hat sich der gute Trend vom Frühjahr bestätigt. Die Unternehmen verzeichnen gestiegene Umsätze, insbesondere die Aufträge aus dem Inland haben stark angezogen. Die Kapazi-täten sind zu 90 Prozent ausgelastet, in der Krise lagen die Kapazitäten zu 25 Prozent brach. Die Erträge kommen aus dem Keller und fallen für die meisten Unternehmen schon wieder sehr zufriedenstellend aus. Da die Auftragseingangstendenz für Transport- und Logistikdienstleistungen weiter nach oben zeigt, schauen die Unternehmen zuversichtlich nach vorn.

Hotel- und Gaststättengewerbe: durchwachsener Sommer
Der Sommer 2010 ist für die Hotelliers und Gastronomen recht

gut gelaufen. Allerdings konnte dieser Sommer den außergewöhnlich guten Sommer in 2009 nicht toppen. Die Ausgabefreudigkeit, die im Einzelhandel festgestellt wurde, können insbesondere die Gastronomen bei ihren Kunden nicht bestätigen. Urlaubsgäste haben dieses Jahr weniger ausgegeben als im vergangenen Jahr. Ein wichtiger Grund für die Einbußen war vermut-lich das durchwachsene Wetter, das zu Ausfällen in der Außengastronomie geführt haben dürfte. Die Umsätze mit Geschäftskunden haben sich nur leicht verbessert. Die Ertragsla-ge ist aber weiterhin stabil. Die Erwartungen sind verhalten optimistisch.

Kreditgewerbe: Lage hellt sich weiter auf

Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung hat auch den Kreditinstituten neuen Schub gebracht. Die eigene Geschäftslage wird mehrheitlich als vorteilhaft angesehen. Geschäftsvolumen und Einlagen haben zugenommen. Die Ertragslage stellt sich im Vergleich zu vor einem Jahr sehr viel besser dar. Die Kreditnachfrage entwickelt sich positiv, sowohl bei den Privat- als auch bei den Firmenkunden. Auffällig ist, dass doch wieder vermehrt Investitionskredite nachgefragt und vergeben werden. Für die eigene Entwicklung rechnen die Unternehmen mit einem gleich bleibenden Verlauf der Geschäfte.

* An der Konjunkturumfrage "Herbst 2010" haben sich 275 Unternehmen aus der Region Bodensee-Oberschwaben beteiligt. Aus den Umfrageergebnissen zur aktuellen Geschäftslage und den in die Zukunft weisenden Erwartungen berechnet die IHK Bodensee-Oberschwaben den IHK-Konjunkturklimaindex (siehe Grafik, aktuell 134 Punkte). Er spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider und ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Der langfristige Durchschnitt des Indexes der Region Bodensee-Oberschwaben beträgt 110,0 Punkte (Rückrechnung bis Anfang 1998).

IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.

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