Regionale Wirtschaft: Aufschwung fasst Fuß

IHK-Konjunkturbericht Frühjahr 2010

(PresseBox) (Weingarten/Leutkirch, ) Es geht aufwärts für die Unternehmen in der Region Bodensee-Oberschwaben, die konjunkturelle Erholung setzt sich fort. Fast 40 Prozent der regionalen Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage gut, 52 Prozent sind zufrieden. Damit hat sich seit der letzten IHK-Konjunkturumfrage im Januar die Stimmung im Frühjahr deutlich gebessert. Da auch die Erwartungen der Unternehmen deutlich nach oben zeigen, ist der IHK-Konjunkturklimaindex von 104 auf 134 Punkte sprunghaft angestiegen. Auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen zeigen wieder nach oben.

"Es macht richtig Freude, die Ergebnisse unserer aktuellen Konjunkturumfrage anzuschauen. Es ist schon ein Stück weit überraschend, dass die meisten Unternehmen das Konjunkturtal so schnell überwunden haben", zeigt sich IHK-Präsident Grieshaber in guter Laune bei der IHK-Pressekonferenz, fügt aber gleichwohl hinzu: "Diese gute Beurteilung ist sicher auch einer gewissen Erleichterung der Unternehmen geschuldet, dass die Krise überwunden ist und sich so schnell wieder eine Belebung der Geschäfte zeigt. Wir dürfen nicht vergessen, aus welchem Tief wir kommen und dass immer noch viele Menschen in Kurzarbeit sind. Trotz dieser schnellen Erholung darf die Politik nicht ignorieren, dass sie in vielen Bereichen, wie zum Beispiel bei den Arbeitsmarkt- oder Steuerregelungen dringend wirtschaftsfreundlich nachbessern muss." Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich über alle Branchen hinweg gesehen, 46 Prozent der Unternehmen über gestiegene Umsätze freuen können und sich die Erträge deutlich erholt haben. Aufträge kommen wieder, insbesondere aus dem Ausland. Bei den Erwartungen über die allgemeine Geschäftsentwicklung meinen 48 Prozent der Unternehmen die Entwicklung verbleibt in den nächsten zwölf Monaten auf aktuellem Niveau, 46 Prozent sind noch optimistischer und sehen Anzeichen für eine anhaltende Besserung. Jedes dritte Unternehmen plant, in den nächsten zwölf Monaten zu investieren, vor einem Jahr war das nur jedes zehnte.

Auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich die Entspannung, die seit März zu spüren ist, weiter fortsetzen. 21 Prozent der Unternehmen in der Region möchten ihr Personal aufstocken. "Um den Stellenaufbau im Aufschwung weiter zu fördern, muss der Arbeitsmarkt intelligent flexibilisiert werden", fordert IHK-Präsident Grieshaber. So solle zum Beispiel im Interesse der kleineren Betriebe der Kündigungsschutz erst in Betrieben mit über 20 Beschäftigten gelten. Kleinere Betriebe neigen dazu erst dann zusätzliches Personal einzustellen, wenn sie ganz am Anschlag sind. Wenn die Politik sich mehr Beschäftigungsdynamik wünscht, sollte sie den kleineren Betrieben daher beim Kündigungsschutz entgegen kommen." Im Dezember waren im Bezirk der Arbeitsagentur Ravensburg noch 11.000 Menschen in 450 Betrieben in Kurzarbeit. Die nächste Statistik für März wird hier vermutlich einen deutlichen Rückgang zeigen. Obwohl die Krise also noch ihre Schatten über den Arbeitsmarkt wirft, dürfte sich das Thema Fachkräftemangel langsam wieder in den Vordergrund schieben. Im Januar sahen 18 Prozent der Unternehmen im Fachkräftemangel ein Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung, aktuell sagen das schon wieder 25 Prozent. Mit der Forderung nach dem Ausbau der Kinderbetreuung oder erhöhter Bildungsanstrengungen, um diesem Mangel zu begegnen, schreibt Grieshaber der Politik weitere Punkte in ihr Pflichtenheft.

Industrie kommt wieder in Fahrt

Die Industrie war am härtesten betroffen von der Wirtschaftskrise. Sie musste herbe Umsatzeinbußen verkraften und hat am längsten an den Folgen der Krise zu leiden. Als sich in den letzten beiden IHK-Umfragen schon für andere Branchen Entspannung zeigte, war die Industrie mit ihrer schlechten Geschäfts- und Ertragslage Sorgenkind Nummer eins. Erste Lichtblicke ergaben sich durch den Auftragseingang. Der Optimismus war gerechtfertigt, denn aktuell hat sich die Geschäftslage in der Industrie deutlich verbessert. 36 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage gut, 58 Prozent als befriedigend. Nur noch 6 Prozent sehen sich in einer schlechten Geschäftslage, das waren vor einem Jahr noch fast 50 Prozent der Unternehmen. Die Umsätze haben sprunghaft angezogen, das sagen 50 Prozent der Unternehmen. Seit Anfang des Jahres verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe in Baden-Württemberg wieder Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr. Mit den angestiegenen Umsätzen kommt auch endlich die Ertragslage wieder aus dem Keller: 70 Prozent der Unternehmen sind zufrieden mit der Ertragslage, 16 Prozent sehen hier noch rote Zahlen. Die Kapazitäten sind mit 83 Prozent sehr viel besser ausgelastet als noch vor einem Jahr (74 Prozent), das Delta zeigt aber, dass wir noch weit weg sind von den Boommonaten Ende 2007/Anfang 2008. Die Aussichten für die nächsten zwölf Monate werden sehr zuversichtlich eingeschätzt, denn es gehen zahlreiche Aufträge ein. 60 Prozent der Unternehmen erwarten vermehrt Aufträge aus dem Ausland, aus dem Inland erwarten 55 Prozent der Unternehmen mehr Aufträge. Die Umsatzerwartungen verlaufen parallel. In den Monaten Februar und März 2010 konnte die badenwürttembergische Industrie Auftragssteigerungen von je 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. Die deutschen Unternehmen sind wieder gefragt mit ihren Hightech-Produkten, die im Moment aufgrund der Euro-Schwäche im Ausland zu attraktiven Preisen gehandelt werden. Als Auslandsmarkt Nummer eins wird Asien eingeschätzt, gefolgt von den EU-Ländern und Russland. Dass die Unternehmen an einen stabilen Aufschwung glauben, lässt sich aus den Investitions- und Beschäftigungsabsichten ablesen: 36 Prozent der Industriebetriebe wollen in den nächsten zwölf Monaten im Inland investieren, vor einem Jahr war die Zahl auf fast 10 Prozent abgesunken. Allerdings wird im Moment weniger an Kapazitätserweiterung, sondern an Verfahrensinnovation und Ersatzbedarf gedacht. Neueinstellungen planen bis jetzt 15 Prozent der Unternehmen, aber eine hohe Zahl von 77 Prozent der Unternehmen möchte die Beschäftigtenzahl beibehalten. Damit dürfte sich auf dem Arbeitsmarkt eine deutliche Entspannung ergeben.

Baugewerbe: mäßige Besserung

Fast anderthalb Jahre ist es her, dass der Saldo der Geschäftslageeinschätzung im Baugewerbe positiv war, also mehr Unternehmen ihre Lage gut beurteilen als die, die sie schlecht beurteilen. Die vergangenen Krisenmonate sind aber noch nicht verschmerzt, die Ertragslage ist bei jedem dritten Unternehmen noch negativ. Die Bauproduktion hat etwas zugelegt, befindet sich aber immer noch auf nicht zufriedenstellendem Niveau. Beim Auftragseingang in den Bereichen Straßen- und Tiefbau sowie im öffentlichen Hochbau wird eine mäßige Belebung festgestellt. Da die Privatwirtschaft, insbesondere die Industrie kaum an Kapazitätserweiterung denkt, wird von dieser Seite auch kaum vermehrter Auftragseingang festgestellt. Aber auch Privatleute scheinen sich beim Hausbau zurückzuhalten. Dementsprechend sind die Erwartungen der Baubranche zwar sehr viel besser als noch im Januar oder vor einen Jahr, aber doch sehr viel vorsichtiger als in den anderen Branchen. Mit Beginn der Bauhauptsaison planen jedoch 30 Prozent der Baubetriebe Neueinstellungen.

Handel: gute Geschäfte

Annähernd ohne Blessuren ist der regionale Einzelhandel durch die Wirtschaftskrise gegangen. Stolze 85 Prozent der Betriebe sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden oder befinden sie als gut, der Umsatz hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen. Die Ertragslage ist für die meisten voll befriedigend. Anders sieht es im Kfz-Handel aus. Dort ist die Lage nach dem voraussehbaren Umsatzrückgang nach Auslaufen der Abwrackprämie sehr durchwachsen. Die Erwartungen sind jedoch bei allen Einzelhändlern optimistisch, die Beschäftigungslage im Einzelhandel bleibt stabil.

Mit der Belebung in der Industrie laufen auch im Großhandel die Geschäfte wieder an. Die Großhändler stellen fest, dass die Kaufzurückhaltung ihrer Kunden nachlässt und teilweise schon wieder eine rege Kauftätigkeit einsetzt. Der Umsatz ist folglich angestiegen, die Erträge sind bei der großen Mehrheit der Betriebe zufrieden stellend oder sogar gut. Die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate, was die Umsätze und die allgemeine Geschäftslage angeht, sind optimistisch, bei der Beschäftigungsplanung geht der Trend nach oben.

Dienstleister: Krisenstimmung verflogen

Über alle Bereiche hinweg herrscht gute Stimmung bei den Dienstleistern. Fast 90 Prozent befinden sich in einer guten oder zufrieden stellenden Geschäftslage und können sich über eine Erholung der Ertragslage freuen. Die unternehmensnahen Anbieter profitieren offensichtlich ohne Zeitverzug vom Aufwind in der Industrie. Während bei der Konjunkturumfrage vor vier Monaten die Konstruktionsbüros ihre Lage noch recht verhalten beurteilten, konnte die Informationswirtschaft damals schon wieder über gute Geschäfte berichten. Aktuell hat sich für beide die Geschäftslage (weiter) verbessert. 45 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister beurteilen ihre Lage gut, 42 Prozent sind zufrieden. 50 Prozent freuen sich über gestiegene Umsätze, die sich auch in der Ertragslage erfreulich niederschlagen. Die Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen geht steil nach oben, in der Folge erwarten die Unternehmen ein Nachlassen des Preisdrucks. Auch die unternehmensnahen Dienstleister sind international aufgestellt. 29 Prozent sehen das Auslandsgeschäft tendenziell ansteigen, 39 Prozent schätzen, dass die Nachfrage aus dem Ausland gleich bleibt. 28 Prozent geben an, keinen Kontakt mit Auslandsmärkten zu haben. Ein Drittel der Unternehmen plant, in den nächsten Monaten die Investitionen hochzufahren. Erfreulich ist, dass davon 36 Prozent eine Kapazitätserweiterung planen. Bei den unternehmensnahen Serviceanbietern wird am meisten Personal gebraucht: 40 Prozent benötigen mehr Personal. Auch das Transportgewerbe berappelt sich wieder. Nur noch wenige Unternehmen beurteilen ihre Lage schlecht. Die Umsätze haben angezogen, die Erträge folgen aber nur verzögert nach. Für die nächsten zwölf Monate wird mit einer weiteren Belebung der Geschäfte gerechnet.

Hotel- und Gaststättengewerbe: Geschäftskunden bleiben noch aus

Die Monate Januar bis April sind für die Gastronomen in der Region zufrieden stellend verlaufen. Im Bereich Geschäftskunden konnten sie aber noch keine echte Kehrtwende spüren. Nur wenige Betriebe können feststellen, dass der Geschäftsreiseverkehr mit entsprechenden Umsätzen wieder zunimmt. Nach den Einbrüchen durch die Krise, ist die Ertragslage für viele noch unbefriedigend. Dennoch sehen die Gastwirte die Zeichen für eine baldige Erholung und schauen optimistisch in die Zukunft. Die im klassischen Urlaubstourismus tätigen Unternehmen hatten teilweise noch bis in den März hinein geschlossen, sie sehen voller Hoffnung der Hauptsaison im Sommer entgegen. Dementsprechend plant die Branche in Vorbereitung auf die Außensaison Personaleinstellungen.

Kreditgewerbe: ruhige Lage

Nach dem traditionell starken Jahresende ist das Frühjahr für die Banken ruhig angelaufen. Die Geschäftslage ist voll befriedigend. Zinsgeschäfte werfen wieder Erträge ab und auch die Provisionsgeschäfte laufen erfolgreicher. Die Kreditnachfrage von Firmenkunden hat leicht angezogen, Privatkunden scheinen sich im Moment eher zurückzuhalten. Für die eigene Geschäftsentwicklung sind die Banken zuversichtlich, bei der Personalplanung zeigen sich die Banken aber vorsichtig.

Kreditmarkt: Entspannung oder weniger Nachfrage?

Die IHK hat in ihrer Konjunkturumfrage wieder nach den Erfahrungen der Unternehmen mit ihrer Hausbank gefragt. 11 Prozent der Unternehmen geben an, die Konditionen hätten sich gebessert, 75 Prozent sehen keine Veränderung und 12 Prozent geben an, für sie hätten sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtert. Das sind deutlich weniger als noch zu Jahresbeginn, damals waren es 22 Prozent. Knackpunkte bei der Finanzierung sind nach wie vor die Höhe der Zinsen und der Nachweis von Sicherheiten. Zwei Prozent der Unternehmen geben an, ihnen sei ein Kredit verweigert worden. Auch wenn die Unternehmen in der Region nicht unter einer Kreditklemme zu leiden hatten, haben die verschärften Kreditanforderungen doch Probleme mit sich gebracht. Aktuell geben 20 Prozent der Unternehmen an, die Finanzierung belaste ihre wirtschaftliche Entwicklung. Nicht zuletzt wegen der geringen Investitionstätigkeit war die Kreditnachfrage in den vergangenen Monaten eher schwach. Vielfach haben Unternehmen ihre Liquiditätspuffer zur Finanzierung des laufenden Betriebes aufgebraucht. Mit der verbesserten konjunkturellen Situation müssen jetzt die Lager aufgefüllt, Aufträge und Investitionen finanziert werden. Jetzt kommt es darauf an, dass den Unternehmen der notwendige Spielraum zur Finanzierung des Aufschwungs eingeräumt wird.

An der Konjunkturumfrage "Frühjahr 2010" haben sich 265 Unternehmen aus der Region Bodensee-Oberschwaben beteiligt. Aus den Umfrageergebnissen zur aktuellen Geschäftslage und den in die Zukunft weisenden Erwartungen berechnet die IHK Bodensee-Oberschwaben den IHK-Konjunkturklimaindex (siehe Grafik, aktuell 134 Punkte). Er spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider und ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Der langfristige Durchschnitt des Indexes der Region Bodensee-Oberschwaben beträgt 110,0 Punkte (Rückrechnung bis Anfang 1998).

IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.

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