"Der Aufschwung ist kein Strohfeuer"

Präsident der Bundesbank-Hauptverwaltung Stuttgart sprach beim dritten Konjunkturge-spräch der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben

(PresseBox) (Weingarten, ) Seit dem ersten Quartal 2010 verläuft der Aufschwung in Deutschland und auch in der Region Bodensee-Oberschwaben schwungvoll. "Das Wirtschaftswachstum hat uns alle überrascht", sagte Heinrich Grieshaber, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) beim Konjunkturgespräch am Mittwoch in Weingarten. Auch dieses mitt-lerweile dritte Konjunkturgespräch der IHK stieß auf eine große Resonanz. "Wir hatten bereits im Vorfeld 90 Anmeldungen", berichtete Bettina Wolf vom IHK-Geschäftsbereich Standortpoli-tik.

Deutschland sei in Europa die treibende Konjunkturkraft, so Grieshaber weiter. Innerhalb Deutschlands habe Baden-Württemberg die Nase vorn. Der Transportraum sei wieder knapp geworden, sagte der IHK-Präsident und mahnte zugleich: "Wir dürfen uns aber nicht nur auf die Schultern klopfen, wir müssen weiterhin an stimmigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeiten." Immerhin 38 Prozent der Unternehmen betrachteten diese mit Sorge. "Gute und schöne Zahlen" zur regionalen Wirtschaft hatte auch Bettina Wolf parat. Die Geschäftslage habe sich erneut verbessert. Die Mehrheit der Unternehmen rechne mit einem gesunden Wachstum. Auch die Beschäftigungs- und Investitionsabsichten der Firmen stiegen wieder an. 28 Prozent der von der IHK befragten Unternehmen in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen sowie im Bodenseekreis wollen laut Bettina Wolf mehr Mitarbeiter einstellen, nur noch sieben Prozent denken an eine Reduzierung ihrer Beschäftigten. Als positives Signal sei auch zu bewerten, dass einige Firmen an Kapazitätserweiterungen denken.

Aus Sicht der Notenbank sei der derzeitige Aufschwung langfristig und nicht gefährdet, sagte Bernhard Sibold, Präsident der Hauptverwaltung Stuttgart der Deutschen Bundesbank und Hauptreferent beim IHK-Konjunkturgespräch. Die Krise sei allerdings noch nicht überwunden. Sibold: "Wir sind im vierten Jahr der Wirtschaftskrise und nicht im ersten Jahr des Aufschwungs." Inflations- oder gar Deflationsgefahren seien derzeit nicht erkennbar, so Sibold weiter. Es gebe auch keine Hinweise auf eine Kreditklemme. Vielmehr werde durch Basel III und neue gesetzliche Eigenkapitalanforderungen ein sicheres Bankensystem garantiert.

Mit Sorge betrachte man allerdings die Entwicklungen in den USA und auf den dortigen Finanz- und Immobilienmärkten. Auch durch hohe Staatsverschuldung lauerten Gefahren. Sibold forderte die konsequente Konsolidierung der Haushalte durch strikte Einhaltung des Wachstums- und Stabilitätspakts sowie ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten. Einen weiteren Risikofaktor stelle der sich abzeichnende Fachkräftemangel dar. Bereits jetzt vermelden laut Sibold 20 Prozent der Unternehmen "generelle" Probleme und 50 Prozent "zum Teil" Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Dies gelte über alle Qualifizierungsniveaus hinweg. Die IHK richte ihr besonderes Augenmerk auf das Thema Fachkräftemangel, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr.-Ing. Peter Jany. Angesichts rückläufiger Ausbildungszahlen, obwohl mehr Betriebe ausbildeten als früher, gebe es Handlungsbedarf.

"Deutschland ist wirtschaftlich und finanziell im europäischen und weltweiten Wettbewerb gut aufgestellt", betonte Sibold. Es habe Vorbildfunktion für andere EU-Staaten, beispielsweise durch seinen widerstandsfähigen Arbeitsmarkt mit flexiblen Arbeitszeiten, Kurzarbeit und Ar-beitsmarktreform, durch die hohe Wettbewerbsfähigkeit sowie durch die im vergangenen Jahr im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse in öffentlichen Haushalten. Sibolds Fazit: "Die Konjunkturperspektiven sind positiv. Der Aufschwung ist kein Strohfeuer."

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