Wachsende Unsicherheit

(PresseBox) (Hanau, ) Exzellent ist im Großen und Ganzen die aktuelle wirtschaftliche Lage der Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis. Und doch ist der erstaunliche und unerwartete Aufschwung der Jahre 2010 und 2011 offensichtlich Geschichte. Die Erwartungen der Unternehmen sind nicht mehr so hoch. Deswegen muss es aber noch lange nicht zu einer Rezession kommen.

Die Ergebnisse der aktuellen regionalen Konjunkturumfrage der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern zum Jahreswechsel 2011/2012 überraschen: Herausragende 49,5 Prozent der 191 antwortenden Unternehmen bezeichneten die gegenwärtige konjunkturelle Lage als "gut". In fast allen Branchen im Main-Kinzig-Kreis, die Ausnahme ist der Einzelhandel, läuft es derzeit rund. Damit konnte bei der IHK-Umfrage der bisherige Rekordwert vom September 2011, als 47,7 Prozent der Unternehmen die Lage positiv bewerteten, noch einmal übertroffen werden. Erfreulich hoch ist auch der Wert derjenigen Unternehmen, die mit der aktuellen Lage zufrieden sind: 42 Prozent. Das sind nur 4,1 Prozentpunkte weniger als vergangenen September. Dementsprechend nur leicht von 6,2 auf 8,5 Prozent angestiegen ist die Zahl derjenigen Unternehmer, die von einer ungünstigen wirtschaftlichen Lage berichten. Schon seit Mai 2010 stufen mindestens 85 Prozent der Unternehmen ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend ein. Eine so lange Phase mit positiven Lageeinschätzungen ist eher Ausnahme als Regel, der deutsche XXL-Aufschwung machte sie möglich.

Konjunkturdelle kein Beinbruch

Deutlich schlechter als noch vor einem Jahr oder auch im vergangenen Herbst fallen die Unternehmens-Einschätzungen zur künftigen wirtschaftlichen Lage aus: Anfang 2011 zeigten sich 30,9 Prozent optimistisch, derzeit sind es nur noch 14,2 Prozent. Und waren vor Jahresfrist nur 10,8 Prozent der Unternehmer skeptisch, so sind es derzeit 22,3. Werden die Angaben saldiert, ergibt sich eine Verschiebung von +20,1 Prozentpunkte vor einem Jahr auf nunmehr -8,1.

Dieser tiefe Fall, fast 18 Punkte allein seit September, markiert eindeutig das Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs im Main-Kinzig-Kreis. Warum fällt die Eintrübung im Main-Kinzig-Kreis schon jetzt so deutlich aus? Einerseits ist der Landkreis deutlich stärker industriell aufgestellt als viele andere Regionen in Hessen oder in Deutschland. Anderseits ist der Standort Main-Kinzig-Kreis im Vergleich mit anderen stärker in die internationalen Wirtschaftskreisläufe verflochten.

Der aktuelle Konjunktur-Klimaindikator der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern erzielt mit 113,9 Punkten einen um 10,7 Punkte geringeren Wert als im Frühherbst 2011. Das ist der niedrigste Wert seit Frühjahr 2010. Der Indikator gewichtet die Angaben der Unternehmen zur gegenwärtigen Lage mit den Erwartungen. Er kann theoretisch schwanken zwischen null Punkten bei einer ganz schlechten Wirtschaftlage mit miserablen Aussichten und 200 Punkten bei einer exzellenten Lage mit rosigen Erwartungen. Die deutlich verschlechterten Angaben zur künftigen Geschäftslage haben maßgeblich zum Rückgang des Indikators geführt.

Auch wenn mit einer baldigen Fortsetzung des XXL-Aufschwungs nicht zu rechnen ist, so stehen die konjunkturellen Ampeln dennoch nicht auf "rot". Es sieht vielmehr ganz so aus, als näherte sich die Wirtschaft wieder an ihren langjährigen Wachstumstrend an. Die rasante Erholung in den beiden zurück liegenden Jahren ist aber vorbei. Bei dem hohen Auslastungsgrad in den Unternehmen fehlt auch die Luft für ein weiterhin starkes Wirtschaftswachstum. Drei Prozent Wirtschaftswachstum wie im vergangenen Jahr in Deutschland sind nicht jedes Jahr machbar, dazu liegt das Produktionsniveau schon jetzt viel zu hoch. Ein leichter und befristeter Rückgang ist auf diesem Niveau verkraftbar.

Bedacht werden sollte auch, dass die erfreulichen Angaben zur aktuellen wirtschaftlichen Situation eines ganz klar belegen: Die heimische Wirtschaft schlägt sich trotz wachsender konjunktureller Risiken derzeit wacker.

Rahmenbedingungen belasten

Die Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis blicken vorsichtiger in die Zukunft, aber nicht ängstlich. Sie wissen, dass sich die regionale Wirtschaft der kriselnden Weltwirtschaft nicht entziehen kann. Zu viele Volkswirtschaften haben den Rückschlag von 2008/2009 noch immer nicht überwunden. Sorgen bereiten auch die Schuldenkrisen in den europäischen Staaten und in anderen Industrienationen. Diese Ungewissheit schlägt sich auch im Stimmungsbild der IHK nieder. Sollte es der europäischen Politik im Laufe der kommenden Wochen gelingen, die schwere Staatsfinanzen-Krise weiter in den Griff zu bekommen, könnte das Vertrauen in die Märkte zurückkommen und Europa sich langsam aus der Krise arbeiten. Dazu müssen aber die Spar- und Reformankündigungen weiter umgesetzt werden. Gelingt dies, dürfte der konjunkturelle Rückgang nur als zeitlich befristete winterliche Delle in Erinnerung bleiben. Vor diesem Hintergrund werden die kommenden Wochen spannend. Wie so oft gilt auch an dieser Stelle: Wir sollten vor lauter echten und eingebildeten Risiken die vielen Chancen nicht übersehen.

Ein weiteres, erhebliches Konjunkturrisiko sind die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe. Auf die Frage der IHK, welche Risiken die Unternehmen für ihre wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten als besonders gefährlich erachten, nannten 52,5 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise. Es folgen, Mehrfachnennungen waren möglich, die politischen Rahmenbedingungen, eine möglicherweise sinkende Inlandsnachfrage sowie, mit 35,8 Prozent momentan etwas weniger wichtig, der Fachkräftemangel. Finanzierungsfragen sowie Wechselkursprobleme rangieren weit abgeschlagen. Daraus ist zu schließen, dass einerseits die Solidität des Euro nicht in Frage gestellt wird und dass andererseits die Berliner Energiewende zum Konjunkturkiller mutieren könnte. Diese überraschende Kehrtwende vom Frühjahr 2011, deren Ausgang noch völlig ungewiss ist, sowie die überbordenden Subventionen für erneuerbare Energien werden sowohl für die Wirtschaft als auch für die Verbraucher teuer. Die Unternehmen wollen zudem die höheren Rohstoff-, Strom- und Energiepreise - laut einer weiteren Zusatzfrage - an die Kunden weiterreichen. Das könnte die ansteckende Kauflaune der Deutschen ausbremsen und indirekt zum konjunkturellen Risiko werden. Die Berliner Politik ist aufgefordert, an dieser Stelle nachzubessern. Die Zeit drängt.

Industrie skeptischer

Derzeit stärkt die relative Schwäche des Euro den Industriestandort. Dass Deutschland gemeinsam mit den wirtschaftlich schwächeren südeuropäischen Staaten währungspolitisch in einem Boot sitzt, verhindert eine massive Währungsaufwertung. Das erleichtert Exporte, verteuert aber den Import von Energie und Rohstoffen.

Der Wirtschaftszweig erwartet mehrheitlich schwächere Umsätze in diesem Jahr. Schon seit Monaten gehen die Aufträge zurück, der beginnende Abschwung war schon im Frühherbst absehbar. Dass die Erwartungen zurückhaltend sind, korrespondiert mit den Auftragseingangszahlen aus dem In- und Ausland, die bei 38,2 beziehungsweise 35,7 Prozent der Unternehmen zurückgegangen und nur bei 11,8 und 17,9 Prozent gestiegen sind. Der Rückgang ist kräftig. Aber noch sind reichlich Aufträge abzuarbeiten, sodass keine Konjunktur-Krise von dieser Seite droht. Auf eine auch künftig recht solide Lage der heimischen Industrie deuten die Angaben zu den Investitionsplänen. 31,6 Prozent der Unternehmen wollen dieses Jahr verstärkt an Standort investieren und nur 11,8 Prozent planen Kürzungen bei neuen Maschinen und Anlagen. Die große Mehrheit der Betriebe setzt auf ein weiter so. Nicht mehr ganz so zuversichtlich wie zuvor sind die Personalpläne in der Industrie. Es werden kaum noch zusätzlich Stellen aufgebaut, es stehen aber auch vorläufig keine Entlassungswellen an.

Außerordentlich gut hat sich die Bauwirtschaft im abgelaufenen Jahr entwickelt. Sowohl der Wohnungsbau als auch der gewerbliche Hoch- und Tiefbau laufen recht gut. Und der milde Winter hilft der Branche derzeit. Die robuste Baukonjunktur könnte allerdings im Laufe des noch jungen Jahres durch verfehlte Sparanstrengungen der öffentlichen Hände in Mitleidenschaft gezogen werden. Noch immer hat die Politik nicht ganz verstanden, wie wichtig es ist, dass der Raubbau an der Infrastruktur in der Region FrankfurtRheinMain und im Main-Kinzig-Kreis endet. Auf Dauer werden die nicht nachvollziehbaren Verzögerungen etwa bei der nordmainischen S-Bahn oder auch beim Ausbau der Autobahn A 66 zu schwächerem Wachstum und weniger Wohlstand bei uns führen. Sparen und investieren - beides ist erforderlich. Die richtige Schwerpunktsetzung fehlt seit Jahren.

Handel und Dienstleistungen verhalten

Das vergangene Jahr war insgesamt betrachtet für den Handel das beste Konsumjahr seit mehr als zehn Jahren. Das Weihnachtsgeschäft lief für die Versandhändler und Internetanbieter richtig gut, für die ortsgebundenen Händler war es schon nicht mehr so erfreulich. Die Schwächezeichen der Konjunktur sind zwar noch recht verhalten, aber sie werden im Einzelhandel sichtbarer. Seit Herbst gilt dieser Befund schon für den Großhandel.

Auch für die Dienstleister im Gastgewerbe und Tourismus sowie im Logistikbereich verlief das vergangene Jahr sehr erfreulich. Gerade die unternehmensnah arbeitenden Dienstleister konnten kräftig zulegen. Viel vorsichtiger sind auch diese Unternehmen nun ins neue Jahr gestartet. Das wirkt sich auch auf die Personalentwicklungspläne in Handel und Dienstleistungsbranche aus. Zwar werden weiterhin händeringend Fachkräfte gesucht, aber auch diese Unternehmen erwarten dieses Jahr keine Fortsetzung des XXL-Aufschwungs. Etwas optimistischer sehen die personenbezogen arbeitenden Dienstleister den Jahresverlauf.

Auf den Arbeitsmarkt wirkt sich diese neue Vorsicht wahrscheinlich bis auf weiteres kaum aus. Ende Dezember waren im Main-Kinzig-Kreis 10.459 Menschen arbeitslos, im Jahresdurchschnitt waren es 11.408. Das entspricht einer offiziellen Arbeitslosenquote von unter fünf Prozent und 5,4 über das gesamte Jahr betrachtet. Es sieht ganz danach aus, als würde dieser gute Wert im laufenden Jahr nicht noch weiter unterboten.

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