Wirtschaft: Aussichten verdüstern sich stark

Gegenwärtige Lage aber unerwartet stabil

(PresseBox) (Emden, ) Die Wirtschaft in Ostfriesland und Papenburg ist derzeit in einer besseren Verfassung als erwartet. Allerdings sind die Aussichten für die künftige Entwicklung "im Keller". Die Kurzarbeit sei bereits stark angestiegen und würde im Jahresverlauf weiter wachsen. Das teilten die IHK für Ostfriesland und Papenburg sowie die Handwerkskammer für Ostfriesland auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Agenturen für Arbeit in Emden und Leer mit. Die Einschätzung der gegenwärtigen Lage und die Erwartungen an die kommenden Monate klafften weit auseinander. "Vor der weltweiten Wirtschaftskrise kann die Wirtschaft auch in unserer Region nicht davonlaufen", so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhold Kolck. Peter-Ulrich Kromminga, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland, ergänzt: "Die Krise wird uns sicher das ganze Jahr über begleiten." Der IHK-Konjunkturklimaindikator sei auf 83 von 200 möglichen Punkten abgesackt. Das sei der schlechteste Wert seit Anfang 2003. Vor einem Jahr habe er noch bei 118 gelegen.

Die gegenwärtige Lage schätzten die Betriebe beachtlich stabil ein. Die positiven und negativen Stimmen hielten sich die Waage. Ganz anders das Ergebnis bei der Frage nach der künftigen Entwicklung. Inzwischen erwarteten vier von zehn Unternehmen eine Verschlechterung. Vor einem Jahr überwog der Anteil der optimistischen Stimmen noch bei weitem. Die meisten Betriebe gingen davon aus, dass sich ihre Investitionsausgaben in diesem Jahr reduzieren. Besonders stark hätten sich die Exportaussichten verschlechtert. Inzwischen rechne jeder dritte exportierende Betrieb mit einem Rückgang. Besonders deutlich ausgeprägt seien die pessimistischen Einschätzungen bei den Industriebetrieben. Beklagt werde vor allem der Rückgang bei den Auftragseingängen aus dem Ausland. Im Einzel- sowie im Großhandel überwögen hingegen noch die positiven Beurteilungen. Aber auch hier werde von diesem Jahr nichts Gutes erwartet. Der Einzelhandel spüre die rückläufige Konsumneigung und erwarte deshalb einen rückläufigen Umsatz. Die Großhandelsbetriebe schätzten die Situation ähnlich ein. Bei den unternehmensnahen Dienstleistern werde die gegenwärtige Lage zwar noch überwiegend positiv eingeschätzt. Allerdings hätten sich auch hier die Erwartungen deutlich eingetrübt. Im Verkehrsgewerbe überwögen schon jetzt die negativen Einschätzungen.

Der ostfriesische Arbeitsmarkt hatte sich nach Angaben der Agenturen für Arbeit in Emden und Leer im abgelaufenen Jahr weiter positiv entwickelt. So sei die durchschnittliche Arbeitslosigkeit um 3.335 Personen auf 19.840 gesunken. Die Arbeitslosenquote von 9,1 % habe zwar deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 7,8 % gelegen, aber alle Zielgruppen hätten vom Rückgang der Arbeitslosigkeit profitiert. Das hat sowohl für die unter 25jährigen wie auch für die Langzeitarbeitslosen gegolten.

Mit dem Jahreswechsel 2008 habe Ostfriesland wieder einen Anstieg in der Arbeitslosigkeit verzeichnet. Dabei seien die Zugänge insbesondere im SGB III Rechtskreis zu verzeichnen gewesen, da Personen aus sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen in der Regel einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I hätten.

"Als nachhaltiger Gradmesser der verbesserten Arbeitsmarktsituation gilt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die zum 30.06.08 mehr als 156.850 Arbeitnehmer betrug", führt Christiane Fern, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leer, aus. "Durch die konjunkturelle Entwicklung rechne ich aber mittelfristig mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit", fügt die Agenturleiterin hinzu.

"Die weitere Entwicklung hängt zum großen Teil davon ab, wie die erweiterten Möglichkeiten der Kurzarbeit von den Betrieben angenommen werden", sagt Rudolf Sievers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Emden. Hier sieht der Agenturchef eine echte Alternative zur Arbeitslosigkeit. Das Konjunkturpaket enthalte Angebote, die diese Form der Beschäftigung für Arbeitgeber viel attraktiver machten.

Die Kurzarbeit erfahre derzeit einen enormen Zulauf, wobei sich im Januar 2009 die Kurzarbeiterquote von 0,7 % im Bezirk Emden und 0,8 % im Bezirk Leer unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt von 1,0 bzw. 1,1 % bewegte. Jedoch sei bereits jetzt erkennbar, dass sich auch in Ostfriesland die Kurzarbeiterzahlen weiter nach oben entwickelten. Dies werde in den täglichen Beratungsgesprächen deutlich. Mit dem Instrument Kurzarbeit greifen wir den Unternehmen unter die Arme, sichern Arbeitsplätze und stabilisieren den Arbeitsmarkt, so Sievers. Aktuell bestünde ein hoher Beratungsbedarf der Betriebe über Kurzarbeit und Qualifizierung. "Mitarbeiter aus dem Arbeitgeber-Service informieren derzeit alle interessierten Betriebe."

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