Wenn der Frieden der Verstorbenen nur kurz währt

Forscher der Hochschule Osnabrück entwickeln Software zur optimalen Bestimmung der Ruhezeiten auf Friedhöfen

(PresseBox) (Osnabrück, ) Requiescat in pace - Ruhe in Frieden. So zumindest lauten viele Grabinschriften, die den Verstorbenen ewigen Frieden geleiten sollen.

In Deutschland währt die Friedhofsruhe allerdings nicht ewig, weil das Prinzip der Wiederbelegung von Friedhofsflächen gilt. Die gesetzlichen Ruhezeiten liegen im Durchschnitt bei 25 Jahren. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass in dieser Zeit die Verwesung komplett abgeschlossen sein sollte. In Ausnahmefällen wird die Zeit auch hochgesetzt. Allerdings erweist sich auch das in vielen Fällen als nicht ausreichend. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 25 % der deutschen Friedhöfe Probleme mit zu langsamen Verwesungsprozessen aufweisen.

"Die Ursachen für extrem verlangsamte Verwesungsprozesse sind mannigfaltig. Ein entscheidender Faktor ist die jeweilige Bodenbeschaffenheit", betont Prof. Dr. Rüdiger Anlauf, Professor für Bodenkunde und Bodenphysik an der Hochschule Osnabrück.

"Unsere Berechnungen bestätigen, dass die Verwesung in schluffigen und tonigen Böden bis zu viermal länger dauert, als in sandig-lehmigen Böden. Kommen bei tonigen Böden noch ungünstige Feuchtigkeitsverhältnisse hinzu, kann der Prozess nahezu 75 Jahre umfassen. Mit der neu entwickelten Software soll es künftig rechtzeitig möglich sein, entsprechende Ruhezeiten unter Einbezug verschiedenster Umweltfaktoren festlegen zu können.

"Die jeweiligen bodenphysikalischen und klimatischen Verhältnisse können so spezifisch sein, dass die Ruhezeitenvorgaben des Gesetzes zu ungenau und wenig hilfreich sind", fügt Prof. Anlauf hinzu.

Für jeden Friedhof muss daher die Frage aufgeworfen werden, welche Bodenart vorherrscht, wie stark Jahresniederschlag und Grabbewässerung sind, wie Grababdeckungen den Verwesungsprozess beeinflussen würden und welche technischen Hilfsmittel eingesetzt werden können um den Prozess zu beschleunigen.

"Um den komplexen lokalen Beschaffenheiten und Anforderungen Rechnung tragen zu können, haben wir in Kooperation mit entera Umweltplanung und IT aus Hannover die Software "RuheSoft" ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, einen Ansatz zur Prognose von Verwesungszeiten in Abhängigkeit der natürlichen Umgebungsfaktoren zu erarbeiten. Nur so lassen sich zukünftig derartige Problemlagen vermeiden. Zudem sollen theoretische Analysen zur Auswirkung von gestalterischen bewirtschaftungstechnischen Maßnahmen durchgeführt werden", erklärt der Professor, der das Vorhaben gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Heinz-Christian Fründ (Bodenbiologie) und einer Bodenwissenschaftlerin als Projektmitarbeiterin bearbeitet. Vorausgegangen ist ein vom Bund finanziertes dreijähriges Forschungsprojekt, in dem der Sauerstoff von Verwesungsprozessen in einer Versuchsanlage im Labor untersucht wurde.

Im Ergebnis wird ein Software-Modul entstehen, das Prognosen mit einer gegebenen GIS-gebundenen Friedhofsverwaltungssoftware liefern kann und eine erhebliche Erleichterung für die professionelle Friedhofsplanung sein wird.

Die Tatsache, dass viele Friedhöfe derartige Probleme aufweisen, sieht Prof. Anlauf u.a. in ihrer Historie begründet: "Viele städtische Flächen, die sich z.B. aufgrund von zu feuchten Böden und Stauwasserproblematik nicht für das Wohnen oder die Industrie eigneten, wurden als Friedhöfe ausgewiesen - mit den entsprechenden Konsequenzen in den folgenden Jahrzehnten."

Eine weitere Einsatzmöglichkeit der Software sieht der Wissenschaftler vor dem Hintergrund, dass insbesondere in größeren Städten viele Friedhofsflächen aufgrund zunehmender Einäscherungen nicht mehr genutzt werden: "Die Software eignet sich wunderbar, um unter den gegebenen großen Arealen gezielt nur jene für die Friedhofsnutzung auszuwählen, die sich auch gut dafür eignen."

Das Projekt, welches von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziell getragen wird, ist mittlerweile abgeschlossen und die Software einsatzfähig.

Sie wird einen wesentlichen Teil dazu beitragen, dass Friedhofsverwaltern und ihren Mitarbeitern in Zukunft unangenehme Überraschungen bei der Wiederbelegung von Grabflächen erspart bleiben und es reinen Gewissens heißen kann: Ruhe in Frieden.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.