Hilfe für das Katastrophenmanagement

FH-Forscher entwickeln Software, welche im Katastrophenfall als logistische Entscheidungshilfe für die Einsatzleitungen fungiert

(PresseBox) (Osnabrück, ) Eine Flutwelle mit potentiell verheerenden Folgen rollt nach einem Dammbruch in Polen auf die Lausitzer Neiße zu. Die Menschen im Dreiländereck werden aufgefordert, ihre Häuser im Gefahrenbereich zu verlassen. Laut Feuerwehr und Polizei muss ein sogenannter MANV, ein Massenanfall von Verletzten, unter allen Umständen verhindert werden.

Sollte es dennoch zu einer Katastrophe kommen, laufen die Einsatzleitstellen auf Hochtouren. Die logistischen Herausforderungen des Transports, Absperrens und Bergens müssen reibungslos verlaufen. Eine intelligente Planung kann sowohl für Verletzte als auch Retter lebenswichtig sein.

"Katastrophen können überall auftreten. Daher ist es wichtig, schnell und unkompliziert alle relevanten Informationen über den betroffenen Raum zu erhalten", betont Dr. Jürgen Biermann, Professor für Informatik und Mathematik an der FH Osnabrück. Hierzu zählen u.a. Bevölkerungsverteilung, Versorgungsleitungen und Verkehrsinfrastruktur. "Aus diesem Grund haben wir eine Software entwickelt, welche die Geodateninfrastruktur des jeweils betroffenen Raumes schnell sowie detailliert bereitstellt und als Handlungsgrundlage für die Einsatzkräfte fungiert", so Biermann weiter. Die Forscher nennen es "Offenes Katastrophenmanagement mit freiem Geoinformationssystem - kurz: O.K. GIS". Was sich hinter der abstrakten Bezeichnung verbirgt, ist von großem praktischem Wert für die Helfer.

"Es war unser Ziel, Software-Komponenten für die Verwaltung, Nutzung und Visualisierung von Geodaten im Umfeld des Katastrophenmanagements zu entwickeln", ergänzt Prof. Dr. Theodor Gervens, der gemeinsam mit seinem Kollegen das Projekt an der FH leitet. Die Einsatzleitung wird mit Hilfe der Software schnell und präzise mit allen relevanten räumlichen Informationen und Daten zu dem Einsatzgebiet versorgt. Neben der räumlichen Ebene wird zudem eine zeitliche Ebene berücksichtigt, welche einen Abgleich zwischen Ist-Zustand und Vergangenheit ermöglicht.

"Die Software ist so konzipiert, dass sie in verschiedenen Katastrophenfällen einsetzbar ist", fügt Biermann hinzu. Um das System möglichst nah an den realen Anforderungen auszurichten, haben die Forscher der FH intensiv mit der Osnabrücker Berufsfeuerwehr zusammengearbeitet und ihre Anregungen einfließen lassen.

Neben der Funktion, den Leitstellen einen schnellen und präzisen Überblick der Einsatzgebietsstruktur zu liefern, beinhaltet die Software aufgrund speziell entwickelter Algorithmen noch weitere Vorteile: "Mit Hilfe der gelieferten Geodaten kann die Software wesentliche Entscheidungshilfen liefern. Dies betrifft z.B. das Berechnen wendegeeigneter Straßen für die Einsatzfahrzeuge, die optimale Anzapfkonstellation von Hydranten oder die Eignung bestimmter Straßen für eine Sperrung bei einer Bombenräumung", fügt Gervens hinzu. "Dabei fungiert sie stets als Empfehlung, niemals jedoch als verbindliche Handlungsanleitung für die Retter", ergänzt der Wissenschaftler.

Noch arbeiten die Leitstellen und der Katastrophenschutz hauptsächlich mit klassischen Lagekarten in Papierform, die gesteckte Markierungen enthalten und mit Handzeichnungen versehen sind.

"Das Problem besteht gegenwärtig oftmals darin, dass die Raumdaten nicht zeitnah mit hinreichender Aktualität und ausreichender Detaillierung beschafft werden können. Ein gezieltes Sichten und Suchen ist dann in der Regel schwerer und aufwendiger als in einem digitalen Lageplan mit entsprechenden Funktionalitäten", erläutert Biermann.

Die Software befindet sich momentan noch in einem Prototypen-Status. Um sie komplett marktfähig zu gestalten, sind die Forscher auf Unternehmen angewiesen, welche die nötigen Investitionen zur Komplettierung vornehmen.

Aufgrund ihrer umfassenden unterstützenden Funktionalitäten wird schnell deutlich, dass eine derartige Software nicht nur bei größeren Naturkatastrophen, wie Flutereignissen von großem Nutzen ist. Vor dem Hintergrund diverser Evakuierungsmaßnahmen im Zuge von Bombenfunden in Osnabrück, wäre der Vorteil einer solchen Software auch vor Ort deutlich zu erkennen.

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