Bergsträßer Kreisstraßen evaluiert

Verkehrssicherheitsrat prämiert Abschlussarbeit

(PresseBox) (Darmstadt/Bergstraße, ) Die Kreisstraßen des Landkreises Bergstraße sind teilweise mangelhaft beschildert. Darunter fallen etwa die Anordnung der Verkehrszeichen und der Straßenmarkierungen. Zu diesem Schluss kommt der Bauingenieur und Absolvent der Hochschule Darmstadt (h_da) Marcell Biederbick in seiner Bachelorarbeit am Fachbereich Bauingenieurwesen. Für die Untersuchung mit dem Titel "Bestandsaudit von Straßen am Beispiel der Überprüfung von Verkehrszeichen im Landkreis Bergstraße" hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) Biederbick kürzlich den 3. Platz des Förderpreises "Sicherheit im Straßenverkehr 2010" verliehen. Mit diesem Preis werden Abschlussarbeiten aus dem Bereich der Verkehrssicherheitsforschung auszeichnet. Die Jury setzte sich aus Vertretern verschiedener Disziplinen und Institutionen der Verkehrsforschung und anwendung zusammen. Der 3. Preis ist mit 1.500 Euro dotiert. Betreut wurde die Abschlussarbeit von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann sowie von Prof. Dr.-Ing. Klaus Habermehl (Korreferent) im Fachbereich Bauingenieurwesen der h_da.

Der Kreis Bergstraße hatte das Studentische Projektbüro Verkehrswesen (SPV) der h_da und dessen Leiter Biederbick im Mai 2008 mit dieser Untersuchung beauftragt. Matthias Wilkes, Landrat Kreis Bergstraße: "Ich verspreche mir von der Arbeit einen weiteren Beitrag zu unseren Anstrengungen die Verkehrssicherheit auf den Kreisstraßen auch zukünftig auf einem hohen Niveau zu halten."

Für die Untersuchung beging Biederbick die untersuchten Kreisstraßen und bestimmte mittels GPS die Positionen von Verkehrsschildern. Ergänzend dazu befuhr er testweise vier Kreisstraßen in beiden Richtungen mit dem PKW dokumentierte die Beschilderung für eine spätere Analyse auf Video. Die Verkehrszeichen wurden im Anschluss von ihm auf Konformität mit der Straßenverkehrsordnung (StVO) überprüft. Am Ende der Untersuchung stand ein Maßnahmenkonzept, das Aussagen über zu entfernende, auszutauschende oder zu erneuernde Verkehrszeichen trifft.

Die Untersuchung brachte insgesamt 683 Mängel zu Tage, davon beziehen sich 599 auf Verkehrszeichen. Am häufigsten falle dabei die falsche Anordnung der Verkehrszeichen auf, dicht gefolgt von Zeichen, die nicht der aktuellen Fassung der StVO entsprechen. Daneben sei auch die Sichtbarkeit vieler Zeichen beschränkt. Drei Viertel aller Mängel wurden innerhalb von Ortschaften dokumentiert. Rein statistisch gesehen sei innerorts alle 100 Meter ein Mangel zu finden, außerorts nur alle 500 Meter. Beispielhaft dokumentierte die Untersuchung auch weitere Sicherheitsmängel im Straßenraum wie Schäden des Randstreifens oder fehlende Querungsstellen.

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann: "Die Situation auf den Kreisstraßen in der Bergstraße ist nicht einzigartig sondern spiegelt die Lage auf vielen vergleichbaren Straßen in Deutschland wider. Nicht zuletzt um davon ein genaues Bild zu bekommen, fordert das Europäische Parlament die Auditierung von bestehenden Straßen in Deutschland." 2009 richtete die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) einen Arbeitskreis ein, der einen Leitfaden zur Herangehensweise an ein Sicherheitsaudit für bestehende Straßen entwickeln wird. Die Leitung des Arbeitskreises wurde Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann übertragen.

Biederbick empfiehlt in seiner Untersuchung insgesamt 779 Maßnahmen zur Korrektur der festgestellten Mängel. Die meisten Empfehlungen zielen auf die Entfernung von Verkehrszeichen ab. 334 Verkehrszeichen und damit zehn Prozent des Bestandes könnten ohne weitere Überprüfung abmontiert werden. Weitere 249 Schilder (7 Prozent) könnten nach Überprüfung der Randbedingungen ggf. zusätzlich entfernt werden. Vor allem auf nicht StVOkonforme Zeichen sowie auf die Hälfte der Gefahrzeichen könne verzichtet werden. Dies solle die "wirklich wichtigen Zeichen verstärkt zur Geltung bringen".

Ziel der Bachelorarbeit war die Erarbeitung und Erprobung eines Konzeptes zur Durchführung eines Sicherheitsaudits an bestehenden Straßen. Durch Vorgaben der Europäischen Union wurde 2008 ein europaweites Regelwerk verabschiedet, das ein Verfahren zur Erkennung und Beseitigung von Sicherheitsmängeln vorsieht. Bisher gibt es kein solches Regelwerk. Marcell Biederbick sammelte im Rahmen seiner Arbeit anhand der Überprüfung von Verkehrszeichen an Bergsträßer Kreisstraßen erste Ansätze zur Methodik und Durchführung eines noch zu entwickelnden Verfahrens. Anschlussprojekte sind aus Biederbicks Sicht wünschenswert. Dafür werden noch Projektpartner gesucht.

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