Positive Prognose für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Hessen im Jahr 2030 - Hessen auch in Zukunft deutlich über dem Durchschnitt

Dieter Posch: "Nordhessen und Mittelhessen wachsen schneller als der Süden"

(PresseBox) (Wiesbaden, ) "Hessen hat allen Grund optimistisch auf die Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Hessen bis zum Jahr 2030 zu blicken. Hessen wird auch in Zukunft deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen.", sagte der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch heute in Wiesbaden anlässlich der Vorstellung einer von der Hessen Agentur erstellten Projektion der langfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt bis zum Jahre 2030 für Hessen und seine Regierungsbezirke.

"Es ist davon auszugehen, dass der Wachstumseinbruch von 4,3 % auf Grund der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder vollständig ausgeglichen werden wird. Ab dem Jahr 2014 wird außerdem wieder das Niveau des realen Bruttoinlandsproduktes des Jahres 2008 erreicht werden. Aufgrund des hohen Produktivitätsvorsprungs der hessischen Wirtschaft ist damit zu rechnen, dass die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen bzw. je Einwohner in Hessen auch in Zukunft Spitze sein wird", so Posch.

Im Jahr 2008 trug jeder Erwerbstätige in Hessen durchschnittlich mit rund 63 Tausend € zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Dieses Ergebnis lag deutlich über dem Bundeswert von 55 Tausend € und ist maßgeblich auf den wirtschaftsstarken südhessischen Ballungsraum mit 68 Tausend € pro Erwerbstätigen zurückzuführen. Die Regionen Mittel- und Nordhessen bewegten sich auf Bundesniveau.

Posch: "Die hessische Wirtschaftskraft wird auch zukünftig in starkem Maße durch das Rhein-Main-Gebiet dominiert. Die übrigen Landesteile haben inzwischen ein höheres Entwicklungstempo erreicht und gut aufgeschlossen"

Posch wies darauf hin, dass die Wirtschaft in Mittel- und Nordhessen in den zurückliegenden Jahren stärker als in Südhessen gewachsen sei. Darin schlage sich der Erfolg der hessischen Regionalpolitik nieder, die darauf ausgerichtet sei, Mittel- und Nordhessen an das im nationalen wie auch internationalen Vergleich sehr hohe Wirtschaftsniveau des Rhein-Main-Gebiets heranzuführen. Der relative Wachstumsvorsprung Mittel- und Nordhessens der letzten Jahre beruhe insbesondere auf einer dynamischen Industrie und auf Nachholeffekten gegenüber Südhessen. Starke Wachstumsimpulse seien dabei in Mittel- und Nordhessen u. a. von den Bereichen Mikro- und Optoelektronik, Medizintechnik, Logistik sowie der regenerativen Energie ausgegangen - Wirtschaftsbereiche, die auch in der Zukunft gute Entwicklungsaussichten aufwiesen. Nach erfolgreicher Bewältigung der Krise könne sich deshalb die überdurchschnittlich positive Entwicklung sogar noch verstärken.

"Insgesamt wird nach den Vorausschätzungen erwartet, dass die Wirtschaftsleistung in Nordhessen im Jahre 2030 real um 25 % über dem Ausgangsniveau von 2008 liegt. Für Mittelhessen ist mit einem Zuwachs von 24 % ein ähnlich hohes Wachstumstempo zu erwarten. Die südhessische Region erreicht im gleichen Zeitraum voraussichtlich einen Anstieg von rund 20 %", erläuterte Posch die hessische Zukunftsprognose.

Die relativ günstige Entwicklung Mittel- und Nordhessens bedeute selbstverständlich nicht, dass nun in Südhessen ein sich daraus ergebender wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf gegeben wäre. Südhessen hat nach wie vor im Bundesvergleich ein weit überdurchschnittliches Niveau des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und pro Erwerbstätigen (das höchste aller Flächenländer). Ausgehend von diesem hohen Niveau wird eine Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung wie im Durchschnitt des Bundesgebietes vorhergeschätzt, d.h. relativ gesehen wird auch in Zukunft dieses hohe Niveau und auch der hohe Abstand zu den meisten anderen Regionen auf Bundesebene gehalten. Nord- und Mittelhessen verbessern dagegen ihre Position noch.

Um den hohen Stand der Wirtschaftsleistung in Südhessen zu demonstrieren, kann auf folgende Zahlen verwiesen werden: Die Wirtschaftsleistung pro Erwerbstätigem liegt mit 68 Tsd. € in Südhessen um fast ein Viertel über den Bundesdurchschnitt. Dank dieses hohen Ausgangsniveaus wird die Arbeitsproduktivität in Südhessen und Hessen selbst bei niedrigeren Wachstumsraten einen größeren absoluten Zuwachs bis zum Jahr 2030 aufweisen als die meisten Regionen Deutschlands:

Allerdings sei etwa ab dem Jahr 2020 aus demografischen Gründen deutschlandweit eine Abflachung der allgemeinen Wachstumskräfte zu erwarten. Dann nämlich - so Posch - werden die geburtenstarken Jahrgänge aus den fünfziger und sechziger Jahren vermehrt aus der Erwerbstätigkeit ausscheiden; dies könnte die wirtschaftlichen Wachstumspotenziale beeinträchtigen.

Bedeutung der Ergebnisse für die Politik:

"Die bisher verfolgte Strategielinie der regionalen Wirtschaftspolitik war erfolgreich und ist fortzusetzen. Der Einsatz der Europäischen Regionalfördermittel sollte weiterhin in weit überdurchschnittlichem Umfang auf die Vorranggebiete konzentriert werden. Diese sind Nord- und Mittelhessen und die Odenwaldregion. Eine solche Politik orientiert sich im Übrigen nicht an den Regierungsbezirksgrenzen sondern berücksichtigt, dass es auch in Südhessen Teilregionen gibt, für die eine regionalpolitische Strategie wie in Mittel- und Nordhessen sinnvoll ist", so Posch.

Von herausragender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und die Fähigkeit, Krisen erfolgreich zu bewältigen, ist die Existenz von Netzwerken und Clustern. Die dadurch vorhandenen stabilen Kooperationsstrukturen erzeugen Vertrauen und erleichtern den wichtigen Zugriff auf die für Innovationen erforderlichen Ressourcen und das notwendige Knowhow. Dabei ragen in Südhessen die Cluster: "Finanzwirtschaft" und "Dienstleistungen für Unternehmen" besonders heraus, die im Übrigen auch gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise stabilisierend gewirkt haben. Der Zusammenbruch der Kapitalmärkte traf den Bankenplatz Frankfurt aufgrund seiner Geschäftsstruktur in geringerem Umfang als andere Bankenplätze. Selbst in der Wirtschaftskrise hat die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main entgegen dem rückläufigen Trend auf Bundesebene bzw. in den anderen alten Bundesländern ein Beschäftigungsplus erzielt.

Die Bedeutung des Rhein-Main-Gebiets als Verkehrsdrehscheibe und Logistikstandort spiegelt sich im Cluster "Logistik" wieder. Weitere wichtige Cluster in Südhessen sind beispielsweise "Automotive", "Software", "Mess- und Regeltechnik", "Biotechnologie" sowie "Chemie und Pharma".

Eine zentrale Bedeutung für die Wirtschaftsentwicklung hat die Clusterförderung auch in Mittel- und Nordhessen. Für Mittelhessen ragen dabei die folgenden Cluster heraus: Optoelektronik, Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik sowie Verpackungswirtschaft. In Nordhessen können die Cluster Automotive, Logistik, Gesundheitswirtschaft sowie Energietechnologien hervorgehoben werden.

Unabhängig von diesen spezifischen regionalpolitischen Maßnahmen bestehen natürlich auch allgemein vielfältige Wirtschaftsförderangebote, die für alle Landesteile gleichermaßen beansprucht werden können: So etwa die Angebote der Mittelstandsfinanzierung, die Städtebauförderung oder die Qualifizierungsoffensive. Die Maßnahmen der Qualifizierungsoffensive sind insbesondere auch geeignet, dem drohenden Fachkräftemangel im Rahmen des demografischen Wandels entgegenzuwirken.

Die Förderung im Bereich von Dorferneuerung und ländlicher Raum stehe zwar grundsätzlich ebenfalls hessenweit zur Verfügung, konzentriere sich dabei aber faktisch auf Nord- und Mittelhessen und die ländlich geprägten Gebiete Südhessens.

"Der Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur hat trotz des bereits erreichten hohen Standards in allen Landesteilen weiterhin einen besonderen Stellenwert. Für alle Landesteile gleichermaßen gilt: Mobilität ist ein wesentlicher Faktor für Wachstum und Beschäftigung. Das Rhein-Main-Gebiet ist Verkehrsdrehkreuz für Deutschland und Europa. Daher hat der Ausbau des Flughafens Frankfurt für uns hohe Priorität", erklärte Posch. Nordhessen hingegen werde vom Ausbau des Flughafens Kassel-Calden und von den Autobahn-Lückenschlüssen A 44 und A 49 profitieren.

Diese Projekte seien umso dringender, als etwa ab 2020 aus demografischen Gründen Arbeitskräftemangel drohe, der sich in Nordhessen stärker bemerkbar mache als im Süden, wo der Zuzug die Situation mildere. Dieser Mangel könne die wirtschaftlichen Wachstumspotenziale beeinträchtigen. Die demografischen Einflüsse auf dem Arbeitsmarkt dürften dabei gerade in Nordhessen aufgrund der Bevölkerungsstruktur größer sein als in den anderen Landesteilen. Das Arbeitskräftepotenzial werde hier am stärksten zurückgehen, so dass - ohne weitere Steuerungsmaßnahmen - ein weitreichender Fachkräftemangel drohe, der die positiven Entwicklungsaussichten trüben könnte. In Südhessen sind nach Auffassung Poschs die Auswirkungen der demografischen Veränderungen nicht so gravierend, da durch anhaltende Zuwanderung insbesondere auch jüngerer Arbeitskräfte zumindest teilweise ein Ausgleich erreicht werden könne.

Die Studie steht auf der Internetseite der Hessen Agentur (www.hessen-agentur.de) zum Download zur Verfügung.

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