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Klimawandel an der Ostseeküste: Ein neues Handbuch fasst die wichtigsten Forschungsergebnisse zusammen

(PresseBox) (Geesthacht, ) Der Klimawandel findet statt und kann sich in Zukunft auch an der Ostseeküste beschleunigen. Dies ist Konsens jahrzehntelanger Forschungsaktivitäten im gesamten Ostseeraum. Das Internationale BALTEX-Sekretariat und das Norddeutsche Klimabüro am Helmholtz-Zentrum Geesthacht haben nun die wichtigsten Forschungsergebnisse in dem handlichen Büchlein "Ostseeküste im Klimawandel" in verständlicher Form zusammengefasst.


Auch an der Ostseeküste ist die Klimaerwärmung bereits deutlich messbar und hat sich schon auf viele Tier- und Pflanzenarten ausgewirkt. Küstenschutz, Tourismus, Fischerei und Landwirtschaft sind nur einige Beispiele für Bereiche, die den Klimawandel an der Ostseeküste in ihrer langfristigen Planung berücksichtigen müssen.

Mit dem neuen Handbuch reagieren die Geesthachter Wissenschaftler auf die steigende Nachfrage der Öffentlichkeit nach wissenschaftlich fundierten und verständlich aufbereiteten Informationen zum Klimawandel im Ostseeraum und stellen diese kostenlos zur Verfügung. Inhaltlich basiert das Handbuch auf dem regionalen Sachstandsbericht zum Klimawandel im Ostseeraum (BACC - Assessment of Climate Change for the Baltic Sea Basin) und Informationsangeboten des Norddeutschen Klimabüros.

Der Klimawandel kann sich künftig auch bei uns beschleunigen

Das Handbuch fasst Forschungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte aus dem Ostseeraum zusammen, wobei die Aussagen so weit wie möglich auf die deutsche Ostseeküste bezogen werden. Deutlich werden die regional sehr unterschiedlichen Änderungen des Klimas.

So ist die Lufttemperatur im Norden seit Anfang des 20. Jahrhunderts um ein Grad Celsius angestiegen, in der südlichen Ostsee um 0,7 Grad Celsius. Schon innerhalb der nächsten 30 Jahre könnte die Lufttemperatur an der deutschen Ostseeküste um weitere 0,5 bis 1,1 Grad Celsius steigen. "Eine Erwärmung dieser Größenordnung hat in der Vergangenheit etwa 100 Jahre gebraucht. Dies verdeutlicht, dass sich auch bei uns künftig die Erwärmung verstärken kann", so Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

Bis Ende des Jahrhunderts kann außerdem die jährliche Niederschlagsmenge an der Ostseeküste um bis zu acht Prozent zunehmen, wobei Winter und Frühjahr erheblich feuchter, die Sommer jedoch deutlich trockener werden könnten.

Tiere und Pflanzen reagieren auf Klimaänderungen

Die beschleunigten Klimaänderungen wirken sich auch auf die Tier- und Pflanzenwelt an Land und im Wasser aus. So führen zwar höhere Temperaturen und eine vermehrte Verfügbarkeit von Kohlendioxid zu verbesserten Wachstumsbedingungen für Pflanzen, die erwartete Abnahme der Sommerniederschläge ist während der Wachstumsperiode jedoch nachteilig.

"Bereits heute beobachten wir in vielen Lebensräumen Verschiebungen in der Artenzusammensetzung", sagt Dr. Marcus Reckermann, Leiter des Internationalen BALTEX Sekretariats. "Auch kommerziell wichtige Fischarten in der Ostsee sind betroffen."

Bekanntestes Beispiel: Der Dorsch leidet zusätzlich zum Fischereidruck unter der Zunahme sauerstofffreier Zonen und Änderungen in seinem Nahrungsspektrum - beides Faktoren, die letztendlich klimagesteuert sind. Auch die erwartete Abnahme des Salzgehalts im Ostseewasser kann zu Änderungen im Artenspektrum und im Nahrungsnetz führen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserqualität der Ostsee und die damit verbundenen Änderungen in den Nahrungsnetzen sind zurzeit Gegenstand internationaler Forschungen.

Hintergrund

Es besteht Bedarf an verständlicher Wissenschaft

Ergebnisse einer Umfrage bei Akteuren aus Politik und Verwaltung an der deutschen Ostseeküste im Sommer 2011 haben den hohen Bedarf an wissenschaftlich fundierten Informationen in verständlich aufbereiteter Form verdeutlicht. Die Umfrage wurde im Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes KLIMZUG-RADOST (regionale Anpassungsstrategien für den Ostseeraum) durch das Helmholtz-Zentrum Geesthacht zusammen mit dem Ecologic Institute durchgeführt.

Das Norddeutsche Klimabüro präsentiert nun das neue Handbuch vom 02. bis 06. Juni beim Wissenschaftssommer in Lübeck. An dem Informationsstand des Norddeutschen Klimabüros und des KlimaCampus Hamburg vor dem Lübecker Rathaus können sich die Besucher über die regionalen Klimaänderungen in Norddeutschland informieren und ihre Fragen direkt an die Wissenschaftler richten.

Das Norddeutsche Klimabüro

Das Norddeutsche Klimabüro am Helmholtz-Zentrum Geesthacht steht seit 2006 im kontinuierlichen Dialog mit der norddeutschen Öffentlichkeit, regionalen Stakeholdern und Wissenschaftlern aus dem Bereich Klimaforschung. Die sich aus dem Dialog ergebenden Fragestellungen werden im Norddeutschen Klimabüro verwendet, um Ergebnisse aus der Klimaforschung für Norddeutschland zu bündeln, bedarfsgerecht auszuwerten und öffentlich zugänglich zu machen.

Das Internationale BALTEX-Sekretariat

Das Internationale BALTEX-Sekretariat mit Sitz am Helmholtz-Zentrum Geesthacht koordiniert die Aktivitäten des Ostsee-umspannenden Forschungsnetzwerkes BALTEX (The Baltic Sea Experiment). Ein Produkt dieser internationalen Zusammenarbeit ist der so genannte BACC-Report, der den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel im Ostseeraum zusammenfasst. Der zweite BACC-Report ist in Vorbreitung und wird 2014 erscheinen.

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