GKSS-Wissenschaftler mit internationalem Innovationspreis ausgezeichnet

(PresseBox) (Teltow/San Francisco, ) Professor Dr. Andreas Lendlein erhielt vorgestern gemeinsam mit Professor Dr. Robert Langer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in der Kategorie „Gesundheit und Medizin“ den internationalen Innovationspreis des World Technology Network (WTN). Damit werden ihre Arbeiten zu im Körper abbaubaren Biomaterialen mit "Formgedächtnis" gewürdigt. Lendlein leitet das Institut für Polymerforschung am Standort Teltow bei Berlin der GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH in der Helmholtz-Gemeinschaft.

Wie funktioniert ein Formgedächtnis?
Das Wissenschaftlerteam um Lendlein und Langer beschäftigt sich seit mehren Jahren mit Kunststoffen (Polymeren), die ein Formengedächtnis besitzen. Diese besonderen Materialien können sich ihre ursprüngliche Gestalt „merken“ und spielen in der Medizin eine wichtige Rolle. Ein Stück dieses besonderen Materials kann in eine veränderte Gestalt gebracht werden und durch einen Reiz seine ursprüngliche Form wiederherstellen. 2002 veröffentlichten Lendlein und Langer in der Fachzeitschrift „Science“ die Entwicklung eines intelligenten medizinischen Nahtmaterials, das auf Temperaturunterschiede reagiert. Dieses Material ist zum Beispiel in der Lage, sich selber zum Knoten zu formen und eine definierte Kraft auf einen Wundrand auszuüben. Im April 2005 berichteten die Wissenschaftler des MIT und der GKSS, dass auch Licht das Formgedächtnis des Polymers beeinflussen kann. Durch die Einführung lichtempfindlicher Materialsysteme wurden die Anwendungsmöglichkeiten der Formgedächtniskunststoffe deutlich erweitert. „Wir erwarten besonders im medizinischen Bereich durch unsere Entdeckungen zahlreiche neue Produkte. Intelligente Nahtmaterialen und Gefäßstützen, so genannte Stents, sind so unter anderem machbar, “ erläutert Lendlein die Möglichkeiten seiner Innovation.

Weltweites Netzwerk zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Das WTN ist ein globales Netzwerk, dessen Mitglieder in Wissenschaft und Wirtschaft außergewöhnliche Technologien bis zur Marktreife bringen. Die im Netzwerk vereinten Disziplinen reichen von Biotechnologie über Energie bis zu Medien und Weltraumtechnik. Die für den Innovationspreis vorgeschlagenen besten fünf einer Disziplin wurden von den rund 800 Mitgliedern des Netzwerkes aus über 60 Ländern nominiert. In den 20 Kategorien wurden insgesamt 27 nominierte Kandidaten mit dem World Technology Network Award ausgezeichnet.

Wissenschaftlicher Werdegang von Professor Dr. Andreas Lendlein
Nach seiner Promotion als Chemiker 1996 an der ETH Zürich habilitierte Professor Lendlein 2002 an der RWTH Aachen. Von 1997 bis 1998 arbeitete er als Gastwissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA. Neben der Leitung des Instituts für Polymerforschung der GKSS ist Lendlein seit 2002 Professor für Materialien in den Lebenswissenschaften an der Universität Potsdam.

Regenerative Medizin in Teltow
Die Forschungsarbeiten am Standort Teltow des Instituts für Polymerforschung der GKSS sind innerhalb des Programms “Regenerative Medizin” eingebunden in den Forschungsbereich ”Gesundheit” der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des Instituts für Polymerforschung in Teltow der GKSS entwickeln Kunststoffe für die Medizin. Dabei liegt ihre Kernkompetenz in der Entwicklung bioabbaubarer und biostabiler Materialien und deren Verarbeitung zu Fasern, Folien, Membranen und porösen Strukturen aus Lösung oder Schmelze. Diese Biomaterialien finden Anwendung in Implantaten, Wirkstoffdepots und medizinischen Geräten und werden vor dem Einsatz auf Zell- und Gewebeverträglichkeit getestet. Dabei stehen die minimalinvasive Chirurgie („Knopflochchirurgie“) und die Regenerative Medizin, die sich mit der Wiederherstellung von funktionsgestörten Zellen, Geweben und Organen befasst, im Vordergrund.

Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung GmbH

Die GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH mit den Standorten Geesthacht in Schleswig-Holstein und Teltow bei Berlin in Brandenburg ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. Unter dem Motto "wissen schafft nutzen" engagieren sich rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen mit Hochschulen und Industrie für Forschung und Entwicklung in den Bereichen Küstenforschung, Funktionale Werkstoffsysteme, Regenerative Medizin sowie der Strukturforschung mit Neutronen und Photonen

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