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Umstieg auf neuen Internetstandard: Wirtschaft soll Termin 6. Juni nutzen
Bereits Anfang Juni vergangenen Jahres waren bei einem weltweiten Test Internetinhalte einen Tag lang parallel zum veralteten Protokoll IPv4 auch nach dem neuesten Standard IPv6 angeboten worden. Der Großversuch hatte die Alltagstauglichkeit der neuen Datenverkehrsregeln im Internet bestätigt.
Weil in Kürze die allerletzten Internetanschlussadressen des alten Standards an die Endkunden verteilt sein dürften, ist es nach Ansicht des Potsdamer Internetwissenschaftlers höchste Zeit für den schnellen Umstieg auf IPv6. Die Abkürzung steht für das Internetprotokoll in der Version sechs. Nur durch den praktisch unerschöpflichen Adressenvorrat des neuen Standards könne das explosive Wachstum des Internets abgesichert werden, sagte Meinel, der am HPI auch Leiter des Fachgebiets Internet-Technologien und -Systeme ist.
Der Potsdamer Professor hob hervor, dass das alte Internet zwar immer noch funktionieren, aber nicht mehr wachsen werde. Hingegen werde das neue Protokoll wachsende Möglichkeiten sogar noch für künftige Generationen gewährleisten. Da keine alten Internetadressen mehr beschafft werden könnten, hätten es Unternehmen nun mit Kunden, Lieferanten und Partnern zu tun, mit denen man künftig nur noch über das IPv6-Protokoll kommunizieren könne.
Anfang Mai hatte sich Meinel beim Datenschutzkongress 2012 in Berlin dafür ausgesprochen, bei der flächendeckenden Einführung des Internetstandards IPv6 nicht nur die technischen Herausforderungen zu meistern, sondern auch im Hinblick auf den Datenschutz und insbesondere den Schutz der Privatsphäre Regeln aufzustellen. Er verwies auf die im März vom deutschen IPv6-Rat mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, gemeinsam besprochenen Leitlinien (www.ipv6council.de/documents/leitlinien_ipv6_und_datenschutz.html).
Hintergrund IPv6 - Standard für das Internet der neuen Generation
Vernetzte Wohnungen, in denen Hausgeräte, Kameras, Spiele-Konsolen und die komplette Unterhaltungselektronik kinderleicht übers Internet gesteuert werden können, Hundehalsbänder im Web, die dem Besitzer melden, ob das Tier hungrig ist oder Gassi gehen muss, Golfbälle, die online ihrem Spieler den Punkt zeigen, an dem sie gelandet sind oder internetfähige Skihelme, der im Getümmel der Skipiste signalisieren, wo die Familie oder Freunde des Trägers zu finden sind - solche und andere komfortablen Dienste erwarten uns durch das Internet der neuen Generation. Bei Informatikern wird es mit dem Kürzel IPv6 bezeichnet. Infografiken dazu unter www.hpi.uni-potsdam.de/presse/hintergrundmaterial/hintergruende.
Diese vor gut zehn Jahren entwickelten neuen Datenverkehrsregeln fürs Netz sind - darauf weisen der Deutsche IPv6-Rat (www.ipv6council.de) und das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (www.hpi.uni-potsdam.de) hin - technisch ausgereift und kommen vor allem in den USA und in Asien bereits zum Einsatz. Der neue IPv6-Standard ist nicht nur Voraussetzung für intelligente Lösungen bei der Heimvernetzung, sondern auch bei der Gebäudesteuerung, in der Telemedizin und generell im so genannten "Internet der Dinge", etwa bei der Kommunikation mit und zwischen Autos. Auch ermöglicht der neue Standard einfachen und leistungsfähigen mobilen Zugriff auf das Internet sowie interaktives, internetbasiertes Fernsehen (IPTV). Höhere Sicherheit ist zudem inbegriffen.
IPv6 stellt 340 Sextillionen (2128) IP-Adressen für Netzanschlüsse bereit. Zur Illustration: Das ist eine Zahl mit 39 Stellen. Mit diesem Volumen könnten umgerechnet für jeden einzelnen Quadratmillimeter Erdoberfläche rund 667 Billiarden IP-Adressen vergeben werden - ein praktisch unerschöpfliches Potenzial. Der derzeit noch verwendete Internetprotokoll-Standard IPv4 (Version 5 kam nicht zum Einsatz) begrenzt diese Zahl auf 232 und damit rund vier Milliarden Adressen. IPv4 ist fast 30 Jahre alt, stammt also aus der Pionierzeit des Internets und weist etliche Schwachstellen, z.B. im Sicherheitsbereich auf.
IPv6 wird sicher nicht sofort alle Probleme des Internets lösen und das alte IPv4-Netz mit einem Schlag ersetzen. Vielmehr wird der IPv4-Standard weiter existieren und einen kleinen Teil des Internet-Adressraums ausmachen. Weltweit ist allerdings die Einführung von IPv6 schon in vollem Gange. Das braucht jedoch seine Zeit. Von der Planung bis zur wirklichen Nutzung - bei einer Umstellung im laufenden Betrieb - sind in großen Netzwerken Zeiträume von drei Jahren durchaus realistisch. Vor allem müssen sich die Service Provider grundlegend auf den neuen Standard ein- und umstellen.
Übergangsphase mit parallelem Betrieb beider Standards
IPv6 ist nicht kompatibel mit dem Vorgängerprotokoll. Geräte beider Standards können nur über entsprechende Protokollübersetzungs-Gateways miteinander kommunizieren. So etwas kann jedoch nur eine temporäre Zwischenlösung sein und stellt keine zukunftssichere Generallösung dar, die transparente Interoperabilität ermöglicht. Besser ist der Umstieg über den sogenannten Dual-Stack-Modus. Damit kann IPv6 parallel zu IPv4 auf demselben Gerät und im selben physischen Netzwerk betrieben werden. In einer Übergangsphase werden so beide Protokolle auf denselben Geräten koexistieren können und dieselben physikalischen Netzwerkverbindungen nutzen. Zusätzlich ermöglichen alternative Standards und Technologien (im technischen Sinne bezeichnet als "tunnelling"), IPv6-Datenpakete über herkömmliche IPv4-Adressierung und IPv4-basierte Routingverfahren zu übertragen und umgekehrt. Damit ist die technische Grundlage für eine sanfte bzw. schrittweise Einführung von IPv6 geschaffen worden.
Derzeit ist zu beobachten, dass die Provider auf Nachfrage warten und die Anwender auf die Killer-Applikation. Das ähnelt der Henne-Ei-Problematik. Nur in einzelnen Fällen hat die notwendige Migration auf IPv6 bereits begonnen. Letztlich geht kein Weg am Umstieg auf das Internet der neuen Generation, den IPv6-Standard, vorbei. Die Gründe sind vielfältig:
- Die Zahl mobiler Endgeräte steigt weltweit stark an, darunter viele internetfähige Handys
- Mobiles Internet mit Allways-on-Konnektivität ist aber nur mit IPv6 möglich
- Heimvernetzung, IPTV und das Internet der Dinge verlangen ebenfalls nach neuen Adressen
- Zum Beispiel auch die Kommunikation zwischen und mit Fahrzeugen wird erst mit IPv6 möglich
- Für die Einführung können die normalen Erneuerungszyklen genutzt werden: Moderne Computer-Betriebssysteme beherrschen längst IPv6, ebenso Router und andere Netzwerkkomponenten
- Der IPv6-Standard ist zuverlässig, leicht zu installieren (Autokonfiguration) und wartungsfreundlich IPv6 macht Online Gaming mit permanenter Verbindung möglich
- Die Internetsicherheit ist bei IPv6 höher und gleich mit eingebaut.
Fazit: Der Nutzer wird den Umstieg auf das Internet der neuen Generation zunächst kaum merken - ähnlich wie beim Wechsel des Stromlieferanten. Er erhält vor allem unter dem Stichwort "Connected Home" viele interessante Serviceangebote.
Über die Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH
Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang "IT-Systems Engineering" an - ein besonders praxisnahes und ingenieurwissenschaftliches Informatik-Studium, das von derzeit 460 Studenten genutzt wird. Die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem Vorbild der Stanforder d.school, bietet 120 Plätze für ein Zusatzstudium an. Insgesamt zehn HPI-Professoren und über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten sind am Institut tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung - in seinen neun Fachgebieten, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings stets auf Spitzenplätze.
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