Der psychologische Faktor - Warum wir uns vom Leitbild des "Homo oeconomicus" verabschieden sollten

Kommentar von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.com/de/ zur Krise der Wirtschaftstheorie

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Erfreulicherweise ist nach einem Bericht der FAZ die Verhaltensökonomik auf dem Vormarsch. "Die Ergebnisse der Experimentalökonomen zeigen den Menschen von seiner allzu menschlichen Seite: Er ist von Gefühlen und Neigungen, nicht allein von der Ratio bestimmt. Neben dem Streben nach Eigennutz gibt es auch andere Motive, die sein Handeln leiten: Altruismus, Fairness- und Gerechtigkeitserwägungen", schreibt die FAZ. Das Ziel der Verhaltensökonomik sei, eine allgemeine Theorie des menschlichen Verhaltens zu finden. Die Demontage der neoklassischen Theorie ist überfällig. Sie geht immer noch vom "Homo oeconomicus" aus, der sich strikt rational und eigennützig verhält. Die derzeitige Krise müsste jetzt eigentlich dazu beitragen, diese Rationalitätshypothese schnell aus der Welt zu schaffen. Die Ökonomieprofessoren George Akerlof und Robert Shiller haben in ihrem Buch "Animal Spirits - Wie Wirtschaft wirklich funktioniert" (Campus Verlag) die richtigen Akzente gesetzt. Sie grenzen sich vom simplen Machbarkeitsglauben vieler Wirtschaftswissenschaftler ab. Unternehmer und Verbraucher sind keine emotionslos kalkulierenden Roboter, wenn sie sich von Moden, Gruppendruck und Massenhysterie beeinflussen lassen. Deshalb kann das ständige Auf und Ab der Wirtschaftskonjunktur nur ungenügend durch makroökonomische Maßnahmen gesteuert werden.

Akerlof und Shiller holen den Faktor "Ungewissheit" wieder zurück in die Volkswirtschaftslehre, die immer noch glaubt, dass die Wirtschaft berechenbar sei und sich mehr dafür interessiert, an mathematischen Formeln zu feilen und die Beobachtung der Realität vernachlässigt. Das war bei den ordoliberalen Wirtschaftsdenkern ganz anders. Sie haben die angelsächsisch geprägte Mathematikgläubigkeit nie geteilt. "Aber genau diese Ökonomie wurde an den europäischen Universitäten ausgetrocknet", kritisiert Dr. Gerhard Schwarz von der NZZ. Während Modellschreinerei sowie das Zählen, Messen und Berechnen von Korrelationen Reputation und eine akademische Karriere versprechen, friste die Ordnungstheorie ein Dasein in den Elendsvierteln der Nationalökonomie. Dabei könnten wir ein Denken in Ordnungen gerade jetzt gebrauchen. Denn diese Wirtschaftstheorie widersteht dem Glauben an einer präzisen Vorhersagbarkeit und Steuerbarkeit der Wirtschaft. Die ordoliberale Sichtweise war immer viel breiter angelegt. "Sie hat Geschichte und Psychologie, Recht und Philosophie bis hin zur Theologie in die Analyse der Wirtschaft mit einbezogen, also nie nur Ökonomie betrieben. 'Marktwirtschaft ist nicht genug', wie der treffende Titel einer eben erschienenen Sammlung mit Aufsätzen von Wilhelm Röpke lautet", so Schwarz.

Vielleicht sollten wir auch wieder stärker die Klassiker der Marktwirtschaft etwas genauer studieren. Der heute in Ungnade gefallene Begründer der marktwirtschaftlichen Idee, Adam Smith, war davon weit entfernt, eine einseitige Wirtschaftstheorie zu formulieren: Er war Moralphilosoph, politischer Ökonom, Wirtschafts- und Sozialhistoriker, Rechtstheoretiker, Geschichtsphilosoph, Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Kunsttheoretiker. Also alles andere als ein Fachidiot, der sich hinter irgendwelchen Rechenmodellen versteckt, die niemals die komplexe und widersprüchliche Welt abbilden oder politische Krisen, bahnbrechende Erfindungen, Meinungstrends oder Katastrophen vorhersagen können.

Zum Unternehmen: http://www.harveynash.de

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