Update der IMK-Konjunkturprognose

Deutsche Wirtschaft schrumpft 2009 um fünf Prozent

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Die globale Wirtschaftsleistung befindet sich im freien Fall. Erstmalig seit dem Zweiten Weltkrieg wird sie sinken. Die deutsche Wirtschaft ist von der Abwärtsspirale der Weltwirtschaftskrise besonders stark betroffen, vor allem weil sie sich im vergangenen Jahrzehnt ausgeprägt auf den Export konzentriert hat. Deutschland erlebt derzeit die mit Abstand tiefste Rezession der Nachkriegszeit; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird in diesem Jahr um 5 Prozent sinken. Erst 2010 dürfte sich die konjunkturelle Grundtendenz stabilisiert haben. Im kommenden Jahr wird die deutsche Wirtschaft mit einem minimalen Zuwachs von 0,2 Prozent praktisch stagnieren (alle Eckdaten in einer Tabelle im Prognose-Update; Link siehe unten). Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung im Update seiner Konjunkturprognose. Im zweiten Halbjahr 2009 schlägt die wirtschaftliche Schwäche deutlich auf den Arbeitsmarkt durch. Die Arbeitslosigkeit wird im vierten Quartal saisonbereinigt die Marke von vier Millionen überschreiten. Finanz- und Geldpolitik müssen nach der Analyse der Konjunkturforscher weitere Anstrengungen unternehmen, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dazu gehört ein drittes Konjunkturprogramm für 2010. Dazu sollten die EU-Staaten in enger Abstimmung mit den übrigen Ländern der G20 zwei Prozent ihres BIP aufwenden.

Das IMK reduziert die Erwartungen für die BIP-Entwicklung gegenüber seiner Prognose vom Januar um 2,6 Prozentpunkte. Wichtigster Grund: Die Exporte - der Konjunkturmotor des vergangenen Aufschwungs - brechen weitaus stärker als noch zu Jahresbeginn erwartet dramatisch ein. Der drastische Rückgang dürfte sich bis zur Jahresmitte 2009 fortsetzen, zumal sich die konjunkturellen Aussichten bei wichtigen Handelspartnern weiter verschlechtern. Erst dann macht sich die stabilisierende Wirkung der Konjunkturpakete bemerkbar. Für 2009 rechnet das IMK nun mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15,6 Prozent, auch 2010 schrumpft das Ausfuhrvolumen noch einmal leicht um 0,7 Prozent. Als Folge des Exporteinbruchs, aber auch wegen der schlechten Absatzperspektiven im Inland, gehen die Investitionen in Ausrüstungen und in den Wirtschaftsbau ebenfalls stark zurück. Insgesamt schrumpfen die Bruttoanlageinvestitionen 2009 um 6,5 Prozent. 2010 stagnieren sie, wobei die deutliche Ausweitung der öffentlichen Bauinvestitionen als Teil der Konjunkturprogramme in beiden Jahren einen noch stärkeren Rückgang verhindert.

Die privaten Konsumausgaben werden 2009 zwar anders als 2008 durch steigende Realverdienste begünstigt. Die Verbraucherpreise steigen in diesem Jahr lediglich um 0,6 Prozent. Allerdings wird die Beschäftigung deutlich abnehmen. Bei nochmals steigender Sparneigung sinken daher die privaten Konsumausgaben um 0,2 Prozent. 2010 dürfte es zwar zu einer zaghaften Belebung der Exporte und der Investitionen kommen. Der starke Beschäftigungsrückgang und nur geringe Effektivlohnsteigerungen - trotz weiter niedriger Inflation von 0,9 Prozent - werden aber zu einem deutlichen Rückgang der privaten Konsumausgaben um 1,7 Prozent führen, so das IMK.

Die massive Ausweitung der Kurzarbeit führt dazu, dass sich die tiefe Rezession erst mit starker Verzögerung auf dem Arbeitsmarkt auswirkt. Ab der zweiten Jahreshälfte rechnen die Konjunkturforscher dann aber mit einem massiven Stellenabbau. Die Arbeitslosigkeit steigt im Jahresdurchschnitt 2009 auf 3,66 Millionen Personen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,4 Prozent nach 7,5 Prozent im Jahr 2008. Im kommenden Jahr dürfte die Arbeitslosigkeit weiter steigen: Auf 4,5 Millionen Personen im Jahresdurchschnitt 2010. Die Arbeitslosenquote liegt dann bei 10,4 Prozent.

"Angesichts der bedrückenden wirtschaftlichen Entwicklung bedarf es einer konsequenten Reaktion seitens der Wirtschaftspolitik", schreiben die Konjunkturforscher. Neben dem bereits erwähnten international abgestimmten weiteren Konjunkturpaket empfehlen sie der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere rasche Senkung des Leitzinses. Darüber hinaus solle die EZB auch unkonventionelle Maßnahmen wie den Aufkauf von Wertpapieren in Betracht ziehen.

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