Neue Studie zu atypischer Beschäftigung

Leiharbeiter und befristet Beschäftigte tragen besonders hohe Arbeitsmarkt-Risiken

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Leiharbeiter und befristet Beschäftigte tragen unter den so genannten atypisch Beschäftigten besonders hohe Arbeitsmarkt-Risiken: Sie bekommen weniger Geld, werden schneller arbeitslos und sind bei der Weiterbildung benachteiligt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Dr. Hartmut Seifert und Wolfram Brehmer, Arbeitsmarktforscher am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Ohne bessere Regulierung wird sich vor allem die Situation der Leiharbeiter in der Krise noch drastisch verschärfen, warnt Arbeitsmarktexperte Seifert.

Mehr als ein Drittel aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland ist atypisch beschäftigt - auf befristeten Stellen, als Leiharbeitnehmer und vor allem in Teilzeit. Die Beschäftigung jenseits der klassischen festen Vollzeitstelle, dem "Normalarbeitsverhältnis", wächst seit Jahren. Und: Sie ist weiblich. 57 Prozent der Frauen, aber nur 17 Prozent der Männer gehören zu den "Atypischen", haben Seifert und Brehmer ermittelt.

Die Forscher werteten Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) von 1989 bis 2007 aus. Auf dieser Basis verglichen sie atypisch Beschäftigte und Arbeitnehmer in Normalarbeitsverhältnissen bei drei zentralen Merkmalen: dem Einkommen, der Stabilität der Beschäftigung und der Weiterbildungsbeteiligung. Zentrales Ergebnis: Längst nicht jeder atypische Job ist schlecht bezahlt oder unsicher, trotzdem sind prekäre Arbeitsbedingungen deutlich stärker als bei Normalarbeitsverhältnissen verbreitet.

Die Studie zeigt, dass alle atypischen Beschäftigungsformen eines gemeinsam haben: Sie werden schlechter bezahlt als feste Vollzeittätigkeiten. Knapp 34 Prozent der atypisch Beschäftigten verdienen nur einen "Prekaritätslohn". Das sind nicht einmal zwei Drittel des Medianlohns - derzeit weniger als 9,45 Euro im Westen und 6,94 im Osten. Unter den im Normalarbeitsverhältnis Beschäftigten müssen sich 9,5 Prozent mit so geringen Löhnen begnügen.

Vergleicht man die verschiedenen atypischen Beschäftigungsformen miteinander, offenbaren die SOEP-Daten aber erhebliche Unterschiede: Am häufigsten arbeiten befristete und unbefristete Minijobber für Niedriglöhne (gut 64 bzw. 57 Prozent), gefolgt von Leiharbeitnehmern (rund 44 Prozent) und befristet Beschäftigten mit Teilzeit- und mit Vollzeitstelle (gut 31 bzw. 29 Prozent). Beschäftigte mit einer unbefristeten Teilzeitstelle erhalten seltener einen Niedriglohn - allerdings sind es auch bei ihnen 23 Prozent.

Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei der Beschäftigungsstabilität auf: Feste Teilzeitstellen sind sogar etwas sicherer als Vollzeit-Normalarbeitsplätze. Dagegen tragen befristet Beschäftigte und Leiharbeiter im Vergleich zu Letzteren ein mindestens dreimal höheres Risiko, sich innerhalb eines Jahres einen neuen Job suchen zu müssen (siehe Infografik im Böckler Impuls; Link am Fuß dieses Textes).

Vor allem Arbeitnehmer mit kurzen Arbeitszeiten - Minijobber und Teilzeitbeschäftigte - haben deutlich reduzierte Aussichten, im Betrieb an Weiterbildungskursen teilnehmen zu können. Etwas besser sieht es bei den befristet Vollzeitbeschäftigten aus. Die Daten für Leiharbeiter sind nicht eindeutig. Immerhin gibt es Hinweise darauf, dass ihr Weiterbildungsrückstand in den letzten Aufschwung-Jahren kleiner geworden war.

"Prekaritätsrisiken kumulieren vor allem bei Leiharbeitern und befristet Beschäftigten", resümiert Seifert. Zwar deuten die Daten für 2006 und 2007 darauf hin, dass sich im Aufschwung auch die Situation dieser Beschäftigtengruppen etwas verbessert hat. Doch in der Krise dürften die kleinen Forschritte schnell wieder zunichte gemacht werden und vor allem Zeitarbeiter in eine rasante Abwärtsspirale geraten, fürchtet der Arbeitsmarktexperte: "Sie verlieren schnell ihren Job. Und sind sie arbeitslos, bekommen sie oft nur geringe finanzielle Unterstützung, weil sie vorher wenig verdient haben und häufig nur kurz beschäftigt waren." Viele Leiharbeitnehmer dürften nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, denn die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in der Zeitarbeit liegt deutlich unter einem Jahr.

Forscher Seifert hält bessere Regeln für unerlässlich, um Leiharbeitnehmer wenigstens etwas stärker abzusichern:

- Phasen von Kurzarbeit sollten für Weiterbildung genutzt werden, um die Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern.
- Um die Chancen auf Arbeitslosengeld zu erhöhen, empfiehlt Seifert Mindestbeschäftigungszeiten und die Wiedereinführung des Synchronisationsverbots. Das untersagte bis 2004, den Arbeitsvertrag auf die Dauer des ersten Einsatzes in einem Entleihbetrieb zu begrenzen.
- Auch ein existenzsichernder Mindestlohn würde die bestehenden Lohndifferenzen verringern und die soziale Lage bei Arbeitsplatzverlust verbessern, so Seifert. Noch sinnvoller ist aus Sicht des Wissenschaftlers eine Gleichstellung mit den regulär Beschäftigten im Entleihbetrieb.

Mehr Informationen und Infografik zum Download im Böckler Impuls 3/2009: www.boeckler.de/32014_94339.html?suche=1

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