Horn: Deflationsgefahr deutlich größer als Inflationsrisiken

IMK-Ökonom warnt

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in einer lange andauernden Rezession mit deflationären Tendenzen stecken bleibt, ist derzeit deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit einer mittelfristig stark steigenden Inflation. Trotz aktuell hoher Kreditaufnahme ist die staatliche Konjunkturstabilisierung auch nach dem Abflauen der Krise mit der Geldwertstabilität vereinbar. Darauf weist Prof. Dr. Gustav A. Horn hin, der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

"Die aktuellen Daten liefern keine Basis für Warnungen, der Staat treibe die Inflationsgefahr hoch, wenn er zur Stabilisierung der Wirtschaft zusätzliche Kredite aufnimmt", sagt Horn. "Und das hat einen sehr grundsätzlichen Grund: Solche Befürchtungen beruhen auf einem Denkfehler." In der gegenwärtigen Krise fülle der Staat mit seiner schuldenfinanzierten Ausgabenexpansion lediglich eine Lücke, die private Wirtschaftssubjekte durch fallenden Konsum und fallende Investitionen lassen: "Die private Kreditnachfrage geht in einer Krise stark zurück: Einmal, weil die Banken Risiken scheuen, zum anderen, weil viele Unternehmen und Privathaushalte wegen schlechter Absatzaussichten oder Einkommensunsicherheit auf Anschaffungen verzichten", so Horn. Wenn der Staat Kredite aufnimmt, um den Nachfrageausfall bei Konsum und Investionen zu kompensieren, verhindere er ein Abgleiten der Wirtschaft in Rezession und Deflation, ohne einen darüber hinausgehenden Inflationsdruck zu verursachen.

Sobald sich die Konjunktur wieder beschleunige, müsse der Staat natürlich seine Strategie ändern und die Konjunkturprogramme zurückführen, sagt der Ökonom. "Aber erst dann, und so weit sind wir leider noch lange nicht." Bei anziehender Konjunktur wirkten zudem die automatischen Stabilisatoren. Schon deshalb sinke im Aufschwung die staatliche Kreditnachfrage. "Wenn sich die Politik angemessen verhält und beispielsweise auf gesamtwirtschaftlich unsinnige Steuersenkungen verzichtet und bei Inflationsgefahr die Steuern möglicherweise sogar erhöht, geht vom staatlichen Verhalten auch nach dem Ende der Krise keine Inflationsgefahr aus", erklärt Horn. Sinke die Kreditaufnahme, sei die absolute Höhe des Schuldenstands unter dem Aspekt des Inflationsdrucks zweitrangig. Dafür sorge das stabilitätsorientierte System von Währungsunion und Europäischer Zentralbank (EZB): "Keine Regierung in Europa würde es schaffen, die EZB zum Gelddrucken zu bewegen, um über gezielte Inflation ihre Schulden zu reduzieren. Darauf vertraue ich", so Horn.

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