HWK-Vollversammlung: Handwerk im Oldenburger Land schüttelt Krise ab

Betriebe setzen auf Konjunkturerholung

(PresseBox) (Oldenburg, ) Die Handwerksbetriebe im Oldenburger Land rechnen für die kommenden Monate mit einer deutlichen Konjunkturerholung. Das geht aus der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer (HWK) Oldenburg bei ihren Mitgliedsbetrieben hervor, die HWK-Präsident Wilfried Müller auf der Vollversammlung (Freitag, 21. Mai) vorstellte. Die Unternehmen seien dabei, die "Krise abzuschütteln" und signalisierten eine positive Grundstimmung, sagte Müller. Der Geschäftsklimaindex, der die aktuelle Lage und die Erwartungen bündelt, sei im Vergleich zum Vorjahr um acht auf 52 Prozentpunkte gestiegen. Damit liege er annähernd auf dem Niveau vor der Wirtschaftskrise. 70 Prozent der Unternehmen berichteten von einer guten oder zufriedenstellenden Geschäftslage. Auch die Erwartungen stimmten zuversichtlich. 31 Prozent der Unternehmen gingen davon aus, dass sich die Situation im Laufe des Jahres weiter verbessere.

Für 2010 erwartet Müller bei den Umsätzen im Handwerk ein Minus von einem Prozent und eine weitgehend stabile Beschäftigung. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz um 4,4 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro gesunken. Der Rückgang sei damit deutlich geringer als in anderen Wirtschaftsbereichen ausgefallen. Auch die Beschäftigung habe 2009 nur um 0,7 Prozent auf 65.000 Personen abgenommen. Damit habe das oldenburgische Handwerk in schwierigen Zeiten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft im Nordwesten geleistet.

Im Bau- und Ausbaugewerbe habe sich der Saisonaufschwung durch Nachholeffekte verstärkt, die durch den langen Winter entstanden seien. Während der Wohnungsbau vor allem durch die niedrigen Zinsen und die vergleichsweise stabilen Einkommen der Privathaushalte Impulse erhalten habe, wirkten sich bei den öffentlichen Bauinvestitionen die Konjunkturprogramme positiv aus. Dagegen habe der Wirtschaftsbau seine Talfahrt fortgesetzt.

Erste Lichtblicke gebe es im Handwerk für den gewerblichen Bedarf, das von dem deutlich anziehenden Export profitiere. Im Kraftfahrzeuggewerbe bleibe die Stimmung angesichts der rückläufigen Privatkundennachfrage nach neuen Kleinwagen gedämpft. Während das Nahrungsmittelhandwerk eine konstant gute Auftragslage melde, habe sich bei den verbrauchernahen Dienstleistern der vorsichtige Stabilisierungskurs fortgesetzt.

Als ein "falsches Signal für Klimaschutz und Beschäftigung" kritisierte Müller den Förderstopp für erneuerbare Energien. Gerade bei Modernisierungsvorhaben seien die Investitionszuschüsse ein wichtiges Element zur Belebung der Baukonjunktur und ein Beitrag zum Umweltschutz.

Notwendig seien Hilfen für die Betriebe nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete. Zum Jahresende dürfe die Vergabe der geförderten öffentlichen Investitionen nicht radikal gestoppt werden. Trotz der jüngsten Absage der Bundeskanzlerin an Steuersenkungen sollten Steuerentlastungen als Instrument zur Stimulierung von Wachstum ein steuerpolitisches Ziel der Bundesregierung bleiben, forderte Müller. Kurzfristig sollten Initiativen zur Vereinfachung des Steuerrechts und zum Abbau von Steuerbürokratie beschlossen werden, um die Unternehmen zu entlasten.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sei es im vergangenen Jahr gelungen, 3.152 neue Ausbildungsverträge abzuschließen. Der Rückgang um 3,7 Prozent sei vergleichsweise moderat ausgefallen. Das Werben um qualifizierten Nachwuchs werde durch den deutlichen Rückgang der Schulabgängerzahlen erheblich erschwert, sagte Müller. Es müsse befürchtet werden, dass in diesem Jahr rund 200 Lehrstellen im oldenburgischen Handwerk nicht besetzt werden könnten, erklärte Müller. Deshalb sei es wichtig, dass die Fachkräftesicherung künftig im Mittelpunkt des Ausbildungspaktes stehe, um leistungsschwächere und benachteiligte Jugendliche für eine duale Ausbildung fit zu machen. Aber auch Abiturienten und Realschüler müssten verstärkt angesprochen werden.

Die Nachwuchssuche der Betriebe werde durch die bundesweite Imagekampagne des Handwerks unterstützt, die Schulabgänger auf die Karrierechancen in innovativen und zukunftsträchtigen Handwerksberufen aufmerksam machen solle. Das Handwerk habe auf Bundes- und Länderebene an die Politik appelliert, durch eine frühzeitig einsetzende Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen Jugendliche stärker zu einer Ausbildung in gewerblichtechnischen Berufen zu motivieren.

Die Zahl der Mitgliedsbetriebe bei der HWK ist seit Jahresbeginn um 16 auf 12.276 gestiegen. Wie Hauptgeschäftsführer Manfred Kater mitteilte, sei besonders bei den zulassungspflichtigen Handwerken die Bereitschaft zur Unternehmensgründung groß. Nach der Novellierung der Handwerksordnung 2004 verfügten hier noch 84 Prozent der angehenden Betriebsinhaber über eine Meister- oder Ingenieursausbildung. Dagegen könnten bei den zulassungsfreien Handwerken 65 Prozent der Jungunternehmer keine geprüften handwerklichen Kenntnisse nachweisen.

Der Trend zur Dequalifizierung macht es laut Kater erforderlich, für diesen Personenkreis zusätzliche Weiterbildungsangebote zu entwickeln, um die Qualität handwerklicher Arbeiten und damit auch die Zukunft der neuen Unternehmen langfristig zu sichern. Die Zahl der Meisterprüfungen sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 350 erfolgreichen Kandidaten ebenso konstant geblieben wie bei den Fortbildungsprüfungen mit 490 Absolventen.

Die Zahl der Teilnehmer an Existenzgründungsberatungen habe um 25 Prozent gegenüber dem Wert des Vorjahres gelegen. Einen hohen Anteil bildeten dabei Arbeitslose, deren Gründungskonzepte intensiv auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit geprüft würden. Parallel habe die Zahl der Beratungen von Unternehmen, die sich in einer Liquiditätskrise befänden, um 60 Prozent zugenommen. Gemeinsam mit der KfW würden Schwachstellen analysiert und Maßnahmen zur Sanierung empfohlen. In nahezu allen Fällen sei es gelungen, den Bestand der gefährdeten Unternehmen zu sichern.

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