- Pressemitteilung BoxID 512664
Integration nicht dem Zufall überlassen
Ausbildungskonferenz "Willkommen, Vielfalt!" fördert den Dialog zwischen den Kulturen
Zentrales Thema der ersten von HwK und Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz gemeinsam veranstalteten Ausbildungskonferenz waren notwendige Veränderungen, um Migranten besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren und Jugendliche mit Migrationshintergrund für die betriebliche Ausbildung zu gewinnen.
Professor Dr. Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, verwies in ihrem Eröffnungsstatement darauf, dass "der Anteil von Schulabgängern ohne Schulabschluss bei ausländischen Jugendlichen mit 12,8 Prozent gegenüber 5,4 Prozent mehr als doppelt so hoch ist. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 34 Jahren, die keinen Berufs- oder Hochschulabschluss haben, ist mit 31,6 Prozent mehr als dreimal so hoch, wie bei der gleichaltrigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund." Die Integrationsbeauftragte betonte, dass "Jugendliche aus Zuwandererfamilien nur mit abgeschlossener Berufsausbildung vergleichbare Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, viele auf diesem Weg allerdings verloren gehen".
Sprache ist Basis für Integration
Im "Nationalen Aktionsplan" haben Bund und Länder Ziele entwickelt, die Integration messbarer machen. Die Ausbildungsbeteiligung ist darin ein Schwerpunkt. "Wir brauchen einen klaren Aufwärtstrend bei Bildung und Ausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund. Unser Ziel muss es sein, die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von sozialer Herkunft und der Familiensprache zu durchbrechen!" Böhmer unterstrich die Wichtigkeit der frühkindlichen Sprachförderung in Kindergarten und Vorschule. "Jedes Kind, das in die Grundschule kommt, muss so gut Deutsch sprechen, dass es dem Unterricht folgen kann. Schulen können nur dann erfolgreich arbeiten, wenn alle Kinder ausreichend die deutsche Sprache beherrschen." In diesem Zusammenhang forderte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, dass "die Lehrer auf die kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer vorbereitet sein müssten. "Dann können sie den Reichtum an Sprachen, Kulturen und Erfahrungen erkennen und ihn gewinnbringend einsetzen."
Sie betonte, dass "Schule als Ort der Integration besonders gut funktioniert, wenn sie in ein Netzwerk eingebettet ist. Nehmen wir alle ausbildungswilligen Jugendlichen in den Fokus. Der Fachkräftebedarf steigt, der demografische Wandel wird spürbar. Integration und die Sicherung des Fachkräftebedarfs hängen ganz eng zusammen. Bringen wir alle gemeinsam beides voran", wandte sich Staatsministerin Böhmer an die Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Doris Bartelmes, Leiterin der Abteilung Arbeit im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, betonte in ihrem Grußwort, dass die Landesregierung Jugendliche im Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf mit einer großen Bandbreite an Projekten unterstützt. "Wir fördern darüber hinaus Betriebsinhaber mit Migrationshintergrund, die notwendigen Voraussetzungen zu erlangen, auszubilden. Insbesondere für jugendliche Migranten können sie Mentor und Vorbild sein", so Bartelmes. Generell sind alle arbeitsmarktpolitischen Projekte in Rheinland-Pfalz für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen zugänglich.
Handwerk als Ausbilder und Integrationsexperte
Werner Wittlich, Präsident der HwK Koblenz, wies in seinem Grußwort auf die "Vorreiterrolle des Handwerks bei der Integration junger Menschen" hin. "Das Handwerk hat die Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlichster Herkunft aus seiner langen Tradition der Wanderschaft heraus stets als Bereicherung verstanden. Handwerker stehen seit je her füreinander ein und helfen sich gegenseitig." Er hob das aus Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz und der Europäischen Union geförderte Projekt "Handwerk integriert Migranten" (HiM) hervor, das die Kammer seit 2007 erfolgreich durchführt. "Die Projektmitarbeiter haben bisher über 450 Jugendliche mit Migrationshintergrund individuell beraten. Sie konnten 250 Praktikums- und 150 zusätzliche Lehrstellen akquirieren. 80 Betriebsinhaber mit Migrationshintergrund absolvierten ihre Ausbildereignungsprüfung."
Wittlich betonte, dass Ausbildung Zukunft bedeute und hochqualifiziertes Fachpersonal die wichtigste Ressource für das Handwerk und für die Wirtschaft sei. "Wir können es uns nicht leisten, Jugendliche, die noch Unterstützung brauchen, zurück zu lassen. Es müssen ausreichend duale Ausbildungsplätze für alle Schulabgänger mit oder ohne Migrationshintergrund geschaffen werden, auch für solche ohne qualifizierten Schulabschluss." Er verwies auf die im Kammerbezirk flächendeckend eröffneten Beratungs- und Bildungszentren sowie die Akademien der HwK, um Jugendliche und Beschäftigte im Handwerk vor Ort zu fördern. Die Kammer bietet seit Jahren Schülerpraktika, eine Lehrstellenbörse, Tage der offenen Tür, Ganztagsschulprojekte des Handwerks und vieles mehr, um Jugendliche, die den Übergang in das Ausbildungssystem noch nicht geschafft haben, zu unterstützen und offene Lehrstellen mit Migranten zu besetzen. "Und dennoch bleiben viele junge Migranten auf der Strecke. Genauso wie rund 1.000 Lehrstellen dieses und nächstes Jahr aufgrund sinkender Schülerzahlen unbesetzt bleiben", so der Kammerpräsident.
Kulturelle Vielfalt als Unternehmensvorteil
"Wir brauchen den Mut zum Wandel, zu Veränderungen und bunten Belegschaften. Gesellschaften, die sich Neuem und Fremden verschließen, werden in unserer globalisierten und sich beständig wandelnden Welt nicht zukunftsfähig sein. Das neue Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ist ein wichtiger Impuls, um wirtschaftliche Integration nachhaltig zu erreichen", resümierte Wittlich.
Es helfe, auch das Potenzial der rund 30 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft einfließen zu lassen, so Manfred Göbel, Abteilungsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK Koblenz. "Wir benötigen in Deutschland eine ausgeprägte Willkommenskultur. Zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen hat die IHK-Organisation jüngst auch eine zentrale Stelle mit dem Namen 'IHK FOSA' mit Sitz in Nürnberg eingerichtet", so Göbel.
In einer Diskussionsrunde mit Schulleitern, Unternehmern, Wissenschaftlern, Elternvertretern, Migrationsbeauftragten und Gewerkschaftern - zu ihnen gehörten neben der Vorsitzenden der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz/Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz (Saarbrücken), Oberstudiendirektor Joachim Dell (Westerburg), Dr. Ing. Viktor Lind (Simmern), Petra Kannengiesser (St. Wendel/Zell), Professor Dr. Stefan Sell (Koblenz/Remagen), Dr. Thorsten Ralle (Ludwigshafen), Miguel Vicente (Mainz) und Ali Yener (Koblenz) - wurde eine kulturelle Vielfalt in der modernen Dienstleistungsgesellschaft als großer Vorteil hervorgehoben. Dabei komme es darauf an, die unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen, die Menschen mitbringen, für Wirtschaft und Gesellschaft fruchtbar zu machen.
Impulsgebende Ergebnisse
In vier Foren wurden Ergebnisse zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten erarbeitet. So sollte beispielsweise mit verkürzten Ausbildungszeiten, Auslandsaufenthalten während der Lehre, Zusatzqualifikationen und der Möglichkeit eines dualen Studiums die Attraktivität der dualen Ausbildung gesteigert werden. Ein Coaching in der Ausbildung helfe auftretende Probleme im Laufe einer Lehre zu überwinden und entwickele Perspektiven für einen erfolgreichen Übergang in die Berufswelt. Und weil berufliche Integration gleichzeitig immer auch gesellschaftliche Integration heiße, seien Netzwerkarbeit, die Nutzung neuer Medien und spezielle Kurse für Migranten absolut erforderlich. So müssten Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für Migranten bei Bedarf muttersprachlich unterstützt werden. Darüber hinaus sollte der Weg über die Meisterprüfung in die Selbstständigkeit unabhängig von der Nationalität und dem persönlichen Werdegang für jeden finanzierbar sein.
"Integration heißt immer auch: Ausländische Qualifikationen respektieren, die Chancen der Menschen anderer Kulturen durch Zeichen des Willkommens erhöhen und ihnen ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen", betonte Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der HwK Koblenz in seinem Schlusswort. "Das Wir gewinnt mit Einfühlungsvermögen und Geduld auf Augenhöhe - auch und vor allem im Handwerk."
Informationen zur Ausbildungskonferenz bei der HwK-Ausbildungsberatung, Tel. 0261/ 398-333, Fax -989, aubira@hwk-koblenz.de, www.hwk-koblenz.de/aubira
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