Rohstoffe bleiben teuer

AIECE - Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute / Arbeitsgruppe Rohstoffpreise

(PresseBox) (Hamburg, ) Der Bericht "Weltmarktpreise für Rohstoffe 2010 bis Mitte 2012", der von der AIECE Arbeitsgruppe für Rohstoffe erarbeitet wurde, basiert auf der Analyse von 29 Rohstoffen und Rohstoffmärkten.

Seit Anfang 2000 unterlagen die Weltmarktpreise für Rohstoffe drastischen Veränderungen, sowohl nominal als auch real. Im Herbst 2010 erreichten die durchschnittlichen Dollar-Preise der nicht-energiebezogenen Rohstoffe fast wieder ihre Höchstwerte vom Juli 2008, nachdem sie zwischenzeitlich stark gefallen waren. Auch real gingen sie nur vorübergehend zurück. Zu den ausgeprägten Preisschwankungen haben zwar spekulative Anlagen von Finanzmarktinvestoren beigetragen, sie sind aber nach Einschätzung der Arbeitsgruppe nicht maßgeblich für die Preisentwicklung. Der starke Preisanstieg seit 2000 spiegelt vielmehr größtenteils fundamentale Faktoren, insbesondere das rasche Wachstum der rohstoffintensiven Wirtschaft Chinas, wider.

Die Energiepreise erholten sich schnell von den Tiefständen in der Rezession, blieben jedoch deutlich unter ihren Rekordwerten von Mitte Juli 2008 zurück. Die Preise für Rohöl schwankten seit Herbst 2009 im Durchschnitt in einer Spanne von 70-85 US-Dollar pro Barrel. Die Unsicherheit über die Stärke des weltweiten Wirtschaftswachstums, verhältnismäßig große Ölvorräte sowie eine überraschend starke Ausweitung der Produktion in Nicht-OPEC Ländern drückten auf die Ölpreise. Andererseits wirkten die Erwartung einer robusten Nachfrage in Asien, geopolitische Risiken sowie die Aussicht auf Produktionseinschnitte in den OPEC-Ländern preissteigernd. 2010 werden die Energierohstoffpreise im Jahresdurchschnitt um 27 Prozent zulegen, nachdem sie im vergangenen Jahr um 37 Prozent gefallen waren. Für 2011 ist angesichts des reichlichen Angebots an Öl nur ein geringer Preisanstieg zu erwarten.

Die Stahlproduktion stieg in der ersten Hälfte des laufenden Jahres steil an. Im Sommer ging sie dann zwar unerwartet kräftig zurück. Dennoch erreichten die Vertragspreise für Eisenerz, die der Marktentwicklung mit einer Verzögerung folgen, im 3. Quartal 2010 Rekordstände. Der Preis für Eisenschrott hat stark fluktuiert. Die Preise für eisenhaltiges Rohmaterial insgesamt werden aller Voraussicht nach im Jahresdurchschnitt 2010 um zwei Drittel steigen. Für nächstes Jahr ist aufgrund einer zu erwartenden Produktionsausweitung bei Eisenerz ein Preisrückgang zu erwarten, wohingegen die Preise für Eisenschrott noch leicht steigen dürften. Die Preise von Nichteisenmetallen haben seit der Krise insgesamt weniger stark zugelegt als die Preise für Eisenerz. Für dieses Jahr ist ein Anstieg von etwas mehr als einem Drittel zu erwarten. 2011 werden sie sich voraussichtlich auf einem Niveau stabilisieren, das sieben Prozent oberhalb des Durchschnitts im laufenden Jahr liegt.

Die Preise für Agrarrohstoffe werden dieses Jahr im Durchschnitt um 35 Prozent steigen und nächstes Jahr leicht sinken. Zunehmende Besorgnis aufgrund rückläufiger globaler Lagerbestände wird die Weltmarktpreise für Baumwolle im Prognosezeitraum weiter in die Höhe treiben. Hingegen dürfte eine stabile Wollproduktion und ein nur moderat zunehmender Verbrauch dazu führen, dass es bei Wolle nach dem starken Preisanstieg Ende 2009 und Anfang 2010 im weiteren Verlauf zu keinen größeren Preisbewegungen nach oben mehr kommt. Ein Risiko weiter deutlich steigender Preise besteht allerdings dann, wenn Fasern, die deutlich teurer werden, wie Baumwolle und Synthetics, in großem Umfang durch Wolle substituiert werden. Der Preis von Naturkautschuk erreichte im Zuge der Erholung der weltweiten Autoproduktion im August ein Rekordhoch. In den kommenden Quartalen wird die Kautschuknachfrage aufgrund des Auslaufens von subventionierten Autokäufen in den meisten Ländern wieder nachlassen und die Kautschukpreise dürften sich stabilisieren. Die Preise für Zellstoff, die aufgrund von Angebotsengpässen und der asiatischen Nachfrage erheblich gestiegen sind, werden zwar aller Vorrausicht nach etwas zurückgehen, aber nach wie vor hoch bleiben.

Die Preise von Rohstoffen für Nahrungsmittel und Getränke werden moderater steigen als die Preise für Industrierohstoffe. Die Preise werden dieses Jahr um etwa 10 Prozent und nächstes Jahr etwas stärker zulegen. Nachdem sich die Getreidepreise ausgehend von dem 2007 und Anfang 2008 verzeichneten extrem hohen Niveau im Zuge der weltweiten Rezession deutlich nach unten korrigiert hatten, stagnierten sie anders als die meisten anderen Rohstoffpreise überwiegend bis Mitte 2010. Im Juli 2010 jedoch zogen die Weltmarktpreise für Getreidepreise aufgrund der Erwartung massiv zurückgehender Produktion stark an. Ursprünglich war der Anstieg auf Weizen begrenzt, doch folgten die Maispreise im September und Oktober. Grund für die steigenden Preise ist ein knapperes Angebot an den Weltmärkten. Im Fall von Weizen haben Exportrestriktionen den Preisanstieg verstärkt. Derzeit bewegen sich die Preise zwar noch deutlich unterhalb des Stands von 2008, doch bestehen zunehmend Risiken, dass einkommensschwache Staaten wieder Probleme bekommen könnten, notwendige Getreideimporte zu finanzieren. Stark steigende Preise für Grundnahrungsmittel könnten schließlich zu einer erneuten Nahrungsmittelkrise in Entwicklungsländern führen.

Ein Risiko für die in dem Bericht vorgelegte Rohstoffpreisprognose besteht in der Wechselkursentwicklung. Sollte sich der US-Dollar beispielsweise stärker abwerten als erwartet, würde dies zu zusätzlichen Preisanstiegen bei in Dollar notierten Rohstoffen führen. Ein weiteres Risiko für Preissteigerungen stellt ein als Folge einer erfolgreichen Stärkung der chinesischen Inlandsnachfrage unerwartet hohes Wachstum der chinesischen Industrie dar. Das Risiko eines starken Preisverfalls wird vor allem darin gesehen, dass die Erholung in den Industriestaaten schwächer ausfällt als erwartet, was sich dann auch negativ auf das Wachstum der auf Rohstoffexporteinnahmen angewiesenen Entwicklungsländer auswirken würde.

Die AIECE (Association d'Instituts Européens de Conjoncture Économique bzw. Association of European Conjuncture Institutes) besteht aus 44 Instituten aus 21 Ländern. Die Arbeitsgruppe Rohstoffpreise (Working Group on Commodity Prices) erstellt zweimal im Jahr Rohstoffpreisprognosen. In der Gruppe sind zehn Mitgliedsinstitute vertreten:

- BIPE Bureau d'Information et de Prévisions Économiques, Issy-les-Moulineaux
- ETLA Research Institute of the Finnish Economy, Helsinki
- GKI Economic Research Co., Budapest
- Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)
- IBRKK Institute for Market, Consumption and Business Cycles Research, Warschau
- IfW Institut für Weltwirtschaft, Kiel
- INSEE Institut National de la Statistique et des Études Économiques, Paris
- NIER National Institute of Economic Research, Stockholm
- Prometeia Prometeia S.p.A., Bologna

Der Bericht "World Commodity Prices 2010 to mid-2012", erstellt von Paavo Suni, ETLA Helsinki, stellt nicht die Meinung der AIECE dar und nicht notwendigerweise die Meinung des einzelnen Mitgliedsinstituts. Er entstand auf der Grundlage von Diskussionen und Rohstoffpreisprognosen der Institutsvertreter in der Gruppe.

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