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Was kommt nach Schlecker?

Verbraucher horten Vorräte für die nächsten Monate - LEH startet mit positiver Bilanz ins zweite Halbjahr

(PresseBox) (Nürnberg, ) "Überwirft sich Größe mit dem Glück, wird ihr die Welt auch feind." - Zitate von Shakespeare passen eigentlich immer, aber dieses scheint geradezu gemünzt auf das aktuelle Drama, das sich zuletzt im deutschen Einzelhandel abgespielt hat: das Ende des einstmals größten und lange Zeit übermächtigen Drogeriemarktfilialisten. Schlecker hat nicht nur das Glück verlassen, sondern auch das Gespür für den Markt und für den Wandel im Habitus der Verbraucher. Und Schlecker hat sich "die Welt" durch die Art seines Umgangs mit Mitarbeitern und Kunden zum Feind gemacht. Nun ist Schluss. Aber wie geht es weiter?


Der Schlecker-Konkurs ist nicht irgendeine Firmenpleite. Obwohl der Bedeutungsverlust schon vor Jahren einsetzte, war Schlecker bis zum Ende ein wichtiger Player im Markt. Und selbst jetzt, wo Schlecker Geschichte ist, wird er uns noch ein Weilchen weiter beschäftigen.

Denn der Ausverkauf in den bis zuletzt verbliebenen Filialen hat im Juni noch einmal zahlreiche Käufer angelockt (5,1 Mio.). Jeder von ihnen hat im Ausverkaufsmonat Juni zudem fast doppelt so viel ausgegeben (im Durchschnitt 15 Euro) wie in den Monaten zuvor und gut ein Drittel mehr als während der ersten Ausverkaufsrunde im März. Und das, obwohl die Preisabschläge 30, 50 oder 70 Prozent betrugen. Restartikel gingen für gerade einmal 20 Cent weg. Dass bei solchen Superschnäppchen dennoch eine vergleichsweise hohe Bonsumme zustande kommt, zeigt, dass die Ausverkaufs-Käufer (5,1 Mio.)

noch einmal richtig zugelangt haben. Sie haben Mengen eingekauft, die sie unmöglich in kurzer Zeit verbrauchen können. Das wird zwangsläufig zu einer geringeren Mengennachfrage in den kommenden Monaten führen.

Dabei werden aber nicht alle Sortimentsteile und Kategorien in gleicher Weise beeinflusst. Wie erste Bevorratungs-Analysen zeigen, sind die Sortimentsbereiche Körperpflege/Kosmetik sowie Wasch-, Putz-, Reinigungsmittel stärker betroffen als zum Beispiel Papierwaren oder Tiernahrung. Weitere Informationen zu Bevorratungs-Analysen der GfK im Drogeriewaren- Sortiment und in einzelnen Kategorien gibt Ihnen gerne Ihr Kundenberater.

Interessant ist auch die Frage, wo die Ausverkaufs- Käufer von Schlecker im Juni 2012 herkommen.

Immerhin haben die Kunden in diesem Monat beträchtliche Zusatzausgaben bei Schlecker getätigt; Geld, das in den Kassen der anderen Einkaufsstätten fehlt. Hier zeigt sich, dass vor allem die Stammkäufer der Discounter im letzten Ausverkaufsmonat stärker bei Schlecker eingekauft haben als üblicherweise und dabei natürlich auch Umsätze verschoben wurden.

Auch Kunden, die sonst ihren Drogeriewarenbedarf bei real,- decken, haben sich besonders stark am Ausverkauf beteiligt, die Stammklientel anderer Drogeriemärkte jedoch nur unterproportional.

Nun werden aber selbst jene Händler, die kurzfristig Umsätze an Schlecker verloren haben, dies verschmerzen, denn Schlecker nimmt ihnen ab sofort keinen Euro mehr weg. Vielmehr geht es jetzt darum, sich ein möglichst großes Stück vom Schlecker-Kuchen zu sichern.

Nach einer Gain&Loss-Analyse der GfK werden jeweils rund 30 Prozent der bisherigen Schlecker- Umsätze zu den Vollsortimentern und zu den Discountern abwandern. Die anderen Drogeriemärkte können mit etwa einem Drittel der Schlecker-Umsätze rechnen. Acht Prozent kann sich der Fachhandel sichern. Der Gewinnanteil der Discounter ist dabei gegenüber früheren Berechnungen deutlich gestiegen.

Das liegt daran, dass sich jetzt auch die treuesten Schlecker-Kunden anderweitig orientieren müssen. Diese preisbewusste Klientel zieht es aber überproportional zu den Discountern.

Fazit: Die Bevorratung aus dem Schlecker-Ausverkauf wird sich in den nächsten Monaten als Bremsklotz für den Markt der Drogeriewaren erweisen. Die einzelnen Key Accounts werden davon aber nicht allzu viel merken, im Gegenteil: Sie bekommen Kunden hinzu, und damit steigen ihre Umsätze mit Drogeriewaren, selbst wenn sich die neuen Kunden vorerst noch etwas zurückhalten.

Märkte und Sortimente profitieren vom Schlecker-Ausverkauf

Ironie der Geschichte: Schlecker hat im Juni 2012 das beste Geschäft seit langem gemacht, aber auch das letzte. Ein Viertel mehr Kunden als im Vormonat, und alle Käufer sind mit einem Bon von durchschnittlich 15 Euro durch die Kasse gegangen, für Schlecker-Verhältnisse wahrlich ein Riesengeschäft. Nun kann man sich fragen: Was bleibt dabei noch für die anderen übrig? - Die Antwort: Gar nicht mal so wenig.

Selbstverständlich geht das Gros des Drogeriemarkt-Wachstums auf Schlecker und seine Ausverkaufs-Angebote zurück, die anderen Drogeriemärkte sind aber ebenfalls gewachsen. Es zeigt sich mal wieder, dass eine positive Einkaufsstimmung letztlich allen nützt, egal wer sie angefeuert hat. Durch den Umsatzzuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat haben sich die Drogeriemärkte überdies wieder in den Schwung der anderen Vertriebsschienen eingeklinkt. Rund zwei Prozent mehr Umsatz stehen fürs erste Halbjahr zu Buche; gar nicht so schlecht angesichts der Tatsache, dass die Vertriebsschiene bereits im vergangenen Jahr recht gut dastand.

Wenn man vom außerordentlichen Zuwachs der Drogeriemärkte mal absieht, ist das Bild das gleiche wie stets in den letzten beiden Jahren: Die LEH-Food-Vollsortimenter geben den Ton an. Im Juni 2012 kamen sie auf 7,5 Prozent Mehrumsatz, aufs bisherige Jahr gesehen summiert sich dies zu einem Wachstum von knapp vier Prozent. Das ist beachtlich, nicht weil man das den Akteuren nicht zutraut, sondern weil hier ebenfalls ein relevanter Basiseffekt aus dem Vorjahr zugrunde liegt. Der Umsatzzuwachs der Vollsortimenter ist damit fast doppelt so hoch wie jener der Discounter. Und das in einer Zeit, in der sich alle Welt Sorgen um den Euro und um die Konjunktur selbst im wirtschaftlichen starken Deutschland macht. Chapeau!

Gerade in dieser Zeit würde man eigentlich die Discounter weiter vorne sehen, aber ihnen weht seit einiger Zeit der Wind ins Gesicht. Und diesen Gegenwind erzeugen eben jene Food-Vollsortimenter. Vor allem Rewe und Edeka sind durchaus erfinderisch bei der Kreation neuer Eigenmarken und schwungvoll bei deren Markteinführung und -positionierung. Es sind fast ausschließlich Mehrwert-Handelsmarken, welche die großen Player auf den Markt bringen, und sie schöpfen damit einen wachsenden Teil des Geschäfts ab, das die Discounter in den letzten Jahren aufzu-bauen versucht haben: Angebote für die zahlungskräftigere Discounter-Klientel. Hinzu kommt, dass Aldi nicht so recht in die Spur zurückfindet und sich zwar konsolidiert, aber nicht entscheidend wächst. Dadurch geht das Erfolgsimage verloren, das die Discounter früher zu stets neuen Höhen getragen hat. Heute machen ihnen andere diese Position streitig - ideell und dadurch auch wirtschaftlich. Obwohl sie nach einem halben Jahr hinterher fahren, sind auch die Discounter natürlich weiter auf Wachstumskurs. Mal sehen, was die kommenden Monate bringen. Wie zuvor gesehen, wechseln jetzt die letzten Getreuen von Schlecker die Fahnen, und nicht wenige von ihnen laufen zu den Discountern über. Dies könnte dem Geschäft der Discounter in den nächsten Monaten neuen Schwung geben.

Vom schwungvollen Wachstum des LEH im Juni 2012 sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Zum einen haben hier der Schlecker-Ausverkauf und die Bevorratungskäufe der Verbraucher bei den Drogeriewaren eine Rolle gespielt, zum anderen hat der Kalender im Juni kräftig mitgeholfen (Kalendereffekt: +5).

Diese Einschränkung gilt erst recht für die FMCG-Sortimente. Home-/Bodycare-Warengruppen haben im Juni überdurchschnittlich zum Gesamtwertwachstum von 4,4 Prozent beigetragen. Zwischen siebeneinhalb und achteinhalb Prozent lagen die Zuwächse im Juni. Dennoch ist das Wachstum nach einem halben Jahr nur verhalten positiv. In den nächsten Monaten werden sich in diesen Sortimenten zudem die Vorratskäufe der Schlecker-Kunden negativ auswirken. Von hier sind folglich nicht die stärksten Wachstumsimpulse zu erwarten.

Für die Getränke, zumindest für die kalten, ist die Saison schon fast vorbei - ohne dass sie überhaupt angefangen hätte. Wie den Konsumenten, so ergeht es auch den Wirten und dem Handel: Das Wetter ist eine Zumutung, es schlägt aufs Gemüt und aufs Geschäft. Hinzu kommt, dass sich auch die Stimmungsgaranten der letzten Jahre, die deutschen Kicker, ein bisschen wie Schönwetter-Fußballer gezeigt haben. Die Folge: Auch von dieser Seite ist es dem Handel nass reingegangen. Einen absatz- und umsatzfördernden Hype hat es in diesem Jahr - im Unterschied zum Sommermärchen 2006 - nicht gegeben. Fanmeilen, aber auch Biergartenbesuche und absatzstimulierende Grillabende mit Freunden fielen regelrecht ins Wasser.

Die Alkoholfreien Getränke waren im Juni 2012 zwar leicht im Plus (Menge: +0,2%, Wert: +1,3%), aber angesichts der oben geschilderten Umstände ist das nichts, worüber man sich freuen kann. Bier ist es nur unwesentlich besser ergangen. Die Menge stieg um ein Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, der Umsatz legte um drei Prozent zu, weil Weizenbier und regionale Biermarken teurer wurden. Biermischgetränke wurden um fast vier Prozent weniger gekauft; der Umsatz ging um ein halbes Prozent zurück. Wenigstens schnitten die Markenanbieter besser ab als die Handelsmarken.

Wenn es den Getränken schlecht geht, geht es den Frischewarengruppen selten gut. So auch im Juni 2012. Da draußen kaum ein Grillfeuer raucht, ist der Grillmarkt weiterhin im Keller. Grillfleisch wurde gegenüber dem Vorjahresmonat, der witterungs-mäßig nur unwesentlich besser war als der diesjährige, um acht Prozent, Grillwurst sechs Prozent weniger eingekauft. Wertmäßig entwickelte sich der Markt zwar besser, aber dennoch unterproportional zur Gesamtentwicklung. Brot/Backwaren stagnieren im Wert, weil die Mengen seit Jahren rückläufig sind.

Deutlich besser sieht es bei Obst und Gemüse aus; der Obstumsatz stieg im Juni 2012 um sechs, der Gemüseumsatz um starke 20 Prozent. Das ist herausragend gemessen an der Entwicklung in den letzten Monaten, und man fragt sich unwillkürlich, was da nicht stimmt. EHEC ist das Stichwort. Der Keim hatte seit Ende Mai letzten Jahres den Gemüseabsatz schlagartig lahmgelegt. Der immer noch nicht völlig erholte Markt profitiert im aktuellen Berichtsmonat also vor allem vom Basiseffekt. Tomaten, Gurken und Blattsalate konnten mengenmäßig deutlich zweistellig wachsen.

Bei den Molkereiprodukten gibt es unterschiedliche Tendenzen. Die weiße Linie verliert Umsätze, teils weil die Preise sinken (Milch, Quark), teils weil das Wetter den Verzehr beeinflusst (Joghurt, Drinks etc.). Insgesamt ist die Mengenentwicklung aber leicht positiv.

Anders bei der gelben Linie; hier erfreuen zahlreiche innovative Produkte die Käufer von Hart-, Schnitt- und Frischkäse. So gab es etwa Launches von "Lactosefrei", süßen Varianten und Snackingprodukten. Natürlich kosten diese Neuheiten mehr, aber die Verbraucher sind bereit, diese Preise zu bezahlen. Außerdem sind sie neugierig, und dadurch steigt in der gelben Linie die Einkaufsfrequenz. Eine erfreuliche Win-Win-Win-Situation: für Hersteller, Handel und Konsumenten.

Im Unterschied zu den Fußballern haben die Süßwaren bei der Europameisterschaft ihre Chancen genutzt. Die typischen sportaffinen Warengruppen wie Salzige Snacks (Kartoffel- und Mais-Knabbergebäck, Nüsse), Small Bites (Schokolinsen / Dragees), Schokoriegel sowie Fruchtgummi / Lakritz erzielten weit überdurchschnittliche, zweistellige Zuwächse. Zum einen, weil die Mengennachfrage hier generell hoch war, aber auch, weil mehr Käufer angelockt wurden. Hersteller und Handel haben die Vorlage der EM auch dadurch genutzt, dass sie in diesen Warengruppen die Nachfrage zusätzlich durch gezielte Preisaktionen anfeuerten. Den Süßwaren insgesamt hat dies im Juni zu einem Umsatzplus von mehr als sieben Prozent verholfen.

Unterstützt durch den Kalender, gebremst durch das Wetter erzielte der FMCG-Gesamtmarkt im Juni 2012 ein Umsatzplus von 4,4 Prozent. Das ist weniger als der LEH, aber die Gründe dafür sind ja seit längerem bekannt (Schwäche des Fachhandels). Daran wird sich in nächster Zeit auch kaum etwas ändern.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass das Umsatzwachstum - anders als in den Monaten zuvor - nicht mehr in dem Maße durch Preissteigerungen erzielt wird. Zwar lagen auch im Juni 2012 die Preise erneut über denen des Vorjahresmonats, aber eben nicht mehr um rund vier, sondern nur noch um zwei Prozent. Das Wachstum der Packaged Goods ist, wenn man so will, etwas "organischer" geworden. Unterschiede gibt es nach wie vor zwischen den Vertriebsschienen: Während LEH-Food-Vollsortimenter (+1,9%) und Discounter (+2,4%) auch im Juni die Preisunterstützung für ihr Wachstum nutzten, mussten die Drogeriemärkte wie schon zuvor gegen sinkende Preise bestehen. Das ist ihnen im Juni prächtig gelungen, wie zuvor zu sehen war. Die Hilfestellung durch einen attraktiven Schlecker-Ausverkauf wird es aber künftig nicht mehr geben. Dadurch müssen die anderen Drogeriemärkte aber auch nicht mehr selbst so intensiv mit Preissenkungen dagegenhalten. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn künftig auch im Drogeriemarktbereich die Preise die Richtung wechseln.

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