Geschichte der Materialforschung

Für Chemiker und Physiker gleichermaßen spannend

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) "Die praktische Beherrschung von Werkstoffen und auch eine systematische Ordnung des Wissens über ihre Eigenschaften und Klassifikation sind integraler Bestandteil des Könnens und Wissens aller Hochkulturen der Menschheit. Doch hat es lange gedauert, bis sich aus einer Vielzahl von praktisch beherrschten Verfahren der Materialherstellung und -verarbeitung sowie der Erforschung ihrer Eigenschaften regelrechte Wissenschaften über jene Materialien - etwa die Metallurgie, Glaskunde, Polymerchemie oder Festkörperphysik - herausgebildet haben," so Professor Dr. Klaus Hentschel, Leiter der Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik am Historischen Institut der Universität Stuttgart in seinem einführenden Vortrag zur Tagung "Geschichte der Materialforschung". Vom 24. bis 27. März 2009 kommen in Göttingen Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler und Historiker zusammen, um sich über historische Forschungsarbeiten zu Materialien von Bakelit bis Zement auszutauschen. Auch wird der Paul-Bunge-Preis für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente verliehen.

Die Tagung "Geschichte der Materialforschung" am Institut für Anorganische Chemie der Universität Göttingen wird gemeinsam von der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und dem Fachverband Geschichte der Physik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) veranstaltet. Vorgestellt werden beispielsweise Materialien und Stoffe der klassischen Chemie von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dass sich in dieser Zeit viel verändert hat, zeigt schon eine Definition des Göttinger Ökonomieprofessor Johann Beckmann aus dem Jahr 1777:" Materialien nennet man die rohen, oder schon zum Theil bearbeiteten Naturalien, welche Handwerke verarbeiten." Heute haben Materialien mit Naturalien häufig nichts mehr gemein, und aus den Werkstätten sind riesige Industriezweige geworden.

Zur Sprache kommen in Göttingen das "weiße Gold" (Porzellan), der erste wirtschaftlich verwertbare, vollsynthetische Kunststoff "Bakelit", die während des Zweiten Weltkriegs entwickelten Silicone, die Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Flüssigkristalle, mit denen man erst in den 1960er Jahren langsam etwas anzufangen wusste, optische Gläser und Glaskeramiken, Kohlefaserverbundwerkstoffe, die Metallforschung, Metallographie und Werkstoffprüfung, der Portlandzement, Halbleitermaterialien und vieles mehr.

Öffentlicher Abendvortrag

Die Chemiker und Physiker öffnen ihre Tagung am Abend des 24. März (19:15 Uhr, Zsigmondy-Hörsaal MN28) für die Allgemeinheit. Professor Dr. Lothar Dunsch, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, trägt vor zum Thema "Farbiger Kohlenstoff - Zur Geschichte der Fullerene".

Die seit 1985 intensiv betriebene Fullerenforschung hat ihre Wurzeln in der Clusterforschung, die mit Michael Faraday Mitte des 19. Jahrhunderts begann und die die Fullerenforschung zehn Jahre lang prägte. Fullerene, entdeckt bei der Erforschung interstellarer Materie, befördert durch die Tunnelmikroskopie und im Mittelpunkt des Interesses durch die präparativen Arbeiten von Krätschmer und Huffman 1990, werden von Chemikern und Physikern in ihren Eigenschaften und Möglichkeiten gemeinsam untersucht. Es wurde um diese Nanostrukturen stiller, als Mitte der 1990er Jahre die Nanoröhrchen in den Fokus rückten. So wird abschließend die Frage gestellt, wo die Fullerenforschung heute steht.

Paul-Bunge-Preis

"Noch nie hat es auf diesem Gebiet ein so innovatives, philosophisch reflektiertes und konsequent auf die zeitgenössische Forschungspraxis und Methodendiskussion bezogenes Werk gegeben, dessen Grundfrage von höchster Aktualität ist: Was macht instrumentell erzeugte Bilder in der Wissenschaft verlässlich und glaubwürdig?" So äußerte sich GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen über die Buchveröffentlichung "The Microscope and the Eye: A History of Reflection, 1740 - 1870"; für die Professor Dr. Jutta Schickore vom Department of History and Philosophy of Science der Indiana University in Bloomington am 26. März anlässlich der Tagung "Geschichte der Materialforschung" den Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung erhält. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis wird von der GDCh und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gemeinsam für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente verliehen.

Jutta Schickore hat in Hamburg Philosophie studiert und sich dort bereits während der Promotion zum Thema "Ansichtssachen" Gedanken über die Beobachtung gemacht. Am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin folgte ein Forschungsprojekt über die mikroskopische Anatomie der Retina. Zwischen 1999 und 2004 beschäftigte sich Jutta Schickore am MIT in Cambridge, Massachusetts, und an der University of Cambridge, UK, mit der Mikroskopie im 19. Jahrhundert. Seit 2004 ist sie Professorin in Bloomington und befasst sich dort mit den historischen und philosophischen Aspekten der Mikroskopie, des Auges und des Sehens sowie mit dem Problem wissenschaftlicher Irrtümer. Und so lautet ihr Vortrag in Göttingen: "Vertrackte Probeobjekte: Mikroskop-Prüfungen im 19. Jahrhundert und ihre Grenzen".

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Die Hans-R.-Jenemann-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente zu fördern und diesem Arbeitsgebiet größere Sichtbarkeit zu verleihen. Von Hans R. Jenemann, dem 1996 verstorbenen Chemiker, Instrumentenhistoriker und Sammler chemischer Analysenwaagen, ins Leben gerufen, zeichnet die Stiftung seit 1993 herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente mit dem international ausgeschriebenen Paul-Bunge-Preis aus, der angesehensten und höchstdotierten Auszeichnung auf diesem Gebiet. Der Name des Preises erinnert an den bedeutendsten Konstrukteur chemischer Analysenwaagen im 19. Jahrhundert.

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