DFG-geförderte Forschergruppe untersucht Materialien der Zukunft

Wissenschaftler der Universität Göttingen und der TU Clausthal erforschen sogenannte Perowskite

(PresseBox) (Göttingen, ) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sechs neue Forschergruppen eingerichtet, in denen Wissenschaftler orts- und fächerübergreifend kooperieren. An einem Team, das bis 2012 mit 2,4 Millionen Euro gefördert wird, sind auch Forscher der Universität Göttingen und der Technischen Universität Clausthal beteiligt. Die Wissenschaftler untersuchen, wie sich korrelierte Festkörper mithilfe von Computerberechnungen optimal analysieren lassen. "Materialien mit korrelierten, also wechselwirkenden Elektronen, spielen beispielsweise bei dem Bau von Sensoren und Schaltern und bei der Entwicklung neuartiger elektronischer Bauelemente eine große Rolle", erläutern Prof. Dr. Thomas Pruschke von der Universität Göttingen und Prof. Dr. Peter Blöchl von der TU Clausthal.

Computerchips haben unser Leben in den letzten 50 Jahren elementar verändert. Grundlage war das Mooresche Gesetz, nach dem sich die Komplexität (Anzahl der Schaltkreiskomponenten) von Computerchips bei gleichen Kosten alle ein bis zwei Jahre verdoppelt. Inzwischen stößt diese Nanotechnologie allerdings an ihre Grenzen. Um die Entwicklung dennoch fortzusetzen, formiert sich die Industrie neuerdings unter dem Motto: "More than Moore", also "Weiter als Moores Gesetz". Anstatt dieselben Bauelemente immer weiter zu verkleinern, sollen vollständig neue Funktionen auf einem Chip bereitgestellt werden.

Dazu bietet sich eine ganz neue Klasse von Materialien an, die sogenannten Perowskite. Viele der außergewöhnlichen Eigenschaften der Perowskite, zu denen zum Beispiel auch die Hochtemperatursupraleitung gehört, basieren auf stark korrelierten Elektronen. "Solche Elektronen agieren nicht mehr als unabhängige Individuen, sondern vereinen sich in einem komplex choreographierten Tanz", erklärt Prof. Blöchl. Deshalb ist es äußert schwierig, die Eigenschaften stark korrelierter Materialien zu prognostizieren. Selbst ausgeklügelte Simulationsverfahren kommen dabei an ihre Grenzen. "Die Komplexität der Materialien und der physikalischen Eigenschaften erfordert eine enge Verzahnung verschiedener rechnergestützter Disziplinen der modernen Festkörperphysik", erläutert Prof. Pruschke.

Aus diesem Grund hat sich eine Gruppe von Physikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengefunden, um die physikalischen Grundlagen besser zu verstehen, die mathematischen Algorithmen weiterzuentwickeln und sie für die Simulation stark korrelierter Materialien fit zu machen. Nach einem strengen Auswahlverfahren hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft aufgrund positiver Gutachten beschlossen, diese Forschergruppe - eine der größten in der Geschichte der DFG - umfangreich zu fördern. Beteiligt sind aus Niedersachsen die Theoretischen Physiker Prof. Dr. Thomas Pruschke von der Universität Göttingen und Prof. Dr. Peter Blöchl von der Technischen Universität Clausthal mit ihren Mitarbeitern. Prof. Pruschke ist ein international anerkannter Festkörperphysiker und hat unter anderem die in der Forschergruppe eingesetzten Verfahren für die Berechnung des Verhaltens korrelierter Elektronen mitentwickelt. Prof. Blöchl ist für die Erfindung der sogenannten Methode der "Projektor-Augmentierten Wellen" (PAW) für die quantenmechanische Simulation von Materialeigenschaften bekannt. Die Physiker aus Göttingen und Clausthal setzen mit diesem Projekt eine lange Tradition der wissenschaftlichen Zusammenarbeit fort.

An der neuen Forschergruppe mit dem Namen "Dynamischer Molekularfeld-Zugang mit Vorhersagekraft für stark korrelierte elektronische Materialien" beteiligen sich insgesamt 25 Wissenschaftler aus 16 Einrichtungen. Die Sprecher sind Prof. Dr. Dieter Vollhardt von der Universität Augsburg sowie Prof. Dr. Alexander Lichtenstein von der Universität Hamburg.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.