DFG-Förderung für Forschungsprojekt: "Wissenschaftskarrieren und Geschlecht"

Forschungsvorhaben an der Universität Göttingen wird mit rund 410.000 Euro unterstützt

(PresseBox) (Göttingen, ) "Wissenschaftskarrieren und Geschlecht. Fallstudien zu Frankreich - Deutschland - Österreich" heißt der Titel eines Forschungsprojekts an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Eingeworben wurde das Projekt von der Soziologin PD Dr. Ilse Costas vom Institut für Soziologie der Universität Göttingen. Im Rahmen eines "Paketantrags" von Wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird untersucht, wie sich die Konstitution von Wissenschaftskarrieren und Geschlecht durch die Umstellung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf unternehmerische Steuerungsformen seit dem Jahr 2000 verändert hat. Das Gesamtprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem österreichischen Fonds zu Förderung der wissenschaftlichen Forschung und dem Schweizerischen Nationalfonds gefördert. Dabei entfallen auf die Universität Göttingen rund 410.000 Euro.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es zu untersuchen, in welcher Weise sich durch die neuen Lenkungsformen und Steuerungsmechanismen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Karrierebedingungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verändern. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob und wie die zunächst objektiv erscheinenden Leistungskriterien neue geschlechtsspezifische Anpassungsprozesse mit sich bringen - zum Beispiel weil der intensivere Wettbewerb um Forschungszeit, Forschungsmittel und Stellen zu einer Kultur der überlangen Arbeitszeit und zu unerbittlichem Konkurrenzverhalten führen.

Dr. Ilse Costas untersucht dabei die Wissenschaftssysteme und Geschlechterarrangements in Frankreich und Deutschland im Vergleich. In Frankreich findet derzeit durch Vermarktlichungsstrategien und unternehmerische Steuerungsformen eine viel weitergehende Umstrukturierung der Forschungsbedingungen statt als in Deutschland. Bisher wurde ein großer Teil der Forschung außerhalb der Universitäten in Forschungsinstituten durchgeführt, wo Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorwiegend auf festen Stellen beschäftigt sind. Doch unter dem Druck der internationalen Ratings mit vergleichsweise schlechten Werten für die französischen Universitäten wird die Forschung nun stärker in die Universitäten integriert. Finanziert wird die Forschung auf der Basis von eingeworbenen Drittmitteln, die jeweils nur für eine relativ geringe Zeitspanne bewilligt werden. Dies entspricht dem deutschen Vorbild der zeitlich befristeten Projektförderung auf befristeten Stellen. Dr. Costas will nun untersuchen, ob der vergleichsweise hohe Anteil an Wissenschaftlerinnen in den bisherigen französischen Forschungsinstituten weiterhin gleich hoch bleibt oder ob sich neue, geschlechtsspezifische Verteilungen zu Ungunsten von Frauen etablieren und die französische Wissenschaft sich den stärker männlich geprägten Verhältnissen in Deutschland anpasst.

Dabei stellt sich die Frage, welche Bedeutung das Prinzip der fortlaufenden Befristung von Stellen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht für die Karriereentwicklung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat? Auf der Ebene der Karrierebedingungen und der Personalstruktur einerseits sowie des akademischen Arbeitsmarkts andererseits soll für die deutsche Forschungslandschaft auch untersucht werden, welche geschlechtsspezifischen Effekte die wettbewerbsverschärfende und differenzierende Maßnahme der Exzellenzinitiative hat, die anderen Ländern wie Österreich und Frankreich als Vorbild dient.

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