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20 Jahre Polymerforschung nach Maß
Fraunhofer IAP eröffnet Anwendungszentrum und feiert Jubiläum am 12. Juni 2012
Hochfeste Fasern für schnelle Autos, organische Leuchtdioden für flache Displays oder künstliche Hornhäute als Augenimplantate: Seit 20 Jahren erforscht und entwickelt das Fraunhofer IAP Polymere für verschiedenste Anwendungen. Pünktlich zum Jubiläum wurde die zweite Ausbaustufe des Instituts fertiggestellt − das »Anwendungszentrum für Innovative Polymertechnologien«. Modernste Geräte eröffnen den Golmer Wissenschaftlern neue Möglichkeiten. So können etwa organische Leuchtdioden (OLEDs) erstmals im Technikumsmaßstab, das heißt unter industrienahen Bedingungen hergestellt werden. »Das Anwendungszentrum bietet uns hervorragende Bedingungen, um Materialien und Technologien schnell von der Idee bis zur Marktreife umsetzen zu können.
« betont der Leiter des Fraunhofer IAP, Prof. Dr. Hans-Peter Fink. Die Forscher wollen außerdem neuartige Implantatmaterialien für die Augen- und Zahnheilkunde entwickeln. An diese Materialien werden äußerst hohe Ansprüche gestellt: sie müssen nicht nur biokompatibel sondern auch mechanisch und chemisch stabil sein. Auch die Wechselwirkung mit dem menschlichen Körpergewebe soll mit Hilfe von Zellkulturen intensiv untersucht werden.
Weiterhin werden in dem Anwendungszentrum biotechnologische Prozesse entwickelt, um nachwachsende Rohstoffe wie Stärke, Cellulose oder Lignin künftig effizienter nutzen zu können. Dabei sollen die Biopolymere aus Reststoffen der Agrar-und Forstwirtschaft, mit Hilfe neu entwickelter Enzymsysteme biotechnologisch gewonnen werden. Leistungsfähige, klimaneutrale und marktfähige Biokunststoffe für verschiedenste Anwendungen werden die Produkte dieser Forschungsarbeiten sein.
Die Kosten für das Anwendungszentrum in Höhe von 23,3 Millionen Euro (Bau und Erstausrüstung) werden zu 50 Prozent aus dem EU-Regionalfonds EFRE und zu jeweils 25 Prozent vom Land Brandenburg und dem Bund bestritten. Mit dem zweiten Bauabschnitt des Fraunhofer IAP wird Raum für 94 neue Arbeitsplätze geschaffen.
Zur Festveranstaltung am 12. Juni 2012 können die Gäste die neuen Labore und Technika besichtigen. Das anschließende Vortragsprogramm umfasst vielfältige Themen aus 20 Jahren erfolgreicher maßgeschneiderter Polymerforschung.
Anwendungszentrum für Innovative Polymertechnologien
Mit dem neuen Anwendungszentrum vertieft und erweitert das Fraunhofer IAP seine Kernkompetenzen in der Polymerforschung. Hier werden Prozesse zur Herstellung innovativer Materialien sowie neue Technologien vom Labor- in den Technikumsmaßstab übertragen. Die Polycarbonat-Fassade des L-förmigen Anbaus weist in besonderer Weise auf seine Nutzung zur Polymerforschung hin. Das von der Hascher und Jehle Planungsgesellschaft mbH entworfene Gebäude besteht aus einem Kopfbau mit vier Vollgeschossen und einem dreigeschossigen flachen Riegel. Genutzt werden die 2.760 m² Fläche für Büros (1050 m²) und Laborflächen (1370 m²). Besonderheiten sind hierbei ein Reinraumtechnikum (ca. 440 m²), ein biochemisches Technikum, das S1-Anforderungen erfüllt (ca. 155 m²), weitere S1- und S2-Labore sowie abgedunkelte und schwingungsentkoppelte Sonderlabore für Mikroskopie und Laseranwendungen (ca. 100 m²).
Über Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung
Das Fraunhofer IAP in Potsdam-Golm ist spezialisiert auf Forschung und Entwicklung für das gesamte Spektrum der Polymeranwendungen.
Es unterstützt Unternehmen und Partner bei der maßgeschneiderten Entwicklung und Optimierung von innovativen und nachhaltigen Materialien, Prozesshilfsmitteln und Verfahren. Neben der umweltschonenden, wirtschaftlichen Herstellung und Verarbeitung von Polymeren im Labor- und Pilotanlagenmaßstab bietet das Institut auch die Charakterisierung von Polymeren an.
Synthetische Polymere auf Erdölbasis stehen ebenso im Fokus der Arbeiten wie Biopolymere und biobasierte Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Anwendungsfelder sind vielfältig: Sie reichen von Biotechnologie, Medizin, Pharmazie und Kosmetik über Elektronik und Optik bis hin zu Anwendungen in Verpackungs-, Umwelt- und Abwassertechnik oder der Automobil-, Papier-, Bau-, und Lackindustrie.
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