Die Polizei als Hightech-Organisation?

Akzeptanzforschung auf dem Polizeirevier

(PresseBox) (Sankt Augustin, ) Von der Polizei wird erwartet, dass sie immer auf dem neuesten Stand ist. Dies bezieht sich gleichermaßen auf neue Kriminalitätsformen wie auf technische Neuerungen. Die damit einhergehenden Veränderungsprozesse sind jedoch oft schwer zu managen. Das EU-Forschungsprojekt COMPOSITE untersucht daher unter anderem, ob und welche organisatorischen und kulturellen Aspekte Einfluss auf Veränderungsprozesse in Polizeiorganisationen haben. Betrachtet werden die Polizeien von zehn europäischen Staaten.

Die Veränderungsprozesse in den Organisationen der Polizei haben inzwischen einen Umfang und eine Dichte erreicht, die nach Aussage vieler Polizeibeamter ein besorgniserregendes Maß erreicht haben. Neue Kriminalitätsformen (islamistischer Terrorismus, Organisierte Kriminalität, Internetkriminalität etc.), eine weitere Verschärfung bestehender Deliktsformen (Jugend- und Gewaltkriminalität, Körperverletzungsdelikte, Kinderpornografie etc.), der immer dichter werdenden Straßenverkehr sowie offene Grenzen und die damit verursachten Herausforderungen zwingen die Polizei, neue Strategien zu entwickeln, neue Technologien einzusetzen und die vorhandenen Ressourcen effektiver und effizienter einzusetzen. Die Polizei muss aber auch auf technische Neuerungen reagieren, etwa auf den Ausbau desInternets, die Einführung des Digitalfunks, die Entwicklungen in der DNA-Analyse, der Videoüberwachung, der automatisierten Datenabfrage und dergleichen mehr.

Hinzu kommen institutionelle Entwicklungen wie die zunehmende internationale Verflechtung, Entwicklungen auf politischem, rechtlichem und gesellschaftlichem Gebiet, demografische Veränderungen und nicht zuletzt auch Haushaltszwänge. Alle diese Faktoren wirken als Auslöser für Veränderungsprozesse in der Polizei und setzen die Organisation unter teilweise erheblichen Reformdruck.

Dabei fällt auf, dass einige Veränderungsprozesse vergleichsweise reibungslos umgesetzt werden, während andere auf unerwartete Schwierigkeiten stoßen. Auffallend ist dies unter anderem auch bei der Einführung technischer Neuerungen, da diese mitunter sehr nachhaltig in fest etablierte Arbeitsprozesse und Praktiken eingreifen und die Art und Weise verändern, wie in der Polizei gearbeitet oder wie die Polizei den Bürgerinnen und Bürgern gegenübertritt. Beispiele hierfür sind die computergestützte Vorgangsbearbeitung, der computerisierte Funkstreifenwagen, die automatisierte Kennzeichenerkennung, die IT-gestützte erkennungsdienstliche Behandlung oder Spurendokumentation, IT-gestützte Fallbearbeitung und -auswertung sowie die Einführung von Satellitenortungssystemen oder digitalen Funksystemen. Typisch sind auch Widerstände bei älteren Beamtinnen und Beamten, die sich bei der Einführung neuer IKT-Systeme oder Softwareprogramme mitunter recht schwer tun und ihre Unsicherheit dadurch kaschieren, dass sie die mit der neuen Technologie verbundenen Ziele und Arbeitsprozesse insgesamt ablehnen.

Polizeien weisen stärker als die meisten Organisationen eine sehr ausgeprägte organisationskulturelle Prägung auf. Werden im Zuge eines Veränderungsprojekts diese organisationskulturellen Selbstverständlichkeiten missachtet, entstehen Unverständnis oder Ablehnung. COMPOSITE soll herausfinden, welche organisatorischen und kulturellen Aspekte die Erfolgswahrscheinlichkeit von Veränderungsprozessen in den Polizeiorganisationen beeinflussen. Dabei werden auch die jeweiligen Kommunikationsstrukturen und praktiken, technologische Trends, zentrale organisationskulturelle Variablen sowie die vorherrschenden Führungsphilosophien der Polizeibehörden mit einbezogen.

"Die genannten Phänomene finden sich in nahezu allen Polizeien Europas, allerdings in jeweils unterschiedlicher Ausprägung und mit unterschiedlichen Schwerpunkten", so Dr. Jochen Christe-Zeyse, Vizepräsident der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Christe-Zeyse leitet das deutsche Teilprojekt von COMPOSITE (Comparative Police Studies in the EU), einem der größten sozialwissenschaftlichen Projekte, das im Bereich Security von der Europäischen Union gefördert wird. Es untersucht die Polizeiorganisationen von zehn europäischen Staaten, nämlich Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Mazedonien, den Niederlanden, Rumänien, Spanien und der Tschechischen Republik. Koordiniert wird das Gesamtprojekt von der Erasmus Universität Rotterdam.

"Wir untersuchen, wie Informations- und Kommunikationstechnologien in den Polizeiorganisationen zum Einsatz kommen", beschreibt Sebastian Denef die Teilaufgabe des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT. "Dazu führen wir in allen zehn beteiligten Ländern Experteninterviews mit den Behörden durch." Als Ergebnis will Denef bereits im ersten Quartal 2011 eine Technologietrendstudie vorlegen, die später durch Workshops mit Polizeiexperten zu Erarbeitung von Best Practices beitragen soll.

Weitere Informationen: www.composite-project.eu

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