Keimzentren - Evolutionsmaschinen des Immunsystems

Internationale Spitzenforscher tagen in Frankfurt

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) Viele Millionen unterschiedlichster Krankheitserreger bedrohen die Gesundheit des Menschen: Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und andere bösartige Organismen. Das Immunsystem des Körpers aber findet in wenigen Stunden eine spezielle Waffe gegen jeden einzelnen von ihnen, sobald er nur versucht, in unseren Körper einzudringen. Eine der wirksamsten Waffen des Immunsystems sind Antikörper - hocheffizient und spezifisch auf einen einzelnen Angreifer geprägt. Doch wie schafft es der Organismus, so schnell genau passende Antikörper zu entwickeln und damit seine Unversehrtheit zu verteidigen? Dies ist Gegenstand einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz von Spitzenforschern, die in der kommenden Woche in Frankfurt stattfindet.

Die 16. Internationale Germinal Centre Conference, zu der rund 300 herausragende Immunologen nach Frankfurt kommen, befasst sich mit winzigen Follikeln innerhalb der Lymphknoten: Hier entwickeln sich die Keimzentren, in denen die sogenannten B-Zellen des Immunsystems, weiße Blutkörperchen, ihren Antikörper verändern, bis sie hochspezifische, auf ihren Feind geprägte Antikörper produzieren. Unter dem Mikroskop lassen sich die Zellen in Keimzentren beobachten, wie sie in den Lymphknoten nach dem Kontakt mit einem für den Organismus bisher unbekannten Antigen suchen. Nur die effektivsten B-Zellen überleben diesen Selektionsprozess.

Doch was sich in ihnen abspielt, ist von der Forschung nicht hinreichend verstanden, um sich diese Optimierungsmaschine in der Medizin zunutze machen zu können. Mit neuesten Techniken können zwar die Bewegungen in den Keimzentren beobachtet werden, wozu sie jedoch dienen, konnte erst mit Hilfe der Mathematik entschlüsselt werden. Der Immunologe Prof. Michael Meyer-Hermann vom Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) zeigte mit Hilfe mathematischer Analysen, dass die Keimzentren winzige und äußerst schnelle Evolutionsmaschinen sind, in denen im Zeitraffer - wie bei der Jahrmillionen dauernden Evolution der Lebewesen - die Antikörper durch Veränderung und Selektion entstehen.

Prof. Meyer-Hermann ist einer der Organisatoren der 16. Germinal Centre Conference. Die großen Chancen, die theoretische Modelle für die Immunologie bieten, sind eines der Konferenzthemen. Im Mittelpunkt stehen die Konsequenzen der Keimzentrenforschung für die Medizin, beispielsweise für Auto-Immunkrankheiten, wenn das fehlgesteuerte Immunsystem nicht äußere Feinde abwehrt, sondern gegen den eigenen Körper aktiv wird. Ein weiteres großes Thema ist das Zusammenspiel des Immunsystems mit dem Gehirn und dem Hormonsystem des Körpers. Forschungsergebnisse in diesem Bereich eröffnen nach Ansicht der Wissenschaftler weitreichende Perspektiven für die Entwicklung neuer Medikamente, mit denen die Abwehrkräfte gestärkt werden können. Dafür haben sich die Immunologen auch mit der Forschungsvereinigung GEBIN (German-Endocrine-Brain-Network) zusammengetan, deren Tagung unmittelbar an die internationale Konferenz anschließt. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, sowohl mit Mathematikern und Theoretikern, als auch mit Neurologen und Endokrinologen hoffen die Keimzentrumsforscher, völlig neue Wege für die Erforschung des Immunsystems zu erschließen und seine Funktion besser zu verstehen.

Die Internationale Keimzentrenkonferenz (GCC - Germinal Centre Conference) vereint seit 30 Jahren alle zwei Jahre in einer anderen Stadt führende Immunologen aus aller Welt, um jüngste Forschungsergebnisse zu diskutieren und in die eigene Arbeit mit einzubeziehen. Ziel ist es, verbesserte Möglichkeiten für medizinische Anwendungen zu schaffen. Die Tagung findet zum ersten Mal in Frankfurt statt, zum ersten Mal stehen auch der Einfluss von mathematischen Methoden in der Immunologie und das Zusammenwirken von Nerven-, Hormon- und Immunsystem im Zentrum des Programms.

Weitere Informationen im Internet: www.gcc16.org

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