Dr. Hartmut Fetzer: "Die Schallplatte überlebt die CD"

Der ausscheidende Vorstand der Ferrari electronic AG über sein Unternehmer-Leben in der deutschen IT-Industrie

(PresseBox) (Berlin/Teltow, ) Er wollte eigentlich Lehrer werden, studierte dann Elektrotechnik und wurde einer der Pioniere der deutschen IT-Wirtschaft - zuständig unter anderem für numerisch gesteuerte Produktion und Kassensysteme bei Nixdorf: Nach 46 Jahren in der IT-Industrie hat sich Dr. Hartmut Fetzer, früherer Vorstand der Nixdorf AG und zuletzt Vorstand der Ferrari electronic AG, zum Jahreswechsel aus dem Tagesgeschäft verabschiedet. In einem ausführlichen Interview auf dem Ferrari electronic Blog schaut er zurück auf seine Karriere.

Als einer, der noch große Stapel Lochkarten in alte Zuse- und IBM-Maschinen geschoben hat, ist der Berliner ein intimer Kenner der IT-Szene seit den sechziger Jahren. Bill Gates traf er mehrmals, als dieser noch persönlich für seine Software werben musste. Heinz Nixdorf, den er als "nach innen sehr dominant" beschreibt, hat den Entwickler früh entdeckt, dann gefördert und schließlich auch in sein Unternehmen geholt. Die Aufgabe: Computer in technischen Anwendungen und in der Produktion zum Einsatz zu bringen. Bis dahin hatten Nixdorf-Maschinen vor allem das Rechnungswesen unterstützt, Kundendaten verwaltet oder Lieferscheine gedruckt.

Mittlere Datentechnik - ein gescheiterter Sonderweg

Nixdorf und fast alle anderen frühen deutschen IT-Unternehmen schlugen damals den Weg der mittleren Datentechnik ein. Das heißt, sie boten Komplettlösungen aus Hard- und Software, die in der Größe und Datenkapazität unterhalb von Großrechnern aber oberhalb der späteren PCs lagen. Dies, so Fetzer, sei ein deutscher Sonderweg gewesen, dessen Scheitern sich im Verschwinden fast aller damit befassten Marken niedergeschlagen habe.

Laut Fetzer mangelte es an internationaler Vermarktung der deutschen Produkte, und schließlich trocknete der Siegeszug des PCs den Markt aus: "Plötzlich war Compaq der Angreifer", erinnert sich Fetzer, "das war nicht mehr aufzuhalten." Doch, so viel Humor muss sein: "Wenn man nachrechnet, ist das Unternehmen Compaq an Jahren nicht so alt geworden wie das Unternehmen Nixdorf." IBM und HP hießen die Überlebenden dieser Zeit.

Robotron: Ein Unternehmen in Auflösung

Das Unternehmen Nixdorf dagegen ging in Siemens auf; den Fusionsprozess im Jahr 1990 hat Fetzer noch mitgestaltet. Danach machte er, "was Manager in dieser Situation immer tun: Sie werden Berater." So war er mehrere Jahre für die Treuhandanstalt im Umfeld der DDR-Computerfirma Robotron tätig. Eine schwierige Mission, denn der Vertrieb habe sich sofort aus dem Staub gemacht, um mit West-Produkten einen besseren Schnitt zu machen. Mit einer Konzentration auf Marktnischen an der Schnittstelle von Telekommunikation und Informationstechnologie half er, Teilbereiche des zerfallenen Kombinats zu stabilisieren. Über eine Entwicklungspartnerschaft für die erste in Deutschland zugelassene Klein-ISDN-Telefonanlage kam er mit Ferrari electronic in Berührung, wo er sich beteiligte und bald die Geschäftsführung übernahm.

Alte Technologien bestehen als Marktnischen fort

Seither verfolgte er eine pragmatische, mittelständisch geprägte Produktpolitik: Eine seiner wichtigsten Erfahrungen besteht darin, dass sich vermeintlich veraltete Technologien in Goldgruben verwandeln können - zum Beispiel Nadeldrucker: Wegen fallender Preise seien die meisten Firmen aus dem Geschäft ausgestiegen. Tintenstrahl und Laser haben die Nadeln abgelöst. Aber: Manche Firmen brauchen Nadeldrucker nach wie vor für ihre Lieferscheine. Heute gebe es nur noch ganz wenige Firmen, die Nadeldrucker herstellen und die "verdienen sich eine goldene Nase" - wenngleich in einer Nische. Auch die Schallplatte werde die CD überleben, weil es Connaisseure gebe, die den analogen Klang schätzten. Und so sei es auch mit dem Thema, das die Umsätze der Ferrari electronic AG prägt: "Mit Fax haben wir im Jahr 2010 zweiundzwanzig Prozent Wachstum erwirtschaftet, 2011 um die zehn Prozent."

Sein Nachfolger, Stephan Leschke, ist bereits seit drei Monaten eingearbeitet. Und was plant Fetzer nun? "Was Manager in dieser Situation immer tun!" Er hat einen Beratervertrag bei Ferrari electronic unterschrieben. "Aber das mache ich nicht lange", lacht der Manager, der kürzlich seinen 72. Geburtstag feierte. "Dann werde ich wieder Unternehmer."

Ausführliches Interview auf ferrari-electronic.de

Das Gespräch mit Hartmut Fetzer über sein Unternehmerleben in der deutschen IT-Industrie erscheint ab heute in fünf Teilen auf dem Ferrari electronic Blog (http://blog.ferrari-electronic.de). Er spricht darin über seinen Weg von der Starkstromtechnik zu Unified Communications, seine Entwicklung vom Wissenschaftler zum mittelständischen Unternehmer und über Produktstrategien in großen und kleinen Unternehmen. Im ersten Teil beschreibt er seine frühe Arbeit an Großrechnern und die Entstehung des Nixdorf Entwicklungszentrums Berlin.

Ferrari electronic AG

Ferrari electronic ist ein führender deutscher Hersteller von Hard- und Software für Unified Communications. Die Produktfamilie OfficeMaster integriert Fax, SMS und Voicemail in alle bekannten E-Mail- und Anwendungssysteme. Die Hardware verbindet die Telekommunikationsinfrastrukturen von Unternehmen nahtlos mit der vorhandenen Informationstechnologie. Kunden erreichen dadurch eine höhere Effizienz und schlankere Geschäftsprozesse.

Forschung, Entwicklung und Support der Ferrari electronic AG sind vollständig am Firmensitz in Teltow bei Berlin angesiedelt. Als Pionier für Computerfax hat sich Ferrari electronic seit 1989 einen Namen gemacht und ist bis heute in diesem Bereich Markt- und Technologieführer. Mittlerweile nutzen mehr als 20.000 Unternehmen mit 2,5 Millionen Anwendern Unified-Communications-Produkte von Ferrari electronic. Der Kundenstamm besteht aus Organisationen aller Branchen und Größenordnungen. Zu den namhaftesten gehören AIDA Cruises, Air Berlin, Allianz Suisse, Griesson - de Beukelaer, Messe München, Stadthalle Wien, Techniker Krankenkasse und TU Chemnitz.

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