Energiewende mit Biogas schaffen

(PresseBox) (Berlin, ) .

- Biogasbranche kann wesentlichen Beitrag zur Energiewende liefern

- Fachverband Biogas kritisiert halbherziges Vorgehen der Politik

Mit 2011 geht ein aus energiepolitischer Sicht sehr turbulentes Jahr zu Ende. Die unter dem Eindruck der schrecklichen Reaktorkatastrophe von Fukushima beschlossene und notwendige Energiewende hatte auch für die Biogasbranche Auswirkungen: die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde unter hohem Zeitdruck innerhalb weniger Wochen vollzogen und wird zum 1. Januar 2012 in Kraft treten. Paradoxerweise werden die Änderungen im EEG in allen Sparten der Erneuerbaren Energien zu einer Reduzierung des Anlagenzubaus führen. Für den Biogasbereich bedeutet dies, dass im mittleren Anlagensegment kaum noch Projekte realisierbar sind. Im kleinen Leistungsbereich bis 75 Kilowatt (kW) wird ein Markt entstehen, wenn es gelingt, bei ständig steigenden Auflagen und Hürden die Güllevergärung für 25 Cent pro Kilowattstunde wirtschaftlich darzustellen. Bei großen Biogasanlagen wird das künftige Geschäft voraussichtlich stark auf Gaseinspeiseanlagen hinauslaufen. "Von einem beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien kann also nicht die Rede sein", stellt Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas fest. In der Praxis werde mit dem EEG 2012 das Gegenteil eintreten.

Eines der wichtigsten Themen, die Netz- und Systemintegration der Erneuerbaren Energien (EE) unter Berücksichtigung der Speicherfragen, ist aus Sicht des Fachverbandes Biogas e.V. im EEG 2012 nur sehr unzureichend berücksichtigt worden. "Bereits zur ersten EEG-Novelle im Jahr 2004 hat der Fachverband Biogas Vorschläge für die bedarfsgerechte Einspeisung von Strom aus Biogasanlagen unterbreitet. Leider ist nun - trotz der neuen Herausforderungen im Energiesystem - auch mit der dritten EEG-Novellierung kein Anreiz im Gesetz implementiert worden, der die ausgleichenden Funktionen des speicherbaren Biogases in der Praxis voranbringen würde", kritisiert Pellmeyer. Und dies, obwohl Strom aus Biogas ein erhebliches Potenzial zum Ausgleich extremer Netzsituationen aufweise. "Wir fordern die Bundesregierung auf, über die Verordnungsermächtigung in § 64 f Nr. 2 des EEG 2012 schnell eine praxistaugliche Regelung zur bedarfsgerechten Stromeinspeisung aus bestehenden und neuen Biogasanlagen vorzulegen", so Pellmeyer.

Bei der bedarfsgerechten Stromeinspeisung spielt das Erdgasnetz als riesiger und derzeit einziger verfügbarer Langzeitspeicher für Erneuerbare Energie eine zentrale Rolle. Über das Erdgasnetz sind viele Fragen des mit der Energiewende einhergehenden Speicherbedarfs kurzbis mittelfristig zu beantworten. Neben der Speicherung von Windstrom über die Einspeisung von erneuerbarem Wasserstoff (power to gas), ist das Erdgasnetz hervorragend geeignet, das auf Biomethan und damit auf Erdgasqualität aufbereitete Biogas zu speichern. So sind auch saisonale Schwankungen der Stromeinspeisung aus Solar- und Windkraftanlagen mit Hilfe des Erdgasnetzes zu überbrücken. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich ein Scheitern des NorGer Nordsee-Übertragungsstromkabels zwischen Norwegen und Deutschland abzeichnet, ist es an der Zeit, den Speicher "Erdgasnetz" für die Erneuerbaren Energien nutzbar zu machen.

"Deshalb hat der Fachverband Biogas mit wichtigen Mitgliedsunternehmen das Konzept eines Erneuerbaren Gas Einspeise- und Speichergesetzes (EEGasG) ausarbeiten lassen", erläutert Pellmeyer. Mit seiner Hilfe könnten schnell größere Mengen erneuerbarer Gase und somit Erneuerbarer Energie über das Gasnetz transportiert und gespeichert werden. "Während unserer Biogasjahrestagung vom 10. bis 12. Januar 2012 in Bremen wird das Thema Gasnetz als Speicher und seine Aktivierung für den Umbau des Energieversorgungssystems ein wichtiges Thema sein", kündigt der Verbandspräsident an. "Mit dem EEGasG als Baustein der Energiewende bietet Biogas hervorragende Perspektiven, die Energiewende auch tatsächlich zu schaffen", ist Josef Pellmeyer überzeugt.

Die im EEG 2012 neu eingeführte Marktprämie wird dagegen nicht zu einer nennenswerten Netzintegration der EE führen, da die Differenz der Börsenpreise zwischen Hochtarif- und Niedertarifzeiten in Höhe von ca. 0,6 Cent pro Kilowattstunde keinen wirtschaftlichen Anreiz zur zeitlichen Strommengenverlagerung darstellt. Darüber hinaus verdient die Marktprämie ihren Namen nicht, da sie zu hohen Mitnahmeeffekten führen wird, ohne ein Plus an "Marktnähe". "Je größer der Anteil Erneuerbarer Energien im Stromnetz wird, desto drängender wird auch die Frage nach einer Neuausrichtung des Strommarktdesigns", betont Pellmeyer. "Wenn die starke Einspeisung von Strom aus EE den Strompreis an der Börse senkt, darf diese Preisdämpfung nicht automatisch durch höhere EEG-Umlagekosten zunichte gemacht werden." Hierfür müsse zeitnah eine Lösung gefunden werden.

Auf große Irritation und Verunsicherung innerhalb der EE-Branche ist das Anzweifeln der eigenen Beschlüsse zur EEG-Novelle 2012 durch einige CDU/CSU- und FDP-Abgeordnete gestoßen. Ein Gesetz in Frage zu stellen, bevor es in Kraft getreten ist, stellt keine verlässliche Wirtschaftspolitik dar. Mit einer parallel und nicht ehrlich geführten Kostendebatte im Zusammenhang mit dem EEG wurden zusätzlich die Verbraucher verunsichert. Durch die neue Ausnahme für die Industrie wird die Strommenge, auf die die Kosten des EEG verteilt werden kann, nochmals deutlich reduziert, so dass für nicht befreite Stromverbraucher die EEG-Umlage steigt. "Es ist in Ordnung, wenn die Politik entscheidet, bestimmte Firmen von den EEG-Kosten zu befreien. Dann müssen Politiker aber auch transparent darlegen, wie stark die EEG-Umlage für alle übrigen Stromkunden dadurch steigen wird. Dass die Energiewende etwas kostet, dürfte allen klar sein, nur müssen die Politiker alle Bürgerinnen und Bürger auf diese Reise mitnehmen", fordert Josef Pellmeyer. Schon sehr bald werde sich der Umstieg auf Erneuerbare Energien doppelt und dreifach auszahlen. Daher sei er auch zuversichtlich, was den weiteren Ausbau der Biogasproduktion in den nächsten Jahren angehe. Mit Biogas sei die Energiewende schließlich wesentlich schneller und günstiger realisierbar als ohne.

Fachverband Biogas e.V.

Der Fachverband Biogas e.V. ist mit rund 4.600 Mitgliedern Europas größte Interessenvertretung der Biogas-Branche. Er vertritt bundesweit Hersteller, Anlagenbauer und landwirtschaftliche wie industrielle Biogasanlagenbetreiber. Die Biogas-Branche hat inzwischen über 40.000 Arbeitsplätze zumeist in ländlichen Regionen geschaffen.

www.biogas.org

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