Raumfahrttechnik trägt zur Rettung der vatikanischen Bücher bei

(PresseBox) (Paris, ) Alte Bücher aus der vatikanischen Bibliothek werden für zukünftige Generationen digitalisiert. Dabei bedient man sich einer Technik, die von der ESA zur Speicherung von Weltraumfotos entwickelt wurde.

Die Bibliothek musste eine Möglichkeit finden, die empfindlichen alten Manuskripte einzuscannen und die Dateien so zu speichern, dass sie in Hunderten von Jahren immer noch gelesen werden können. Die Lösung war das spezielle Dateiformat, das von der ESA für die meisten ihrer Wissenschaftssatelliten genutzt wird.

In den 1970er-Jahren entwickelten Wissenschaftler der ESA und der NASA das Flexible Image Transport System Format (FITS), einen Abkömmling der Radioastronomie. FITS wird heute zur Speicherung von Daten vieler Weltraummissionen genutzt.

"In dieses Format passen alle Daten, die man in der Astronomie verwenden kann", sagt Pedro Osuna, Leiter des ESA-Forschungsarchivs.

Deshalb war das Format die erste Wahl bei der Speicherung der riesigen Datenmengen fast aller ESA-Astronomie-Missionen. Beispielsweise die bahnbrechenden Weltraumteleskope Herschel, Integral, XMM-Newton und SOHO nutzen es.

Im digitalen Zeitalter ist die Suche nach einem Speicherformat für die Ewigkeit eine Herausforderung für Forscher, Archivare und Bibliothekare weltweit. Die Antwort heißt FITS.

"Wenn Sie ein Tool haben, daß FITS heute lesen kann, dann können Sie FITS-Dateien von vor 20 Jahren lesen", so Osuna. "Es ist immer rückwärts kompatibel."

Historische Bücher für zukünftige Generationen

Das Format, das zur Speicherung von Weltraumfotos entwickelt wurde, wird nun für einen völlig anderen Zweck angepasst: den Erhalt einer der größten Sammlungen historischer Bücher.

"Die meisten Missionen wie das Hubble Space Telescope verwenden FITS zur Speicherung und Bearbeitung wissenschaftlicher Daten", sagt Giuseppe Di Persio vom italienischen Institut für Astrophysik.

Dr. Di Persio arbeitet derzeit mit der Vatikanischen Bibliothek in Rom an einem Pilotprojekt, in dem Teile der riesigen Sammlung gescannt und im FITS-Format abgespeichert werden, um sie so zukünftigen Generationen zugänglich zu machen.

FITS kann immer gelesen werden, ohne dass man die Datei in ein anderes Format konvertieren muss, was dazu führen kann, dass Informationen verloren gehen oder die Datei mit künftigen Systemen inkompatibel ist.

Wie Dr. Di Persio sagt: "Einmal FITS, immer FITS."

Die Vatikanische Bibliothek, gegründet 1475 und eine der ältesten Bibliotheken der Welt, besitzt zehntausende Manuskripte und Kodexe aus der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks - manche sind 1800 Jahre alt.

Die Inhalte werden nicht nur besser zugänglich gemacht, die Digitalisierung trägt auch zum Erhalt der Originale bei.

"Jedes Mal, wenn sie berührt werden, ist das für die Manuskripte gefährlich", sagt Luciano Ammenti, Projektleiter und Direktor des Zentrums für Informationstechnik im Vatikan.

Die Entscheidung für FITS fiel aufgrund seiner Langlebigkeit und weil es Open Source und damit nicht von einem Unternehmen abhängig ist.

Das Format eignet sich auch aus anderem Grund für die fragilen, uralten Schriften in der Sammlung des Vatikans: Presst man die alten Seiten auf eine Glasplatte, können sie sich deformieren. Eine für das Projekt entwickelte Scanner-Software errechnet jedoch automatisch die verschiedenen Winkel und erzeugt so ein akkurates, flaches Bild.

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