Kongress setzt Maßstäbe

Coaching aktuell: Professionalisierung in Portugal - von Dr. Ludger Brüning, Vice-President ECA

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Wichtige Impulse für die Professionalisierung des Coachings in Portugal und darüber hinaus in der portugiesisch sprechenden Welt gingen vom 1. Congresso Internacional de Coaching e PNL, dem ersten Internationalen Kongress für Coaching und NLP aus, der vom 20. bis 21. Februar in Lissabon stattfand. Der Kongress wurde vom Portugiesischen Berufsverband für Coaching und NLP "aprocep", der Associacao Profissional Portuguesa de Coaching e PNL, veranstaltet und von ECA, INLPTA, DVNLP, EANLP, IN, ICI und NZANLP unterstützt.

Erwartungen weit übertroffen

International renommierte Referenten wie Bert Feustel, Richard Bolstad oder Ralf Giesen hielten Vorträge und veranstalteten Workshops. Themenschwerpunkte waren neben Berufs-Ethik und Ausbildungsstandards, Business-Anwendungen und die Arbeit Peter Druckers, Krisen- und Konflikt-Coaching, Ressourcenarbeit, Hypnose und The Work of Byron Katie. Die Erwartungen der Teilnehmer aus Portugal, Spanien, Belgien, Angola, Mosambique und Brasilien wurden weit übertroffen. Das führte zu einem hervorragenden Presse-Echo mit weiteren Interview-Anfragen und dem Wunsch des staatlichen portugiesischen Fernsehens, eine Reportage über die Arbeit von aprocep zu drehen.

Junges Berufsfeld und ausufernder Sprachgebrauch

Die positive Resonanz und Berichterstattung in den Medien ist umso wichtiger, als Coaching in Portugal noch ein sehr junges Berufsfeld ist. Die portugiesische Gesellschaft ist noch stärker konservativ-traditionell geprägt als in mitteleuropäischen Staaten; Familie, Kirche und persönliche Beziehungen sind wichtige Orientierungspunkte und prägen Wertehorizont und Verhaltens-Codex der Bevölkerung. Eingehendere Vorstellungen, von dem, was Coaching und insbesondere professionelles, seriöses Coaching sein könnte, entwickeln sich erst. Selbst die Begrifflichkeit ist zum Teil diffus. Coaching kann alles bezeichnen, wo sich zwei Menschen über ein Thema unterhalten, vom Coaching im engeren Sinn über Consulting bis hin zum "Einrichtungs-Coaching", wie einer Anzeige in der Tagespresse zu entnehmen war. Der Begriff "Coaching"scheint für viele ein Synonym für 'Beratungsgespräch' zu sein, womit dann auch der Dekorateur oder Innenarchitekt zum Zuge kommt.

Wildwuchs fragwürdiger Berufsstandards

Im Gegensatz zum inflationären und wohl auch anglisierend-trendigen Sprachgebrauch ist die Zahl professioneller Business-Coaches eng begrenzt. Frank Bresser schätzte im Februar 2008 im European Coaching Survey die Gesamtzahl der Business-Coaches in Portugal auf 30. "Coaching-Ausbildungen gibt es hier erst seit circa drei Jahren," beschreibt Fridolin Kimmig, einer von zwei ECA-Vize-Präsidenten für Portugal, das Problem. "Dadurch gibt es einen großen Wildwuchs an Verbänden mit zum Teil sehr fragwürdigen Standards. Mitglied-schaften sind zum Teil kostenlos, Lizenzierungen zum Teil sehr preiswert und Vorgaben leicht zu erfüllen. Wir befinden uns hier noch in den Anfängen. Vieles ist Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit."

Hohes Niveau der Kongress-Teilnehmer

Demgegenüber bildete der Informationsgrad und das Diskussionsniveau der Kongress-Teilnehmer einen deutlichen Gegenpol. Sowohl im Anschluss an meinen Vortrag zur Ethik professioneller Coaches als auch in meinem Workshop zum Krisen-Coaching auf Executive Level ergaben sich sachkundige, engagierte Diskussionen. Einen ähnlichen Eindruck gewannen auch die anderen Referenten in ihren Veranstaltungen, so dass sich hier die Einschätzung des Bresser Reports bestätigte, der im Hinblick auf Portugal von einer "small, but strong group of coaches" spricht (S. 29). Nicht bestätigen kann ich jedoch seinen Eindruck, der "Coaching Style" in Portugal sei "predominantly directive" (S. 28). Dieser entspräche zwar dem allgemeinen Sprachgebrauch, nicht aber dem von mir wahrgenommenen Verhalten der Kongress-Besucher. Gerade ausgehend von portugiesischen Teilnehmern gab es in meinem Workshop eine eingehende Diskussion über das Rollenverhalten von Coaches und unter welchen Umständen und Vorkehrungen in welchen Situationen der Coach wie - also gegebenenfalls unter Rollentrennung - einen Rat geben dürfe. Damit setzte der Kongress auch in Kernfragen des Coachings Maßstäbe.

aprocep, ECA und EANLP

Um die Professionalisierung von NLP und Coaching weiter voranzutreiben, wurde bereits im Herbst 2008 mit der Gründung von aprocep ein portugiesischer Sonderweg beschritten. Im Gegensatz zur European Coaching Association, die gesamteuropäisch, multiprofessionell und methodenübergreifend ausgerichtet ist, ist die von Ana Karina Milheiros und Fridolin Kimmig, den ECA-Vizepräsidenten für Portugal, mitgegründete aprocep eher mit dem deutschen DVNLP vergleichbar. Sie richtet sich an ein breiteres Publikum, während ECA Portugal zunehmend von professionellen Coaches als Referenz für Qualität und Ethik gewählt wird. NLP-Ausbildungen werden laut Fridolin Kimmig in Portugal bereits seit circa sechs Jahren, also doppelt so lange wie Coaching-Ausbildungen, durchgeführt. Doch auch hier werden immer noch Schulungen mit unzureichenden Standards angeboten. Im Januar 2009 war die aprocep denn auch neben dem DVNLP und anderen Verbänden Mit-Gründerin der EANLP, des Europäischen Dachverbandes für NLP.

ECA -Kongress und weiteres qualifiziertes Wachstum

Nicht zuletzt durch das ergänzende Engagement in der aprocep hoffen die ECA-Repräsentanten in Portugal noch im laufenden Jahr den magischen Schwellenwert von 50 qualifiziert ausgebildeten und lizenzierten ECA-Mitgliedern zu überschreiten. Weitere Akzente hierzu wird ein für Mai 2009 geplanter ECA-Kongress in Portugal setzen, der an das im Februar geweckte öffentliche Interesse anknüpfen kann. Schon jetzt war die Resonanz auch über Portugal hinaus groß. Afrikanische Teilnehmer am aprocep-Kongress dachten über die Möglichkeit nach, ECA-Landesverbände in Angola oder den Kap-Verdischen-Inseln zu gründen.

Weiterführende Links:

www.frank-bresser.com/europeancoachingsurvey2008.pdf
www.aprocep.pt

Eine Foto-Dokumentation und einen Film zur bunten Vielfalt des Kongresses erstellte ECA-Beirätin und Master Art Coach Elke Dellmuth, abrufbar unter den folgenden Links http://www.youtube.com/watch?v=o_6g42HMH_0 http://picasaweb.google.com/ewonderart

Dieser Fachartikel entstand anlässlich eines Vortrags und eines Workshops, den Dr. Ludger Brüning als ECA Vice President in Vertretung für ECA President Bernhard Juchniewicz hielt.

Dr. Ludger Brüning, Vice President European Coaching Association

ECA Business und Management Coach und Consultant - studierte Geisteswissenschaften an der Universität Münster und der University of Georgia (USA). Seit 1987 ist er in der Erwachsenenbildung tätig, seit 2002 als Coach & Trainer für Fach- und Führungskräfte. Er ist systemischer, energetischer & EMDR Coach und NLP-Trainer und verfügt über zahlreiche Zusatzqualifikationen. Seine Seminare, Einzeltrainings und Coachings führt er wahlweise in Deutsch oder Englisch durch. Schwerpunkte: Interkulturelle Kompetenz (bes. USA, Kanada, Frankreich), Kommunikation, Führungsverhalten und Persönlichkeitsentwicklung. Weitere Infos zur Person unter http://www.european-coaching-association.de/view/ecaFrmShowCoach.html?q=b43c4064-6afe-4ec5-8876-c181579140ce

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