Stadtwerke-Studie von Ernst & Young: Energie-Manager sehen Chancen für Kernenergie

Skepsis gegenüber CCS-Technik für Kohlekraftwerke / Hohe Be-reitschaft zu Investitionen in regenerative Energieformen / Unter-nehmen mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden / In der Krise im Fokus: die Steigerung der unternehmerischen Effizienz

(PresseBox) (Berlin, ) Nur jeder achte Manager deutscher Stadtwerke und Regionalversorger glaubt daran, dass der Ausstieg aus der Kernenergie konsequent fortgeführt wird. Die Mehrheit erwartet eher das Gegenteil: 59 Prozent gehen davon aus, dass die Politik den Ausstieg rückgängig machen und die Laufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke verlängern wird. Und 29 Prozent sehen sogar voraus, dass die Energiewirtschaft bis zum Jahr 2020 den Bau neuer Kernkraftwerke in Angriff nehmen wird. Das sind Ergebnisse der "Stadtwerkestudie 2009 - die Zukunft der Stadtwerke" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die auf einer Befragung der Vorstände und Geschäftsführer von 100 Stadtwerken und regionalen Energieversorgern in Deutschland beruht.

Deutlich skeptischer äußern sich die Experten zur Zukunft von Kohlekraftwerken. Nur sechs Prozent von ihnen meinen, dass Kohlekraftwerke auch künftig ohne Einschränkungen gebaut werden. Jeder fünfte er-wartet, dass nur noch die bereits genehmigten Neubauten realisiert wer-den. Die große Mehrheit aber blickt auf eine technische Lösung: Drei von vier befragten Vorständen und Geschäftsführern nehmen an, dass neue Kohlekraftwerke in Deutschland nur noch gebaut werden, wenn sie mit CCS-Technik ausgerüstet oder für ihren Einsatz ausgelegt sind. CCS (Carbon Capture and Storage Technology) soll das CO2 der Kraft-werksabgase abscheiden und zur langfristigen Speicherung in tief liegende geologische Schichten pressen.

Zwiespältige Meinungen zur unterirdischen CO2-Speicherung

"In Kürze werden Demonstrationsanlagen gebaut, um diese Verfahren im großindustriellen Maßstab zu testen. Wann diese Tests erfolgreich abgeschlossen werden können, steht noch nicht fest", gibt Helmut Edelmann, Autor der Studie und Direktor Energieversorgung bei Ernst & Young, zu bedenken. "Die Entwicklung wird noch Milliarden kosten, und wie wirksam solche Systeme in ihrer Gesamtbilanz sein werden, ist zurzeit noch unbekannt. Denn noch mehr als bisherige Rauchgasreinigungs-Techniken wird CCS einen Teil der erzeugten Energie selbst verbrauchen. Denn schließlich muss das CO2 abgeschieden, unter hohem Druck verdichtet, über Fernleitungen, die noch zu bauen sind, zu den Speicherstätten transportiert und schließlich in den tiefen Untergrund verpresst werden. Die CCS-Technik ist sicherlich eine technisch mach-bare Lösung, aber es müssen noch viele Hindernisse überwunden wer-den. Auch die Frage der Wirtschaftlichkeit ist noch offen."

Auch die Stadtwerke-Manager stehen dem CCS-Verfahren zwiespältig gegenüber. Nur 43 Prozent von ihnen meinen, dass es die CO2-Emissionen deutlich reduzieren könnte, 24 Prozent glauben nicht daran. Und etwa jeder zweite hält es für möglich, dass CCS bis 2020 ausgreift sein könnte, 21 Prozent sind der gegenteiligen Ansicht. Weitgehende Einigkeit herrscht aber darüber, dass der Staat einen erheblichen Beitrag dazu leisten müsste, diese Technik nutzbar zu machen. Aber selbst, wenn die Speicherung in der Tiefe sich als Möglichkeit der CO2-Reduzierung erweisen sollte, sehen die Experten noch Hindernisse: 54 Prozent rechnen mit Widerstand aus der Bevölkerung.

"Es fällt auf, dass die Vorstände und Geschäftsführer als Insider mit erheblicher Expertise sowohl in der Kernenergiefrage als auch im Hinblick auf die praktische Umsetzung der CCS-Technik deutlich andere Meinungen vertreten als Politiker und die öffentliche Meinung", stellt Edelmann fest. "Etwas mehr Realismus in der öffentlichen Diskussion könnte auch dazu beitragen, dass die - in und nach der Krise ohnehin knappen - Ressourcen rationaler eingesetzt werden, auch zu Gunsten der Umwelt. Energiepolitische Konzepte, die mehr auf Wünschen denn auf Wissen beruhen, bergen die Gefahr in sich, an der Wirklichkeit und in der Praxis zu scheitern."

Coporate Responsibility bestimmt "grünes" Engagement

Dass es die Stadtwerke und Regionalversorger mit der Umwelt durchaus ernst meinen, zeigt ihre Bereitschaft, sich in erneuerbaren Energien zu engagieren. Immerhin geben vier von fünf Unternehmen an, dass sie über das Pflichtmaß des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hinaus in diesem Bereich aktiv sind. Fast alle von diesen Stadtwerken und Regionalversorgern vertreiben wenigstens ein Ökostromprodukt, neun von zehn offerieren Beratung in diesem Feld, und 81 Prozent betreiben oder besitzen eigene regenerative Anlagen.

80 Prozent der befragten Unternehmen wollen in Zukunft noch mehr in erneuerbare Energien investieren. Das wichtigste Motiv ist die soziale und ökologische Verantwortung, die "Corporate Responsibility". Renditeerwartungen spielen eine geringere Rolle: Nur gut ein Drittel der Befragten nennt sie als wichtigen oder sehr wichtigen Grund des Engagements.

Gerd Lützeler, Leiter des Bereichs Energieversorgung bei Ernst & Young, sieht die Beweggründe mit leichter Skepsis: "Auf lange Sicht können die Investitionen in regenerative Energien nicht als grünes Feigenblatt der Unternehmen herhalten - sie müssen sich auch rechnen. So lange das nicht der Fall ist, bleiben die Projekte Spielwiesen der Kommunalpolitik, die die Versorger sich leisten können müssen. Nur vernünftige Renditen sind langfristig ein unternehmerischer Grund, nachhaltig und in größerem Ausmaß in die Erneuerbaren zu investieren."

Stimmungstief überwunden

Noch allerdings haben die Stadtwerke und Regionalversorger in der Regel keine Probleme, ihre Umweltprojekte zu finanzieren. Insgesamt geht es ihnen nach wie vor gut - mehr als 60 Prozent der Befragten beurteilen ihre Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr als "gut" oder "sehr gut". Und die Erwartungen für 2009 deuten trotz einer gewissen Skepsis darauf hin, dass das Stimmungstief des Jahres 2007 überwunden ist. Damals hatten sich 36 Prozent der Unternehmen auf einen ausreichen-den oder mangelhaften Geschäftserfolg eingestellt, in diesem Jahr sind es nur 16 Prozent.

Dennoch blicken die Manager mit einer gewissen Spannung in die Zukunft. Denn die deutschen Versorger sehen sich unter wachsendem Wettbewerbsdruck. Nahezu jedes dritte Unternehmen rechnet in den kommenden Jahren mit sinkenden Gewinnen, und rund ein Viertel stellt sich auf weitere Konzentrations-Bewegungen im Strom- und Gasmarkt ein.

Ernst & Young AG

Die Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft mit Hauptsitz in Stuttgart ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften und unabhängiges Mitglied des internationalen Netzwerkes von Ernst & Young Global. In der Steuerberatung ist Ernst & Young die Nummer eins unter den deutschen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprü-fungsgesellschaften. Die deutsche Ernst & Young Gruppe beschäftigt rund 6.500 Mitarbeiter an 21 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Umsatz von 1,14 Milliarden Euro. Die rund 135.000 Mitarbeiter von Ernst & Young Global* erzielten im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Umsatz von 24,5 Mrd. US$.

Der Ernst & Young-Verbund in Deutschland bietet sowohl großen als auch mittelständische Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Transaktions-, Management-, Risiko- und Immobilienberatung.

Zusätzliche Informationen entnehmen Sie bitte folgender Internetseite:
http://www.de.ey.com

* Die Internationale Ernst & Young Organisation setzt sich aus selbstständigen und rechtlich unabhängigen Mitgliedsunternehmen zusammen. Eines davon ist die Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.