Schuldenkrise bremst Private Equity-Markt

Studie zum Private-Equity-Markt in Deutschland

(PresseBox) (Frankfurt, ) .
- Zahl und Wert der Transaktionen im zweiten Halbjahr gesunken
- Kleine Transaktionen dominieren
- Trotz schwierigem Umfeld: Finanzinvestoren trennen sich von Beteiligungen
- Ebenfalls schwache Entwicklung auf dem M&A-Markt

Nach einem starken ersten Halbjahr hat sich der Markt für Private Equity-Transaktionen in der zweiten Jahreshälfte deutlich abgekühlt. Die Zahl der Transaktionen sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 von 57 auf 48, der Wert der Transaktionen, bei denen ein Transaktionswert veröffentlicht wurde, sank von 4,3 auf 1,0 Milliarden Euro[1]. Im Gesamtjahr haben Finanzinvestoren damit in Deutschland bei 105 Transaktionen insgesamt 5,3 Milliarden Euro investiert. Im Jahr 2010 lag die Zahl der Transaktionen mit 103 etwa auf dem gleichen Niveau, der Transaktionswert war aber mit 3,4 Milliarden Euro deutlich niedriger.

Trotz des schwachen Kapitalmarktumfelds kam es im zweiten Halbjahr relativ häufig zu Unternehmensverkäufen aus dem Portfolio von Finanzinvestoren: Insgesamt trennten sich die Investoren im zweiten Halbjahr von 39 Unternehmensbeteiligungen und erlösten dabei 2,7 Milliarden Euro. Damit lagen die Exit-Aktivitäten zwar unter dem hohen Niveau des ersten Halbjahres (45 Exits im Gesamtwert von 8,7 Milliarden Euro), aber über dem Durchschnitt der vorangegangenen drei Jahre. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die den deutschen Private Equity-Markt untersucht.

"Im ersten Halbjahr schien es noch, als habe der deutsche Private Equity-Markt die Talsohle durchschritten", stellt Alexander Kron, Leiter des Bereiches Transaction Advisory Services bei Ernst & Young in Deutschland , Österreich und der Schweiz, fest. "In den vergangenen Monaten geriet der Private Equity-Markt aber stark unter Druck. Die Schuldenkrise in Europa, der starke Rückgang auf den Aktienmärkten und die deutlich eingetrübten Konjunkturaussichten - weniger in Deutschland als in Europa - haben zu einer erheblichen Verunsicherung geführt".

Entsprechend verhalten ist Krons Ausblick auf 2012: "Wenn es gelingt, die Schuldenkrise in Europa einzudämmen, kann das zu einer Beruhigung der Lage auf den Finanzmärkten führen. Das wird nach unserer Einschätzung frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2012 der Fall sein. Erst dann werden wir auch wieder mehr Aktivitäten auf dem Private Equity-Markt sehen", so Kron.

Für 2013 ist Kron aber durchaus optimistisch, denn generell sei das Interesse von Private Equity-Gesellschaften an Investitionen in Deutschland nach wie vor groß: "Die Finanzinvestoren sind weiterhin hungrig und halten den deutschen Markt für attraktiv. Mittelfristig gehen die meisten auch davon aus, dass es wieder verstärkt zu Transaktionen kommen wird. Es gibt durchaus einige PE-Häuser, die deswegen auch ihre Mannschaften perspektivisch ergänzen".

Kleine Transaktionen dominieren Während es im Krisenjahr 2009 immerhin noch zwei große Transaktionen im Wert von über 1 Mrd. Euro gegeben hatte, fand im Jahr 2010 nur eine Transaktion in dieser Größenordnung statt. Im Gesamtjahr 2011 war hingegen kein einziger "Mega-Deal" mehr zu verzeichnen. Mit einem Volumen von 280 Millionen Euro war der Verkauf von Eismann International an den Finanzinvestor Gilde Buyout Partners die größte Transaktion im zweiten Halbjahr.

Auf das Gesamtjahr gesehen war der Verkauf des Carbon Black-Geschäfts von Evonik an den Finanzinvestor Rhône Capital mit einem Volumen von mehr als 900 Millionen Euro die größte Transaktion - gefolgt vom Erwerb der Jack Wolfskin GmbH durch Blackstone, der Schätzungen zufolge ein Volumen von 700 Millionen Euro hatte.

Dass es gerade in der zweiten Jahreshälfte vorwiegend zu kleinen Transkationen kam, führt Wolfgang Taudte, Partner bei Ernst & Young, auch auf die Zurückhaltung der Banken zurück: "Die Bereitschaft der Banken, größere Transaktionen mit zu finanzieren, ist inzwischen sehr gering". Aber selbst bei kleinen Transaktionen gestalte sich die Finanzierung oftmals schwierig. Zum Teil würden Transaktionen 'all equity' finanziert, also komplett aus dem Eigenkapital des Investors. "Milliarden-Deals stehen derzeit nicht an und werden auch mittelfristig die absolute Ausnahme bleiben", so Taudte.

Zudem mangele es derzeit an attraktiven größeren Kaufobjekten: "Nur wenige deutsche Konzerne verfolgen derzeit aktiv die Strategie, sich von Teilbereichen zu trennen, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen", so Taudte. "Daher kommen kaum Unternehmen auf den Markt - trotz nach wie vor relativ großer Kaufbereitschaft auf Seiten der Investoren gibt es somit nur relativ wenige Abschlüsse".

Deutlicher Rückgang auf dem M&A Markt Nicht nur Finanzinvestoren reduzierten im ersten Halbjahr ihre Aktivitäten in Deutschland, auch der Markt für Fusionen und Übernahmen, bei denen strategische Investoren andere Unternehmen aufkauften, war in den vergangenen Monaten rückläufig: Die Zahl der M&A-Deals (ohne Private Equity) in Deutschland sank im zweiten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorhalbjahr von 199 auf 188. Beim Transaktionswert war ein Rückgang von 21,4 auf 5,6 Milliarden Euro zu verzeichnen.

"Der M&A-Markt hat nach einem starken Jahresbeginn in den vergangenen Monaten insgesamt wieder deutlich an Dynamik verloren", so Kron. Ein wichtiger Grund seien die auseinander klaffenden Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. "Bei den meisten Unternehmen laufen die Geschäfte nach wie vor gut - endsprechend hoch sind die Preiserwartungen der potenziellen Verkäufer", berichtet Kron. Die Käufer hingegen haben sich bereits auf die erwartete Konjunkturschwäche eingestellt und erwarten zum Teil deutliche Preisabschläge".

Spätestens 2013 wird aber auch der M&A-Markt wieder anspringen, ist sich Kron sicher: "Die bilanzielle Situation der deutschen Unternehmen ist gut: Die Liquidität ist hoch, die Verschuldung gering". Damit seien die Voraussetzungen für stärkere M&A-Aktivitäten gegeben. "Sobald sich die konjunkturelle Lage verbessert und das Kapitalmarktumfeld stabilisiert hat, wird auch der M&A-Markt wieder zulegen".

[1] Die Deals, bei denen kein Transaktionswert bekannt gegeben wurde, hatten einen Gesamtwert von geschätzt knapp 1,5 Milliarden Euro

*Der Name Ernst & Young bezieht sich in diesem Profil auf alle deutschen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen

Ernst & Young AG

Ernst & Young* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Umsatz von 1,14 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 152.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

Zusätzliche Informationen entnehmen Sie bitte folgender Internetseite:

http://www.de.ey.com

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