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Schwankhafte Erzählungen des 13. und 14. Jahrhunderts

Neues Langzeitprojekt am Deutschen Seminar

(PresseBox) (Tübingen, ) Anfang 2009 nimmt ein neues von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Langzeitprojekt zur 'Edition und Kommentierung der deutschen Versnovellistik des 13. und 14. Jahrhunderts' die Arbeit auf. An den Universitäten Tübingen und Köln werden zwei Arbeitsgruppen mit jeweils mehreren Mitarbeitern gebildet. Projektleiter sind die germanistischen Mediävisten Prof. Dr. Klaus Ridder, Prof. Dr. Paul Sappler (beide Tübingen) und Prof. Dr. Hans-Joachim Ziegeler (Köln). Der Förderzeitraum umfasst voraussichtlich acht Jahre. Mit dieser langfristigen Unterstützung werden "Leuchtturmprojekte" gefördert, "die ein hohes fachliches Gewicht haben, die Forschungsaktivitäten der Beteiligten in besonderer Weise fokussieren und mit Hilfe einer Förderdauer, die ansonsten nur bei Sonderforschungsbereichen möglich ist, das Forschungsprofil der jeweiligen Institute, an denen die Projekte angesiedelt sind, in hohem Maße mitprägen", so die DFG.

Das vorrangige Ziel der Projektarbeit besteht darin, zukünftig die gesamte deutschsprachige Versnovellistik des Mittelalters nach heutigen Standards der Überlieferungserschließung, Edition und Kommentierung zugänglich zu machen, soweit sie nicht in neueren Autorausgaben verfügbar ist. Bei diesen Texten, den Mären, handelt es sich um über Jahrhunderte beliebte Kurzerzählungen, die mit den Novellen des 'Decamerone' Boccaccios oder den 'Canterbury Tales' Chaucers verwandt sind und in deutscher Sprache etwa vom Stricker oder Konrad von Würzburg verfasst wurden, meist aber anonym sind. Unter ihnen gibt es Stücke von ausgezeichneter literarischer Qualität, die auch heute noch ansprechen. Im Zentrum der Projektarbeit steht die Edition und Kommentierung der Mären des 13. und 14. Jahrhunderts, die bisher nicht zufriedenstellend erschlossen sind. Die Texte sollen mit Erläuterungen versehen werden, damit sie auch für Nichtfachleute verständlich sind. Neben der unverzichtbaren Edition in Buchform (vorgesehen sind vier Textbände und ein Überlieferungs- und Registerband) wird eine elektronische Ausgabe im Internet veröffentlicht. Das zu bearbeitende Corpus umfasst 171 Verstexte mit insgesamt knapp 60.000 Versen Text, die großenteils mehrfach überliefert sind.

Die Werke erfreuen sich zunehmend großen Interesses nicht allein aus der germanistisch-literaturwissenschaftlichen Forschung. In der jüngsten Vergangenheit sind zahlreiche Untersuchungen erschienen, welche novellenartige Erzählungen unter komparatistischen Gesichtspunkten als europäisches Phänomen interpretieren. Durch ihre meist schwankhafte Thematik und komische Akzentuierung, z.B. List- und Betrugshandlungen, oft mit erotischem Inhalt, sind sie auch heute noch literarisch reizvoll und darüber hinaus wegen ihrer unprätentiösen Sprache und ihrer pointierten Kürze für den akademischen Unterricht interessant. Die Ausgabe dient damit ebenso Anliegen der Forschung wie der Lehre.

Das Projekt setzt eine lange Tübinger Forschungstradition fort, die bis in die Anfänge des Faches Germanistik in Tübingen zurückreicht (Adelbert von Keller, 1812-1883) und besonders mit dem Namen Hanns Fischers (1928-1968) verbunden ist. Fischer schuf zu seiner Zeit die Basis zur literarhistorischen und editorischen Erschließung der Gattung. Ausgehend von diesen Vorleistungen sollen mit Hilfe moderner technischer Standards (Digitalisate der Handschriften als Teil der elektronischen Edition, ausgefeilte Verlinkung) weitere Grundlagen zur nachhaltigen Beschäftigung mit der faszinierenden Tradition der deutschen Versnovellistik des Mittelalters gelegt werden.

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