Gebäudeintegrierte Photovoltaik: Noch ein Nischenmarkt

(PresseBox) (Billerbeck, ) Die Solarnutzung in und an Gebäuden ist im Rahmen eines energieeffizienten Bauens ein zentrales Thema. Dabei können solartechnische Systeme selbstverständliche Bestandteile innovativer Gebäudehüllen wie auch Bausteine energetischer Sanierung sein.

Gebäudeintegrierte Photovoltaik-Anlagen gelten als besonders umweltfreundlich, weil sie über die ohnehin vorhandenen Bauten hinaus keinen zusätzlichen Flächenbedarf haben.

Gebäudeintegrierte Photovoltaik stößt aktuell europaweit auf großes Interesse. Die Wachstumsraten selbst sind recht hoch und lagen 2007 bei 43,8%. Das Gesamtvolumen erscheint mit einem Umsatz von 142,6 Millionen Euro jedoch noch bescheiden. In der Tat haben gebäudeintegrierte Solarstromanlagen einen Marktanteil von weniger als 2% Anteil am gesamten Photovoltaik-Markt.

Anwendungsbeispiele & gewählte Solartechnologie

Aktuelle Einsatzgebiete von Gebäudeintegrierter Photovoltaik sind bspw. solare Bedachungssysteme mit Dünnschicht-Modulen, semitransparente PV-Elemente, integrierfähige kristalline Module, Solar-Dachziegel, Photovoltaik-Dachfolien oder komplette Solardächer. So bieten bspw. Arnold Glas (nähe Stuttgart) transparente Fassadenelement an. Die Solarstrom-Module sind dabei transparente Fassadenelement, die wie konventionelle Isolierglas- oder Paneel-Glasflächen in allen üblichen Konstruktionen eingesetzt werden. Das Unternehmen greift dabei auf eine amorphe Silicium-Dünnschicht zurück, die 50- bis 100-fach dünner ist als ein menschliches Haar.

Der US-Photovoltaikhersteller Lumeta bietet Photovoltaik-Dachziegeln auf Basis von monokristallinen Solarzellen an, welche sich an die Form der herkömmlichen Ziegeln aus Ton oder Beton anlehnt. Die Ziegel vom Typ "Solar S Tile" gewannen dann auch die erste Runde des "Spark Design Awards 2008" in der Kategorie Öko-Design.

Die österreichische Firma ErtexSolar erstellt Projekte wie bspw. ganze Hochhausfassaden aus Solar-Anlagen. Bspw. der Telekom Tower in Istanbul/Türkei. Zum Einsatz kommen dabei polykristalline, monokristalline sowie Dünnschicht-Zelltypen.

Schüco (Bielefeld) & E.ON (Düsseldorf) haben ein Joint Venture gegründet, deren Ziel der gemeinsamen Entwicklung und Produktion von Photovoltaik-Modulen für Bürofassaden auf Basis der Dünnschicht-Solartechnologie ist.

Die australische Firma Dyesol liefert Materialien, Technologie und Know-how u.a. zur Verwirklichung von gebäudeintegrierten Photovoltaiklösungen auf Basis von Farbstoffsolarzellen. Gemeinsam mit dem in Großbritannien ansässigen Stahlproduzenten Corus werden aktuell Produktionsstätten in Wales/UK aufgebaut, um im kommenden Jahr ganze Industriehallen anbieten zu können, deren Außenhaut Strom erzeugt. Dabei handelt es sich nicht mehr um die sog. aufgeständerten Photovoltaikanlagen. Vielmehr wird der Stahl direkt mit den erforderlichen Farb-Nanopartikel-Schichten überzogen, so dass es sich um eine Stahl-Photovoltaik-Einheit handelt.

Hemmschwellen & Hürden

Einer der Hemmschwellen zur Realisierung von gebäudeintegrierten Photovoltaikanlagen: Zur Realisierung eines Gesamtenergiekonzeptes für ein bestimmtes Gebäude ist ein fachübergreifender Dialog zischen allen Beteiligten erforderlich. Bauphysik, Tragwerk, Heizung/Lüftung und Fassade befinden sich in Wechselbeziehungen zueinander. Dieser notwendige Dialog scheint nicht immer im erforderlichen Maße realisierbar zu sein.

Weiterhin behindern Bürokratie und regionale Normen die Erschließung neuer Märkte. Eine Marktstudie von Economic Forum ergab, dass Marktteilnehmer besonders in Frankreich bürokratische Hemmnisse durch kostspielige Zertifizierungen für Solar-Komponenten, die von ausländischen Herstellern erworben werden müssen sowie durch das französische Versicherungssystem, welches ein einheimisches Zertifikat fordert, sehen.

Schließlich - auch das ergab die Studie vom Economic Forum, bildet eine weitere Hürde das fehlende Know-how von Architekten und Planern. Häufig überschätzen diese Berufsgruppen auch die Kosten für gebäudeintegrierte Photovoltaikanlagen und lehnen sie deshalb ab.

Wirtschaftlichkeit von gebäudeintegrierten Photovoltaikanlagen

Wirtschaftlich interessant wird dieser Lösungsansatz, wenn Solarsysteme nicht nachträglich auf das Dach montiert, sondern als integraler Bestandteil des Gebäudes und der Anlagentechnik bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Dennoch wird dieser Ansatz von Bauherren und Immobilienkäufer häufig nicht gewählt. Experten bemerken, dass zu selten die Lebenszykluskosten eines Hauses bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt werden. Lebenszykluskosten sind jene Kosten, die neben den Baukosten auch den Gebäudebetrieb über Jahrzehnte berücksichtigt. Vielmehr - so die Experten - lassen sich Bauherren und Immobilienkäufer in ihren Investitionsentscheidungen häufig ausschließlich von den Baukosten leiten und beziehen den Energieverbrauch des Gebäudes nicht mit in ihre Kalkulation mit ein.

Europäische Fördermodelle & europäischer Markt

Der Gesetzgeber unterstützt gebäudeintegrierte Photovoltaik um der Verschandelung von den üblich aufgeständerten Solar-Dach-Modulen entgegenzuwirken. In Italien beträgt der Bonus, den man für die Gebäudeintegration von Photovoltaik erhält, bis zu 9 Cent Kilowattstunde Solarstrom. In Deutschland ist ab diesem Jahr keine Förderung mehr vorgesehen. Führend ist in Sachen europäischer Förderung bei gebäudeintegrierter Photovoltaik Frankreich. Hier gibt es einen Bonus von 25 Cent/kW.

Dennoch ist der größte europäische Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik Deutschland. Als Ursache hierfür - trotz fehlender Förderung - sieht man das starke Produktions- und Vertriebsnetzes in Deutschland, sowie die hohe Akzeptanz der Solarenergie beim deutschen Endverbraucher. Deutschland wird gefolgt von Frankreich. Die Experten von Frost & Sullivan gehen allerdings davon aus, dass Deutschland möglicherweise seine Spitzenposition über kurz oder lang an Frankreich verlieren könnte. Zumindest, wenn sich der Schwerpunkt der Solarindustrie innerhalb Frankreichs auf die gebäudeintegrierte Photovoltaik verlagern und die französische Regierung ihre Förderprogramme fortsetzen sollte. Der 3. Platz im innereuropäischen Wettbewerb geht an Italien, wo das Land aktuell noch von seinem Fördergesetz "Conto Energia" profitiert. Zu einem weiteren Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik könnte sich nach Aussage der Experten mittelfristig England entwickeln. Denn ab 2016 wird der Standard "Zero Carbon Home" für alle Neubauten verpflichtend sein.

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