Wie sinnvoll ist Gender-Medizin?

Nur bei wenigen Medikamenten reagieren Frauen anders als Männer, wie eine Metastudie der Donau-Universität Krems zeigt

(PresseBox) (Krems, ) Eine Analyse von 59 Studien legt nahe, dass es bei der Mehrheit von Medikamenten keine geschlechtsspezifischen Unterschiede bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit gibt. Laut der Metastudie des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie muss das Geschlecht nur in wenigen Fällen bei der Auswahl der medikamentösen Behandlung berücksichtigt werden.

Die Gender-Medizin berücksichtigt die unterschiedlichen Erkrankungsrisikos und Behandlungsbedürfnisse von Frauen und Männern. In jüngerer Zeit kamen Medikamentenprüfungen daher verstärkt in die Kritik, da oft nur männliche Patienten getestet wurden und so die Wirkung auf Frauen ungewiss blieb. Nun zeigt eine Metastudie unter der Leitung von Prof. Gerald Gartlehner, dass für die Mehrheit der Medikamente das Geschlecht der Behandelten keinen Einfluss auf Wirksamkeit und Sicherheit hat.

Gegen den Zeitgeist

"Zumindest im medikamentösen Bereich scheint Gender-Medizin nicht überall notwendig zu sein", bilanziert Gartlehner das dem Zeitgeist widersprechende Ergebnis, "wir haben nur drei klinisch relevante Ausnahmen gefunden." In der Übersichtsstudie wurden die Daten von über 250.000 PatientInnen zusammengefasst und 65 Medikamente überprüft. Die Veröffentlichung erfolgte am 30. Juli im PLoS one, dem größten frei zugänglichen peerreview Journal im medizinischen Bereich.

Einschränkung und Interpretation

Trotz der großen Datenmenge obliegt das Ergebnis einigen Einschränkungen, vor allem aufgrund der Qualitätsmängel der Einzelstudien: Untergruppen wurden mit falschen Methoden verglichen, Hypothesen wurden den Ergebnissen angepasst oder die Zahl der Probanden war zu gering. Dennoch hat Gartlehner eine Erklärung, warum das Geschlecht nur eine untergeordnete Rolle spielt: "Weder Männer noch Frauen sind eine homogene Gruppe und die genetische Vielfalt zwischen und innerhalb dieser Gruppen dürfte mehr Einfluss haben als nur das Geschlecht."

Die Studie ist im Volltext zu finden auf www.plosone.org

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.