Wasserstoff und Brennstoffzellen in Zeiten der Krise

Wie reagieren Staaten und Branchen auf die Schwierigkeiten?

(PresseBox) (Berlin, ) Wie wirkt sich die aktuelle Wirtschaftskrise auf die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik aus? Immerhin steckt sie zu einem großen Teil noch in der Entwicklungsphase, in der mit Gewinnen nicht zu rechnen ist und daher auch staatliche Zuschüsse eine große Rolle spielen. Wie streng regiert der Rotstift?

Wenn man sich einen Überblick über die vielgestaltige Landschaft verschafft hat, stellt man befriedigt fest: Wasserstoff und Brennstoffzellen sind keine Insel der Seligen, aber sie sind von den Krisensymptomen insgesamt weniger betroffen als die konventionellen Geschäfte. Der DWV kommt also zum gleichen Ergebnis wie auch andere Umwelt- und Energieverbände, dass nämlich die zukunftsorientierten Techniken und Branchen weniger unter den aktuellen Verhältnissen leiden als die herkömmlichen.

Industrie

Das gilt sogar für die besonders krisengeschüttelte Autobranche.
So hat General Motors Anfang des Monats eine Woche nach der Insolvenzerklärung in den USA ein neues Entwicklungslabor für Elektroautos in Betrieb genommen, in das 25 M$ investiert wurden.
Die Arbeit im deutschen Entwicklungszentrum in Mainz-Kastel läuft planmäßig weiter. Bei Daimler sollen nach wie vor noch dieses Jahr die ersten serienmäßigen B-Klassen mit Brennstoffzelle fertig werden.
Ähnliche Feststellungen lassen sich für Volkswagen und Ford sowie BMW (Verbrennungsmotoren) treffen. Auch die asiatischen Hersteller verfolgen den Kurs unbeirrt weiter. Toyota erklärt regelmäßig, dass für 2015 die Serieneinführung geplant sei und liegt damit gleichauf mit Daimler. Alle wissen: eine Zukunft haben sie nur mit den Produkten von morgen, nicht mit denen von gestern.

Noch weniger leidet die stationäre und portable Anwendung von Brennstoffzellen. Was die großen Anlagen (ab 200 kW) betrifft, so hat MTU Onsite Energy diesen Monat in der Erdinger Brauerei eine neue Schmelzkarbonatzelle des Typs HotModule in Betrieb genommen und kurz zuvor einen Auftrag über eine weitere Anlage für ein hessisches Krankenhaus erhalten; die Produktpalette wird zielstrebig erweitert.

Auch für kleinere stationäre Systeme der 5 kW-Klasse (Eigenheimoder Notstromversorgung) liegen weltweit schon Aufträge über fünfstellige Stückzahlen vor. Ab 2011 ist mit einer deutlichen Steigerung der Produktion zu rechnen. SFC Smart Fuel Cell hat im April von Volkswagen einen Auftrag für die Lieferung von mehr als 200 mobilen Brennstoffzellen für die Bordstromversorgung von Behördenfahrzeugen erhalten. In den letzten vier Jahren hat SFC bereits über 13.000 voll kommerzialisierte Brennstoffzellen an Industriekunden und Endverbraucher verkauft.

Politik

Die Situation in der Politik ist dadurch geprägt, dass die meisten heute laufenden Förderprogramme langfristig angelegt sind. Das gilt sowohl in Deutschland für das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzelle (Laufzeit bis 2016) als auch bei der EU für die Joint Technology Initiative (JTI) of Fuel Cells and Hydrogen (Laufzeit mindestens bis 2013). Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Bildung einer neuen Bundesregierung in Berlin und die Bildung einer neuen Kommission in Brüssel wesentlichen Einfluss auf die Programme haben werden. Japan, Korea und die anderen asiatischen Länder sind ohnehin dafür bekannt, ihre Ziele noch langfristiger und mit großer Konsequenz zu verfolgen.

Weniger klar ist die Entwicklung in den USA unter Präsident Obamas neuem Energieminister Steven Chu. Während auch hier die Fördermittel für die stationäre Anwendung von Wasserstoff und Brennstoffzellen vom Wechsel im Weißen Haus wenig betroffen sind, hat Chu im Plan für das kommende Haushaltsjahr das Geld für die mobile Anwendung um 3/5 von 169 auf 68 M$ zusammengestrichen. Das frei werdende Geld soll für die Batterie- und Hybridtechnik ausgegeben werden. Es handelt sich also weniger um eine Auswirkung der Krise als um eine politische Umorientierung. Offenbar ist Chu nicht bekannt, wie nahe Wasserstoff- und Brennstoffzellenautos, auch die von US-Firmen, vor dem Markteintritt stehen und wie weit das Batterieauto vergleichbarer Leistung noch davon entfernt ist. Die National Hydrogen Association, das US Fuel Cell Council und andere Organisationen bemühen sich derzeit intensiv darum, dieses Wissen im DoE und im Kongress zu verbreiten.

Aber selbst nach solchen kurzsichtigen Einschnitten würden der Bund und die Staaten in den USA immer noch etwa genau so viel Fördermittel in das Gebiet stecken wie die gesamte EU. Die amerikanischen Autobauer und wichtige Bundesstaaten wie Kalifornien, New York und South Carolina folgen Chu übrigens bisher nicht auf seinem Kurs.

Wir müssen unsere Gesellschaft zukunftsfest machen. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, nach vorn zu schauen, sich über künftige Herausforderungen Klarheit zu verschaffen und sich darauf mit neuen Ideen und Konzepten einzustellen. Zukunftssichere Energie ist ein Schlüsselthema, sowohl für unsere Umwelt als auch für die Wirtschaft.
Wer krampfhaft weiter nach den alten Rezepten verfahren will, kann leicht untergehen. Genau jetzt müssen wir die Weichen für die zukünftige Entwicklung richtig stellen, wenn wir gestärkt aus der Krise hervorgehen wollen.

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