"Nachwuchsakademie Versorgungsforschung" der DFG

(PresseBox) (Bonn, ) Im November 2010 startet die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu eingerichtete "Nachwuchsakademie Versorgungsforschung". Durch sie sollen interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die sich mit Fragen der Versorgungsforschung beschäftigen, in einem frühen Stadium ihrer Karriere gefördert werden. Die Akademie soll dabei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen die Gelegenheit bieten, einen Überblick über das weite Spektrum der Versorgungsforschung zu erhalten, eine eigene Studie zu entwickeln, Fallstricke und Unzulänglichkeiten in Forschungsanträgen und im Design von Versorgungsstudien zu erkennen und schließlich die versorgungswissenschaftlich ausgerichtete Entwicklung voranzubringen.

Zielsetzung

Gegenstand der geplanten Nachwuchsakademie ist die Versorgungsforschung, die sich nach dem Verständnis der DFG weniger auf ein umgrenztes oder gar spezifisches Arsenal von wissenschaftlichen Methoden, Techniken und Instrumenten richtet, sondern sich vielmehr bezieht auf:

- ein besonderes Problemfeld als Gegenstand - das der gesundheitlichen oder enger noch: der medizinischen Versorgung unserer Bevölkerung,
- eine bestimmte Frageperspektive - die nach der Organisation, Regulierung und Verbesserung dieser Versorgung,
- ein multi- und transprofessionelles Praxisfeld - das der wissenschaftlichen fundierten Informierung und Beratung von Personen und Einrichtungen mit Steuerungsfunktion im Gesundheitswesen,
- ein im Hinblick auf die theoretischen Konzepte und Modelle eigenständiges Forschungsgebiet.

Interessierte mit Ideen für innovative versorgungswissenschaftliche Fragestellungen werden aufgefordert, sich mit ihren bisherigen wissenschaftlichen Leistungen und einer Projektskizze zur Teilnahme an der Nachwuchsakademie zu bewerben, die in zwei Phasen abläuft.

1. Phase

Die erste Phase bildet eine Akademie, die vom 29. November bis zum 03. Dezember 2010 in Lübeck stattfinden wird. Die Teilnehmenden stellen dort ihre Projektideen vor und setzen sich mit fachlichen Themen und Fragen zu versorgungswissenschaftlichen Studien auseinander. Renommierte Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland geben in Vorträgen und Diskussionen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung, in Arbeitssitzungen werden gemeinsame Lösungen zu verschiedenen Themen erarbeitet. Im Laufe der Woche werden die überarbeiteten Projektskizzen der Teilnehmenden vorgestellt und im Expertenkreis diskutiert.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Akademie ist die Einreichung einer Projektskizze für ein Versorgungsforschungsprojekt. In dieser Skizze sind Studienidee, Grundkonzeption und Durchführung des Forschungsprojekts zu beschreiben. Bei der Erstellung dieser Projektskizze ist folgendes zu beachten:

- Das Forschungsvorhaben sollte in Deutschland bearbeitet werden.
- Der Umfang der formlosen Skizze als Basis eines späteren Förderantrages (Kriterien s. u.) darf 3 Seiten (Arial 10, einfacher Zeilenabstand) nicht überschreiten (Ausschlusskriterium).

Eine positive Begutachtung der Skizze durch ein Expertengremium ist Voraussetzung für Ihre Einladung zur Akademie. Die Begutachtung erfolgt nach folgenden Kriterien:

- Skizziertes Vorhaben ist dem Bereich Versorgungsforschung zuzuordnen
- Relevanz des adressierten Problems
- Theoretische Basis der Fragestellung
- Innovationsgehalt der Studie
- Qualität der Methodik
- Durchführbarkeit der Studie
- Wissenschaftliche Qualifikation der Kandidatin/des Kandidaten
- Qualität der (multidisziplinären) Arbeitsgruppe

Weitere Bewerbungsvoraussetzungen im Hinblick auf die Einreichung eines DFG-Antrages in der zweiten Phase sind:

- Medizinerinnen und Mediziner in der Facharztausbildung, die kurz vor der Promotion stehen bzw. deren Promotion maximal 6 Jahre zurückliegt und die in eine versorgungswissenschaftlich aktive Arbeitsgruppe eingebunden sind.
- Forschende mit anderem Hochschulabschluss, z. B. aus dem Bereich der Soziologie, Psychologie, Ökonomie, Politologie, die kurz vor der Promotion stehen bzw. deren Promotion maximal 4 Jahre zurückliegt und die in eine versorgungswissenschaftlich aktive Arbeitsgruppe eingebunden sind.
- Die Antragstellerinnen und Antragsteller sollten ihr Interesse an versorgungswissenschaftlichen Fragestellungen durch eine Autorenschaft zumindest an einer entsprechenden wissenschaftlichen Publikation belegen.

Der Selbstkostenanteil beträgt 100 Euro pro Teilnehmerin/Teilnehmer. Die weiteren Kosten für die Teilnahme am Workshop sowie für Unterkunft, Verpflegung und Anreise werden von der DFG übernommen.

2. Phase

In der zweiten Phase wird den Teilnehmenden der ersten Phase angeboten, ihre ausgearbeiteten Projektanträge für eine erste Anschubfinanzierung bei der DFG einzureichen. Dort wird über die Bewilligung der Forschungsprojekte entschieden. In diesem Rahmen sollen zunächst nur Mittel zur Durchführung von Pilotstudien, Vorarbeiten oder auch Mittel zur vorübergehenden Freistellung von der Patientenversorgung beantragt werden, um entsprechende Vorarbeiten durchzuführen, sodass die beantragte Fördersumme 50.000 Euro für ein Jahr nicht überschreiten sollte. Damit sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich in die Lage versetzt werden, zu einem späteren Zeitpunkt aufbauend auf fundierten Vorarbeiten umfangreiche Vollanträge im Normalverfahren der DFG einzureichen.

Bei den DFG-Anträgen, die im Rahmen der zweiten Phase dieser Nachwuchsakademie eingereicht werden sollen, ist zu beachten:

- Anträge sind nach dem Merkblatt für Anträge auf Sachbeihilfen (DFG Vordruck 1.02 deutsch bzw. 1.02e englisch) zu stellen.
- Für die Antragsberechtigung wird der Abschluss der wissenschaftlichen Ausbildung - in der Regel mit der Promotion - vorausgesetzt.
- Eine Bewilligung kann nicht ohne erfolgte Promotion ausgesprochen werden.
- Die Bearbeitungsdauer des Pilotvorhabens sollte ein Jahr betragen bzw. ein Finanzvolumen von 50.000 Euro nicht überschreiten. Damit ist die Vollförderung größerer Studien in diesem Rahmen ausgeschlossen. Hier kann es sich nur im Sinne einer frühen Anschubfinanzierung um die Förderung von Kleinpilotstudien oder von notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen zur Durchführung einer späteren größeren Studie, wie Feasibility-Prüfungen, handeln.

Interessierte senden ihre Bewerbung für die erste Phase der Nachwuchsakademie mit Lebenslauf und Publikationsliste (zusammen maximal 2 Seiten) und Antragsskizze (maximal 3 Seiten) in elektronischer Form (ein PDF-Dokument) bis zum 31. August 2010 an:

Prof. Dr. Martin Scherer, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Sozialmedizin, E-Mail: Bettina.Villmann@uksh.de

Weiterführende Informationen

Einen Leitfaden zur Antragstellung für Sachbeihilfen finden Sie im DFG-Merkblatt 1.02 (deutsch) bzw. 1.02e (englisch) unter: www.dfg.de/foerderung/formulare_merkblaetter

Hinweise zur Beantragung von Mitteln zur Freistellung von der Patientenversorgung im DFG-Merkblatt 1.12 unter: www.dfg.de/foerderung/formulare_merkblaetter

Informationen zur Finanzierung der "Eigenen Stelle" unter: www.dfg.de/foerderung/programme/einzelfoerderung/eigene_stelle

Fachliche Fragen zur Nachwuchsakademie beantwortet der Koordinator: Prof. Dr. Martin Scherer, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Sozialmedizin, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, Tel. +49 451 500 5876, E-Mail: Bettina.Villmann@uksh.de

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