Die natürlichen Lebensgrundlagen erforschen und schützen

DFG schreibt neues Forschungszentrum zur "Biodiversitätsforschung" aus / Entscheidung über Einrichtung im Frühjahr 2012 / Kleiner: "Anschluss an internationale Spitzengruppe"

(PresseBox) (Bonn, ) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) will das Wissen um unsere natürlichen Lebensgrundlagen mehren. Der Hauptausschuss von Deutschlands zentraler Forschungsförderorganisation beschloss auf seiner Herbstsitzung in Bonn die Ausschreibung eines DFG-Forschungszentrums zur "Integrativen Biodiversitätsforschung". Dieses soll zum Oktober 2012 eingerichtet werden. Das neue Zentrum wird das siebte DFG-Forschungszentrum sein und soll wie die anderen als strategisches Förderinstrument zu bedeutenden Themen an den deutschen Hochschulen international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungseinrichtungen etablieren.

Die Ausschreibung des neuen Forschungszentrums erfolgt nach einem intensiven Diskussionsprozess innerhalb der Wissenschaft und der großen Wissenschaftsorganisationen und in den Gremien der DFG. In ihm wurde die Biodiversität als besonders dringendes Forschungsdesiderat identifiziert. "Biodiversität ist die Grundlage unseres Lebens und als solche stark gefährdet, wie der dramatische Artenrückgang und die tief greifenden Veränderungen durch den Landnutzungs- und Klimawandel zeigen", unterstrich DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner. Die Lebensgrundlagen stärker zu schützen, sei als Ziel unumstritten, die Maßnahmen jedoch strittig. "Vor allem fehlt gesichertes Wissen um die hier sehr komplexen Wirkungszusammenhänge", so Kleiner.

Zur Klärung dieser Wirkungszusammenhänge will die Biodiversitätsforschung die Expertise aus den verschiedensten Fachdisziplinen der Lebens-, Natur- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammenführen. Die DFG hat sich diesem dynamischen Feld früh zugewandt und neben der Einrichtung einer Senatskommission für Biodiversitätsforschung bereits mehrere Forschungsverbünde gefördert, darunter die sogenannten Biodiversitäts-Exploratorien. "An international sichtbaren Arbeitsgruppen mangelt es in Deutschland nicht", so DFG-Präsident Kleiner, "doch sind sie über zahlreiche Standorte verteilt. Zurzeit gibt es an keinem Ort eine ausgeprägte Biodiversitäts­forschung, die die ganze erforderliche fachliche Breite abdeckt."

Diese "kritische Masse" soll durch das nun ausgeschriebene Forschungszentrum erreicht werden. "Dies ist auch im internationalen Vergleich dringend notwendig, weil die Biodiversitätsforschung dort teilweise stärker etabliert ist. Sollte der Anschluss an die internationale Spitzengruppe in den kommenden Jahren nicht gelingen, ist Deutschland auf lange Sicht aus dem Wettbewerb auf diesem Forschungsgebiet ausgeschlossen", hob Kleiner hervor.

Das Zentrum soll eine Reihe thematischer Schwerpunkte verfolgen, in denen sehr gut ausgestattete und von international renommierten Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern geleitete Arbeitsgruppen eingerichtet werden. Sie sollen sich mit den vielfältigen ökologischen Interaktionen, der Evolution und Adaption von Organismen und Lebensgemeinschaften, mit Theorie- und Modellbildung und den wissenschaftlichen Grundlagen des Naturschutzes befassen. Auch zum Aufbau einer zukunftsweisenden Forschungsinfrastruktur für Messungen und Experimente im Labor und Freiland und zu einer leistungsfähigen Biodiversitätsinformatik soll das Zentrum beitragen. Die Aktualität der verfolgten Forschungsideen auf international hohem Niveau soll auch ein "Advanced Study Programme" mit Gastwissenschaftlern und Postdoktoranden sichern. Eine weitere zentrale Aufgabe des Zentrums ist die Erhebung, Analyse und Synthese komplexer interdisziplinärer Datensätze und Informationen. Das Zentrum soll an einer Universität konzentriert sein, wobei die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen erwünscht ist.

Die Entscheidung über die Einrichtung des Zentrums erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Bis Mitte Januar 2011 können sich die Hochschulen zunächst mit Antragsskizzen bewerben. Nach der Begutachtung durch eine internationale Prüfungsgruppe sollen im Juli 2011 vom Senat der DFG besonders vielversprechende Initiativen ausgewählt werden, für die die Hochschulen dann detaillierte Anträge stellen. Nach deren Begutachtung entscheidet der DFG-Hauptausschuss im April 2012 über die Einrichtung. Das Zentrum kann maximal zwölf Jahre lang von der DFG gefördert werden, pro Jahr können die Hochschulen zwischen vier und sieben Millionen Euro beantragen. Nach jeweils vier Jahren wird das Zentrum evaluiert und über seine Weiterförderung entschieden.

Das Programm der Forschungszentren wurde von der DFG im Jahr 2000 als besonders strategisches Förderinstrument initiiert. Zurzeit werden sechs Forschungszentren gefördert. Die ersten drei Zentren - "Der Ozean im Erdsystem" in Bremen, "Funktionelle Nanostrukturen" in Karlsruhe und "Experimentelle Biomedizin" in Würzburg - wurden 2001 eingerichtet und 2009 für eine dritte Förderperiode bis Mitte 2013 verlängert. Das Zentrum "Matheon - Mathematik für Schlüsseltechnologien" in Berlin arbeitet seit 2002 und wurde in diesem Jahr ebenfalls bereits zum zweiten Mal bis Mitte 2014 verlängert. Ebenfalls 2002 eingerichtet wurde das Zentrum "Molekularphysiologie des Gehirns" in Göttingen, bei dem derzeit die Begutachtung für die zweite Verlängerung läuft. Das bislang jüngste Zentrum "Regenerative Therapien" in Dresden wurde 2006 eingerichtet und befindet sich nun in der zweiten Förderperiode bis Ende 2013.

Mit ihrer gebündelten wissenschaftlichen Kompetenz und ihren Kooperationen zwischen universitären und außeruniversitären Einrichtungen wurden die Forschungszentren auch zum Modell für die Exzellenzcluster in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Vier der sechs Zentren werden derzeit als Exzellenzcluster gefördert. Im Gegensatz zu den Exzellenzclustern werden die Forschungszentren von der DFG jedoch thematisch gezielt ausgeschrieben. Mit ihnen sollen international sichtbare Forschungseinrichtungen geschaffen, das Profil und die Prioritätensetzung an den jeweiligen Hochschulen geschärft und exzellente Ausbildungs- und Karrierebedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs begründet werden.

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