DFG richtet vier neue Forschergruppen ein

Themen reichen von der Heiligkeit in der Vormoderne bis zu Placebo- und Nocebo-Effekten

(PresseBox) (Bonn, ) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet vier neue Forschergruppen zur orts- und fächerübergreifenden Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein. Dies beschloss der Senat der DFG auf seiner Herbstsitzung in Bonn. In den neuen Verbünden sollen Forscherinnen und Forscher sich aktuellen und drängenden Fragestellungen in ihren Fächern widmen und neue Arbeitsansätze entwickeln.

Die jetzt eingerichteten Forschergruppen wollen unter anderem neue Methoden für chirurgische Eingriffe am Schädelknochen entwickeln sowie Naturstoffe aus Myxobakterien für die Krebsforschung gewinnen. Alle vier Gruppen arbeiten interdisziplinär; eine internationale Kooperation gibt es mit der Schweiz.

In der ersten Förderperiode erhalten die neuen Forschergruppen über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 9,43 Millionen Euro. Insgesamt fördert die DFG damit 218 Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen (alphabetisch nach Sprecherhochschule):

Die Vorstellungen von und der Umgang mit dem Sakralen in Asien und Europa der Vormoderne stehen im Zentrum der Forschergruppe "Sakralität und Sakralisierung in Mittelalter und Früher Neuzeit. Interkulturelle Perspektiven in Europa und Asien". Sie verbindet Ansätze aus Literatur-, Kunst- und Geschichtswissenschaft, um zu klären, was eigentlich "Heiligkeit" ausmacht und wie sich ihre Deutung im Epochenverlauf gewandelt hat. Die Gruppe will gesellschaftliche Ausdrucksformen, die Institutionalisierung von Heiligkeit sowie die Spannung von individuellen und kollektiven Ansätzen analysieren und so die unterschiedlichen Vorstellungen von Sakralität detailliert erfassen.
(Sprecher: Professor Dr. Klaus Herbers, Universität Erlangen-Nürnberg)

Wenn bei chirurgischen Eingriffen an der Schädelbasis Knochenmaterial entfernt werden muss, um an erkranktes Gewebe zu gelangen, wird meistens ein schweres Trauma verursacht. Eingriffe mit geringerem Risiko sind zentrales Anliegen der Chirurgie, doch bei Planung und Ausführung mangelt es bislang häufig an technischer Präzision. Nun will die Forschergruppe "Multi-Port-Knochenchirurgie am Beispiel der Otobasis (MUKNO)" erstmals untersuchen, wie sich durch Miniaturisierung der Zugangswege neue Operationsformen etablieren lassen. Dabei sollen Operationsfeld und -umgebung durch sogenannte Ports keimfrei getrennt werden. Dieses gewebeschonende Verfahren würde die Gefahr von Infektionen und Spätfolgen deutlich verringern.
(Sprecher: Professor Dr. Jörg Schipper, Universität Düsseldorf)

Eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung in der Placebo- und Nocebo-Forschung schlagen will die Forschergruppe "Erwartungen und Konditionierung als Basisprozesse der Placebo- und Nocebo-Reaktion: Von der Neurobiologie zur klinischen Anwendung". Positive und negative Nebenwirkungen, die ohne erkennbaren medizinischen Grund auftreten, sind seit vielen Jahren als klinisch relevante Effekte bekannt. Weitgehend unklar sind jedoch die zugrunde liegenden neurobiologischen und neuropsychologischen Wirkmechanismen. Die Forschergruppe will diese analysieren und das resultierende Wissen über die Phänomene gezielt nutzen, um therapeutische Wirkungen zu unterstützen und negative Nebenwirkungen zu verringern.
(Sprecher: Professor Dr. Winfried Rief, Universität Marburg)

Naturstoffe spielen in der pharmazeutischen Wirkstoffentwicklung und der biomedizinischen Forschung eine wichtige Rolle, sie sind jedoch schwierig zu isolieren und in ausreichenden Mengen herzustellen. Dies führt nicht zuletzt zu Lücken bei der Untersuchung ihrer molekularen Mechanismen - das Potenzial für die Pharmakologie ist noch nicht ausgeschöpft. Hier will die Forschergruppe "Exploiting the Potential of Natural Compounds: Myxobacteria as Source for Leads, Tools, and Therapeutics in Cancer Research" ansetzen. Mithilfe von neu entwickelten Naturstoffen aus Myxobakterien will sie herausfinden, wie etwa bösartiges Tumorwachstum gestoppt oder die Ausbreitung von Tumorzellen beeinflusst werden kann. Im Fokus stehen außerdem Gefäß- und Immunzellen. Der interdisziplinäre Ansatz kombiniert Chemie, Biotechnologie, Pharmazie und Pharmakologie und soll als Schlüssel für die Entwicklung natürlicher Wirkstoffe dienen.
(Sprecherin: Professorin Dr. Angelika Vollmar, LMU München)

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