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Exportzahlen sind Ausdruck unterschiedlicher Branchenzyklen

(PresseBox) (Zürich, ) Die aktuellen Exportzahlen senden ein zwiespältiges Signal aus. Real erlitten viele Industriebranchen starke Exportrückgänge.


Auf der anderen Seite konnte die Margenerosion durch steigende Exportpreise weitgehend gebremst werden; im Juni nahmen die Ausfuhren nominal sogar zu. Die Entwicklung der einzelnen Industriebranchen - wie im Übrigen auch der Dienstleistungsbranchen - ist dabei heterogen.

Die Darstellung der Branchen im Zyklus vermittelt einen Überblick über die Volatilität und die Positionierung der Branchen zum aktuellen Zeitpunkt.

Allgemeine Lage: Exporte unter Druck Die Exportzahlen für das erste Halbjahr 2012 zeigen, dass sich die Schweizer Industrie der anhaltenden Unsicherheit bezüglich der weltweiten Konjunktur nicht entziehen kann. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Exporte sowohl nominal (-0.2%) als auch real (-0.6%) leicht ab, wobei sich die Exportpreise dank der Wechselkursuntergrenze weitgehend stabilisierten.

Der Rückgang betrifft die Mehrheit der Branchen.

Ausnahmen stellen die Uhrenbranche, die chemischpharmazeutische Industrie und die Nahrungsmittelhersteller dar, welche ihre Ausfuhren sowohl real als auch nominal steigern konnten. Auf der anderen Seite traf es die Maschinenund Elektroindustrie, die Papierhersteller sowie die Textilbranche besonders hart: Hier schrumpften die Exporte in der ersten Jahreshälfte im Vorjahresvergleich mehrheitlich im zweistelligen Prozentbereich. Trotz der Stagnation beim Aussenhandel sowie vielerorts rückläufiger Produktion und Bestellungseingänge beurteilen die Industrieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage - dank der starken Binnenkonjunktur - gemäss Umfragen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) immer noch als knapp befriedigend.

Darstellung der Branchen im Zyklus

Abbildung 1 stellt eine Momentaufnahme der relativen Position der verschiedenen Branchen im eigenen Konjunkturzyklus dar. Ausgegangen wird dabei von einer relativen Wachstumsbe-trachtung. Die Extrempunkte der Kurven markieren die Punkte maximalen Wachstums respektive maximalen Rückgangs. Da wir nur die relative Position der Branchen im eigenen Zyklus betrachten, bedeutet eine höhere Position einer Branche im Vergleich zu einer anderen nicht zwingend, dass diese auch ein höheres Wachstum aufweist. Die Branchen bewegen sich im Zeitablauf von links nach rechts. Dabei gilt es aber zu be-achten, dass sich nicht alle Branchen mit derselben Ge-schwindigkeit weiterbewegen. Um der Heterogenität der Branchen Rechnung zu tragen, wurden vier Gruppen gebildet.

Uhrenindustrie weiterhin auf Wachstumspfad

Die Uhrenindustrie gehört zu den wenigen Industriebranchen, welche sich am aktuellen Rand noch in der Wachstumszone befinden. Aber auch sie hat ihren zyklischen Höhepunkt be-reits überschritten. Die kräftigen Wachstumsraten der vergan-genen Quartale werden allmählich nachlassen. Die globale Konjunkturabschwächung dürfte nicht spurlos an der Branche vorbeigehen, weshalb in der zweiten Jahreshälfte mit einer Wachstumsverlangsamung zu rechnen ist. Entscheidend wird insbesondere die Nachfrageentwicklung im Hauptexportmarkt Asien sein. Die Uhrenindustrie zeichnet sich durch ein ver-gleichsweise hohes strukturelles Wachstum sowie eine hohe Zyklizität aus (dunkelblaue Linie in Abbildung 1).

Rückläufige Geschäftsentwicklung im Maschinenbau

Der Abwärtstrend im Maschinenbau, welcher im zweiten Halb-jahr 2011 einsetzte, geht am aktuellen Rand weiter. Der Bran-che machen neben dem starken Franken insbesondere die Konjunkturschwäche in wichtigen Absatzmärkten - allen voran Europa, aber auch China - und die damit einhergehende In-vestitionszurückhaltung zu schaffen. Angesichts der anhalten-den globalen Unsicherheiten ist im zweiten Halbjahr 2012 mit weiteren Produktions- und Umsatzrückgängen zu rechnen. Erst 2013 dürfte sich die Lage verbessern. Der Maschinenbau weist ein relativ tiefes strukturelles Wachstum und eine hohe Volatilität auf (dunkelrote Linie in Abbildung 1)

Gastgewerbe nähert sich dem Tiefpunkt

Die Lage im Gastgewerbe ist nach wie vor äusserst ange-spannt. Die Branche verzeichnet aufgrund der Konjunkturlage in den für sie wichtigen europäischen Ländern und der Fran-kenstärke rückläufige Umsätze. Die Situation könnte sich kurz-fristig noch etwas weiter verschlechtern. Die Branche nähert sich aber ihrem zyklischen Tiefpunkt. Die zweite Jahreshälfte 2012 dürfte weiterhin von Minuszeichen geprägt sein, bevor sich 2013 - unter Annahme, dass die Eurozone aus der Re-zession herausfindet und die Schweizer Wirtschaft wieder stärker wächst - die Lage deutlich verbessert. Das Gastge-werbe zählt zur Gruppe der Branchen mit tiefem strukturellen Wachstum und tiefer Volatilität (hellrote Linie in Abbildung 1).

Detaillhandel hat Talsohle durchschritten

Die Geschäftslage des Detailhandels hat sich nach dem mise-rablen zweiten Halbjahr 2011 zu Beginn des laufenden Jahres stabilisiert. Während sich die realen Umsätze wieder auf dem Wachstumspfad befinden, sind die nominalen Umsätze auf-grund der Preiserosion gegenüber dem Vorjahr noch rückläu-fig. Die Branche hat den zyklischen Tiefpunkt allerdings durch-schritten. Die Wachstumsraten dürften sich insbesondere im zweiten Halbjahr aufgrund des Basiseffekts verbessern. Der Detailhandel läuft der Konjunktur tendenziell nach. Er dürfte deshalb erst wieder auf einen steileren Wachstumspfad finden, wenn die wirtschaftlichen Unsicherheiten in der Eurozone nachhaltig gelöst werden. Der Detailhandel ist nachfrageseitig gesättigt und befriedigt Grundbedürfnisse. Folglich weist die Branche ein tiefes Durchschnittswachstum bei geringer Vola-tiliät auf (hellrote Linie in Abbildung 1).

Herleitung der Zyklengrafik Mit der neuen Zyklengrafik fassen wir die zyklischen und strukturellen Eigenschaften der Branchen in einer übersichtli-chen Darstellung zusammen und bestimmen auf Basis unse-rer Einschätzung und der aktuellen Daten die Position der Branchen im Konjunkturzyklus (Abbildung 1). Dazu haben wir mittels realer Konjunkturdaten der letzten 10 Jahre die zykli-schen und strukturellen Eigenschaften der Branchen ge-schätzt. Diese Schätzungen dienten schliesslich dazu, die Branchen nach ihren Eigenschaften vier unterschiedlichen Gruppen zuzuordnen. Auf Basis der Schätzungen erstellten wir für jede Gruppe mithilfe von Sinus-Kurven stilisierte Kon-junkturzyklen. Dabei verhalten sich Branchen in der dunkel-blauen und dunkelroten Gruppe vergleichsweise stark zyk-lisch, wie an den starken Schwankungen der Kurven zu er-kennen ist. Branchen in der hell- und dunkelblauen Gruppe weisen ein vergleichsweise höheres strukturelles Wachstum auf. Dies erklärt das höhere Niveau dieser beiden Kurven im Vergleich zu den anderen. Die Branchen folgen diesen Zyk-len idealtypisch von links nach rechts. Hierbei handelt es sich jedoch um ein stilisiertes Konzept. In vielen Fällen durchlau-fen die Branchen die Zyklen aufgrund von exogenen Schocks sprunghaft. Zudem kann die Geschwindigkeit variie-ren. Dennoch vermittelt die neue Zyklengrafik ein vereinfach-tes Raster, welches eine übersichtliche Darstellung der Vola-tilität und der Positionierung der Branchen zum aktuellen Zeitpunkt erlaubt.

Fazit

Die Schweizer Wirtschaft präsentierte sich im ersten Halbjahr überraschend kräftig. Verschiedene Indikatoren zeigen aller-dings ein heterogenes Bild der Schweizer Branchenlandschaft und deuten auf eingetrübte Aussichten für die meisten Indust-riebranchen sowie für das Gastgewerbe. Die eher binnenorien-tierten Dienstleistungsbranchen hielten sich im ersten Halbjahr besser. Auch sie dürften hingegen mehrheitlich eine Ab-schwächung in der zweiten Jahreshälfte erleben, bevor sich die Situation für alle Branchen 2013 verbessert - unter der Voraussetzung, dass die Lage in der Eurozone nicht weiter eskaliert und die Weltwirtschaft insgesamt weiter expandiert.

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