Reiseveranstalter oder Reisevermittler?

(PresseBox) (Buch am Erlbach, ) Der Verbraucher bucht seine Reise, wobei die Frage, ob es bei dem Reisebüro um einen Reiseveranstalter oder einen Reisevermittler handelt, in den meisten Fällen nicht gestellt wird. Sie erlangt erst dann Bedeutung, wenn Reisemängel aufgetreten sind. Mehrfach muss­ten Gerichte und vor kurzem erneut der Bundesgerichtshof nach einen langwierigen Prozess klären, wer für die Folgen aus Reisemängeln haftet.

Reiseanbieter müssen sich dagegen schon sehr frühzeitig entscheiden, ob sie ihre Reisean­gebote als Veranstalter im eigenen Namen oder als Vermittler im Namen eines Veranstalters anbieten. Die Art des Auftretens führt zu unterschiedlichen Rechtsbeziehungen gegenüber dem Kunden. Sie hat aber auch erhebliche steuerliche Auswirkungen. Reiseanbieter verwal­ten meist hohe Geldbeträge der Unternehmen, die Reiseleistungen gegenüber den Verbrau­chern erbringen. Dies und die jeweiligen Steuerfolgen machen es erforderlich, alle Einzelhei­ten durch eine geordnete Buchführung nachzuweisen.

Es ging um einen Koffer, der bei einer Reise nicht befördert wurde. Die Reisende verlangt von dem beklagten Reisebüro Minderung des Reisepreises, Schadensersatz wegen mangelbedingter Mehr­kosten für die Reise sowie Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit. Bei der Reise handelte um eine kombinierte Flug- und Schiffsreise mit zwei Hotelaufenthalten auf Jamaika, die von dem Reisebüro nach den Wünschen der Reisenden individuell zusammengestellt wurde.

Das höchste deutsche Zivilgericht kam in dem Urteil zu dem Ergebnis, dass es weder einen Erfah­rungssatz noch eine gesetzliche Auslegungsregel gibt, wonach ein Reisebüro, das einzelne Reise­leistungen verschiedener Leistungserbringer zu einer individuellen, auf die Wünsche des Kunden zugeschnittenen Reise zusammenstellt, zwangsläufig als Reiseveranstalter anzusehen ist. Das Ur­teil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 30.09.2010 (Aktenzeichen Xa ZR 130/08) ist noch nicht veröffentlicht, nähere Einzelheiten ergeben sich aber aus der Pressemitteilung 186/2010, die auf der Homepage www.bundesgerichtshof.de zu finden ist.

Zivilrechtlich sind Schadenersatzansprüche wegen Reisemängeln in aller Regel gegenüber dem Veranstalter geltend zu machen. Hierfür sind gesetzlich bestimmte Formen und Fristen vorgesehen. Wenn im Ergebnis das falsche Unternehmen in Anspruch genommen wird, kann es durchaus sein, dass bis zur Klärung alle Fristen für eine Geltendmachung bei dem richtigen Adressaten verstrichen sind.

Für die Besteuerung ergeben sich erhebliche Unterschiede, ob ein Reisebüro als Veranstalter oder Vermittler auftritt oder vom Finanzamt als das eine oder andere angesehen wird. Allgemein ist an­erkannt, dass das Steuerrecht der zivilrechtlichen Beurteilung folgt.

Ein Reisevermittler handelt im Namen und für Rechnung des Veranstalters. Sofern er nicht in eige­nem Namen zusätzliche Leistungen erbringt, verdient er nur die mit den Veranstaltern vereinbarten Provisionen. Wenn er von den Reisenden Gelder vereinnahmt - was in der Praxis regelmäßig vor­kommt - handelt es sich um fremdes Geld, das dem Veranstalter gehört und das getrennt vom ei­genen Geld aufbewahrt werden muss. Da diese strikte Trennung oft nicht praktiziert wird, muss sich zumindest aus der Buchführung jederzeit eine ordnungsgemäße Rechnungslegung ermitteln lassen.

Bei umfangreichen Geschäftsvorfällen ist ein Reisevermittler gut beraten, für jeden Veranstalter getrennte Konten in seiner Buchführung anzulegen. Sammelkonten erschweren die Rechnungsle­gung und verursachen immer wieder erheblichen und unnötigen Zeitaufwand für Abstimmarbeiten.

Der Reisevermittler versteuert die Provision, die er von dem oder den von ihm vertretenen Veran­staltern erhält. In den meisten Fällen wird die Umsatzsteuer zusätzlich vergütet. Diese muss er nach Abzug der Vorsteuern an das Finanzamt abführen. Sein Gewinn errechnet sich aus der Summe seiner Provisionen abzüglich der Kosten, die ihm anlässlich des Betreibens seines Reisebüros ent­stehen.

Der Reiseveranstalter kauft von vielen Leistungserbringern, wie Verkehrsunternehmen und Hotels, Leistungen ein, die er meist zu Pauschalreisen zusammenfügt und an Reisende verkauft. Er han­delt in eigenem Namen und auf eigene Rechnung.

Da Kosten und Erträge häufig vor oder nach Ende eines Geschäftsjahres abgerechnet werden oder entstehen, empfiehlt es sich, im Rechnungswesen organisatorische Vorkehrungen für diese Ab­grenzungen, z.B. durch an Reisezeiten gekoppelte Konten, zu treffen. Hier kann durch kluges Vor­ausdenken sehr viel Arbeitszeit eingespart werden.

Der Gewinn des Reiseveranstalters besteht aus der Differenz seiner Erlöse und der Kosten. Neben den bereits erwähnten Kosten der Leistungserbringer gehören dazu natürlich auch die an die Rei­severmittler bezahlten Provisionen.

Hinsichtlich der Umsatzsteuer bestehen für Reiseveranstalter ganz besondere Regelungen, die sich aus § 25 Umsatzsteuergesetz (UStG) ergeben, die sogenannte Margenbesteuerung. Die Umsatz­steuer wird aus der Differenz zwischen dem Reisepreis, den der Reisende bezahlt und den soge­nannten Reisevorleistungen (Beförderung, Hotel etc.) berechnet.

Allerdings wird unterschieden, ob die Reise ins Inland, ins Europäische Ausland oder in sogenannte Drittlandsgebiete (das sind Reiseziele außerhalb der EU) führt. Die richtige Ermittlung der soge­nannten Marge stellt meist hohe Anforderungen an das Rechnungswesen eines Reiseveranstalters.

COLLEGA Software GmbH bietet eine aus der Praxis entwickelte Organisation des Rechnungswe­sens für Reisevermittler und Reiseveranstalter an. Diese hat sich auch in den Fällen bewährt, in denen Veranstalter zusätzlich die Reisen anderer Veranstalter als Vermittler oder Co-Veranstalter verkaufen. Nähere Einzelheiten finden sich auf www.collega.de / Glossar / Stichwort "Reisebüro Buchführung - Steuerberatung Margenbesteuerung".

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