EU Emissionshandel: News, Daten und Fakten der KW 21/2010

(PresseBox) (Mödling, ) .
- EUAs stark bis zur Wochenmitte
- Gewinnmitnahmen schicken EUAs ab Donnerstag wieder ins Minus
- Steigerungen beim Energiekomplex für EUA-Gewinne verantwortlich
- EU wird erst später über 30%-Einsparungsziel entscheiden - Weiterverwendung von einigen CER-Arten post 2012 eventuell nur mit Abschlägen
- Spot EUAs 14,92
- Spot CERs - 12,59 - EUA/CER Spread 2,33

Das Handelsvolumen war am ersten Tag der Woche verhalten, immerhin war in 11 EU-Staaten der Pfingstmontag ein offizieller Feiertag. Der Energiekomplex startete sehr stark, wobei vor allem der für den EUA-Dez10 Kontrakt relevante Gaspreis hohe Steigerungen erfuhr. Darauf aufbauend legten die EUAs knapp 70 Cent zu und schlossen bei 15,42 Euro.

Der Markt reagierte am Dienstag nervös auf neue Nachrichten über die Schuldenproblematik in der EU, vor allem auf die Rettungsaktion für eine angeschlagene spanische Bank. Schwächere Energiepreise taten ihr Übriges, sodass die Emissionsrechte auf 15,20 Euro nachgaben. Untertags erzielte die wöchentliche Auktion von Spot EUAs in Deutschland 14,72 Euro.

Öl stand am Mittwoch hoch im Kurs, was auch positive Auswirkungen auf den EUA-Preis hatte. Bei gleichzeitig leicht positiven Entwicklungen beim deutschen Strompreis legten die EUAs auf 15,70 Euro zu. Deutschland konnte im Lauf des Tages 15,35 Euro je auktioniertem EUA-Dez10 Kontrakt einnehmen.

Die Ankündigung der EU-Kommission, über ein potenzielles Einsparungsziel von 30% erst zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, veranlasste einige Marktteilnehmer zu Gewinnmitnahmen. Dabei wurde der Höhenflug des Öls geflissentlich ignoriert. Die EUAs verloren auf 15,49 Euro und waren damit im Einklang mit schwächerem Gas und Strom.

Am Freitag ging es noch etwas weiter hinunter. Vor dem britischen Feiertag am Montag schlossen viele Händler ihre Positionen. Der Energiekomplex war leicht im Minus, weshalb die Verschmutzungsrechte tiefer als am Vortag - bei 15,11 Euro - aus der Woche gingen. Die Möglichkeit, dass manche CER-Typen (etwa HFC, N2O) nach 2012 nur mit Abschlag eingesetzte werden könnten, erhöhte zusätzlich den Druck auf die CERs.

Am Spotmarkt gewannen die EUAs leicht dazu und schlossen bei 14,92 Euro. Spot CERs waren mit 12,59 Euro ebenfalls stärker als in der Vorwoche. Der Spot EUA/CER Spread betrug damit relativ hohe 2,33 Euro.

Lufthansa fordert Verschiebung des Emissionshandels

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber fordert von der EU-Kommission, die Einbeziehung der Luftfahrtgesellschaften in den Emissionshandel zu verschieben.

Der harte Winter und die Aschewolke verfälschten die Startbedingungen zwischen den europäischen Fluggesellschaften, sagte Mayrhuber der "Welt am Sonntag". Auf Beschluss der EU soll der Luftverkehr von Januar 2012 an in den Emissionsrechtehandel einbezogen werden. 2010 ist das Referenzjahr für die Berechnung.

Mayrhuber warnt daher vor einer Diskriminierung unter den europäischen Airlines. "Das würde uns in den nächsten zehn Jahren 30 bis 40 Millionen Euro mehr kosten, weil wir für die Flüge, die wir mehr durchführen als im Referenzjahr, entsprechende Zertifikate kaufen müssten.

Quelle: dpa

Hedegaard: Klimaziele noch nicht erhöhen

Angesichts der stockenden Weltklimaverhandlungen muss die Europäische Union mit der Erhöhung ihrer Klimaschutzziele noch warten. Das hat EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard am Mittwoch in Brüssel empfohlen, gleichzeitig aber auf die in Folge der Wirtschaftskrise massiv gesunkenen Kosten für die Absenkung des Treibhausgas-Ausstoßes verwiesen. Mit Blick auf den Neustart der formalen UN-Klimaverhandlungen im Juni in Bonn forderte die Dänin, die Teilnehmer müssten sich auf «Substanz und Inhalte statt Diskussionen über das Prozedere» konzentrieren.

Sollten sich andere wichtige Volkswirtschaften im Rahmen eines Weltklimaabkommens ebenfalls auf «faire» Reduktionsziele verpflichten, könne Europa sein im Dezember 2008 beschlossenes Ziel zur Absenkung des Kohlendioxid(CO2)-Ausstoßes um ein Fünftel bis 2020 auf 30 Prozent anheben, sagte Hedegaard.

Beobachter fordern, Europa müsse jetzt einseitig auf 30 Prozent erhöhen, um die stockenden UN-Verhandlungen in Gang zu bringen. Auch EU-Länder wie Schweden oder Großbritannien argumentieren in diese Richtung. Die Bundesregierung ist in der Frage gespalten.

Eine einseitige Erhöhung mache derzeit «keinen Sinn», betonte Hedegaard. Erst im Herbst würden die EU-Institutionen Zwischenbilanz ziehen, um sich für den nächsten Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún richtig aufzustellen.

Die Dänin machte aber auch klar, dass aus ihrer Sicht eine Verschärfung der Klimagesetze im Eigeninteresse der EU ist. «Wegen der Krise hat Europa nicht ausreichend in grüne Technologien investiert», warnte sie. «Andere Regionen wie Asien bewegen sich, und zwar schnell.»

2008 seien die Kosten für das 20 Prozent-Reduktionsziel auf 70 Milliarden Euro jährlich veranschlagt worden, rechnete die Kommissarin vor. Eine Erhöhung dieses Ziels auf 30 Prozent habe zum jetzigen Zeitpunkt ein Preisschild von 81 Milliarden Euro - elf Milliarden Euro mehr. Bleibe die EU bei 20 Prozent, hätten sich die Kosten dafür durch die Krise auf 48 Milliarden Euro reduziert.

So seien unter anderem wegen des niedrigeren Wirtschaftswachstums die CO2-Emissionen gesunken und habe sich aufgrund höherer Energiepreise die Effizienz verbessert. Im Rahmen des Emissionshandelssystems (ETS) sei der CO2-Preis deutlich gesunken.

Die zusätzlichen 33 Milliarden seien «nichts, was man sich aus dem Ärmel schüttelt», betonte Hedegaard. «Aber das ist kein verlorenes Geld.» Dividenden seien Anreize für Investitionen in grüne Technologien, mehr Arbeitsplätze, Energiesicherheit oder sauberere Luft. So könnten 40 Milliarden Euro in Energieimporten gespart werden und bis zu acht Milliarden Euro an Gesundheitskosten.

Auch werde einer Abwanderung der europäischen Industrie entgegengewirkt, da die Kommission erneut Schutzmaßnahmen für energieintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb vorsehe.

Umweltschützer begrüßten die Analyse. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssten auf ihrem Gipfeltreffen am 17. Juni die nötigen Schritte für die Erhöhung auf 30 Prozent einleiten, forderte EU-Klimaexperte Jason Anderson vom World Wide Fund for Nature (WWF). Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms unterstrich, im Rahmen eines Weltklimaabkommens müssten noch ehrgeizigere Ziele beschlossen werden, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. «Eine starke Klimapolitik ist gut für die Wirtschaft und schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze in Europa», sagte sie.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese bezeichnete das Papier als «wichtigen Schritt». Der Kopenhagener Klimagipfel sei «vor allem an den Positionen der USA und Chinas gescheitert». Aber die Verhandlungspartner hätten auch gespürt, dass die EU zwar immer von der Möglichkeit geredet habe, auf 30 Prozent zu erhöhen, intern aber keine Strategie zur Umsetzung gehabt habe. «Dieser Missstand ist nun zumindest teilweise beseitigt.»

Quelle: dpa

Neues Weltklimaabkommen in Cancún 'höchst unwahrscheinlich'

Die Aussichten für ein rasches neues globales Klima- Abkommen sind gering. Es sei «höchst unwahrscheinlich», dass ein verbindliches Abkommen auf dem nächsten Weltklimagipfel in Cancún (Mexiko) im November/Dezember erreicht werde, sagte der Chef des UN- Klimasekretariats, Yvo de Boer, am Dienstag (25.05.10) in Bonn.

Auf der bevorstehenden Bonner UN-Klimakonferenz, zu der vom 31. Mai bis 11. Juni rund 4000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden, werde es vor allem darum gehen, sich auf neue Verhandlungstexte zu verständigen. Ob selbst dieses Minimalziel gelingt, ist ungewiss.

Bisher ist noch offen und strittig, wie es nach dem weitgehend gescheiterten Gipfel von Kopenhagen mit der internationalen Klimapolitik weitergehen und was genau in Cancún angestrebt werden soll. Nicht entschieden ist auch, wie bei den weiteren UN- Verhandlungen mit der in letzter Minute präsentierten Kopenhagen- Vereinbarung verfahren werde. Rund 70 Länder haben ihr bisher eine Anerkennung verweigert.

Auch die Fortführung des 2012 auslaufende Kyoto-Protokolls hängt in der Schwebe. Es verpflichtet fast alle Industrieländer zur Minderung von Treibhausgasen. Es müsse hier rasch Klarheit geschaffen werden, um auch dem Markt mit dem Emissionshandel und der privaten Wirtschaft klare Signale zu geben, sagte der Ende Juni aus dem Amt scheidende Yvo de Boer. Die Krux liege darin, dass die EU nicht bereit sei, Lasten weiter zu schultern, wenn die USA nicht ebenfalls mitzögen. Die USA, die beim Kyoto-Protokoll bisher nicht dabei sind, wollten aber auch Schwellenländer wie China und im Boot haben.

Bei den Finanzhilfen müssten die Industrieländer zu ihren Zusagen für Kurzfristgelder in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar (24 Milliarden Euro) von 2010 bis 2012 stehen, sagte de Boer. Auf der Ministerkonferenz auf dem Petersberg Anfang Mai hatte de Boer kritisiert, dass ein Teil der in Aussicht gestellten Gelder nicht «neu» oder «zusätzlich sei», sondern aus anderen Entwicklungshilfetöpfen nur umgewidmet werden sollten. Damit könne bei den ärmeren Ländern kein Vertrauen gebildet werden.

Auf dem Weg nach Cancún soll es noch eine Vielzahl von formellen und informellen Verhandlungen geben. Darunter sind auch zwei größere UN-Konferenzen geplant, eine vom 2. bis 6. August wiederum in Bonn und eine weitere im Herbst an noch nicht festgelegtem Ort.

Quelle: dpa

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