Schrottmarktbilanz 2008

Schrottverbrauch ist um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen

(PresseBox) (Bonn, ) In Deutschland wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 45,8 Mio. Tonnen Stahl erzeugt und damit 5,6 Prozent weniger als im Jahre 2007. Der Schrottverbrauch der Stahlwerke betrug 20,7 Mio. Tonnen, was einem Rückgang gegenüber 2007 von 4,7 Prozent entspricht. Den Schrottzukauf vom Handel reduzierten die Stahlwerke um fast 6 Prozent und kauften mit 16,3 Mio. Tonnen 1 Mio. Tonnen weniger als 2007. Trotz der rückläufigen Produktionsmengen stieg der Schrottanteil an der Rohstahlproduktion um 0,4 auf über 45 Prozent, womit die Bedeutung des Rohstoffs Schrott nochmals zugenommen hat. Nach ersten Schätzungen im Bereich des Eisen-, Stahl- und Tempergusses konnte die Produktion im Vergleich zu 2007 leicht zulegen. Der Schrottverbrauch der Gießereien in Höhe von geschätzten 4 Mio. Tonnen verzeichnete ebenfalls ein leichtes Plus gegenüber 2007.

Während der Schrottexport in die Europäische Union und in Drittländer ist gegenüber dem Vorjahr etwas höher, weil allein die türkischen Stahlwerke mit rund 7,2 Mio. Tonnen über 1 Mio. Tonnen Schrott mehr in Europa gekauft haben als 2007. Die Importmengen sind nach ersten Schätzungen geringer als 2007, was sicherlich eine Folge der hohen Produktionsleistungen in den einzelnen Ländern mit einem eigenen relevanten Schrottaufkommen bis September 2008 ist.

Im vergangenen Jahr war die Entwicklung des Schrottmarktes zweigeteilt. Während der Markt im ersten Halbjahr boomte, schwächte er sich im zweiten deutlich ab. Noch bis Juli deutete alles auf eine Rekordrohstahl- und Gussproduktion hin verbunden mit einem Rekordverbrauch an Schrott. Auf dem Schrottmarkt gerieten die Marktverhältnisse wegen des starken Schrottabflusses in den Monaten Januar, März, April und Mai in die Länder des Mittelmeerraumes in starke Unordnung. Die extrem hohe Nachfrage insbesondere nach Langstählen im Nahen Osten und den CIS-Ländern setzte eine Preisspirale für Stahl und Schrott in Gang, für die kein Ende abzusehen schien. Die starken Zukäufe insbesondere der türkischen Stahlwerke, die im ersten Halbjahr 2008 mit rund 5 Mio. Tonnen Schrott fast 1,6 Mio. Tonnen mehr als im Vergleichszeitraum 2007 kauften, führten bis Mai zu Preiserhöhungen um rund € 200 pro Tonne. Nachfolgende Grafik des Eurofer-Durchschnittspreises für die Sorte E 40 Shredderschrott verdeutlicht die Entwicklung.

Mit den Schrott- und Stahlpreisen stiegen die Ölpreise. Sie erhöhten sich von US-$ 85 pro barrel im Januar auf US-$ 147 pro barrel im Juli, wobei die Schrottpreise bereits im Juni stagnierten. Die Jahresvertragspreise für Erz stiegen im März um 65 - 87 Prozent und die Kokskohlepreise sogar um 200 Prozent, dabei verlor der US-Dollar gegenüber dem Euro beständig an Wert. Im Vorfeld der Olympischen Spiele in China steigerten die Chinesen ihren Stahlverbrauch und der Bauboom im Nahen Osten nahm gestützt durch die gestiegenen Ölpreise gigantische Ausmaße an. Der weltweite Boom versprach Verbrauchszuwächse im Langstahlbereich im zweistelligen Bereich. Die deutschen Werke kauften im Juni die Rekordmenge von 1,6 Mio. Tonnen zu. Sie taten dies, weil sie mit weiter steigenden Preisen rechneten und die Sicherung einer ausreichenden Bevorratung im Vordergrund stand. (vgl. hierzu Bild 2).

Eigentlich waren schon im März die negativen Auswirkungen der Immobilienkrise spürbar, aber niemand reagierte auf die Signale. Schrottpreise von über € 400 pro Tonne erhöhten beim Schrotthandel das Finanzierungsrisiko und die Lagermengen banden erhebliche finanzielle Mittel. Durch die weltweit boomende Stahlproduktion verschärfte sich das regionale Ungleichgewicht des Schrottaufkommens. Die Türkei musste im vergangenen Jahr bei einer Stahlproduktion von 26,4 Mio.Tonnen rund 17,2 Mio. Tonnen Schrott einführen. Sie versorgte sich in Europa mit über 7 Mio.Tonnen und damit über 1 Mio. Tonnen mehr als 2007. Solange die Stahlhersteller ihre Preisvorstellungen im Markt umsetzen konnten, wurden die steigenden Rohstoffkosten akzeptiert. Den türkischen Stahlherstellern war es im Mittleren Osten sogar gelungen Preise von US-$ 1.500 pro Tonne durchzusetzen, verbunden mit Schrottpreisen, die bei über US-$ 700 pro Tonne lagen. Ab April gab es weltweit deutliche Signale, dass die geforderten Preise für die Verbraucher nicht länger bezahlbar waren, so nannten auch in Deutschland einige Stahllieferanten keine Fest- sondern nur noch Tagespreise auf deren Basis verlässliche Kalkulationen nicht mehr möglich waren. Die Schrottpreise wurden nicht mehr monats- sondern tages- bzw. schiffsladungsweise verhandelt - eine ganz neue aber sehr schwierige Erfahrung für die Schrottwirtschaft.

Im zweiten Halbjahr 2008 kehrte sich der Markt um. Die Abschwächung im Juli bezeichneten Experten noch euphorisch mit "Sommerloch". Die Schrottexporte in Drittländer nahmen stark ab und es kam sehr schnell zu einem Überangebot an leichten Altschrotten, da das extreme Schrottpreisniveau das Sammelaufkommen deutlich erhöht hatte und nicht umgehend zu stoppen war. Den zaghaften Abschlägen vom Juli ließen die Verbraucher im gesamten EU-Raum im August und September Preissenkungen insgesamt € 150 - 185 pro Tonne folgen. Gleichzeitig weitete sich die Finanz- und Bankenkrise gefährlich aus.

Die Olympischen Spiele im August, der bis zum 30. September dauernde Fastenmonat Ramadan und weltweit hohe Stahlbestände, die zum großen Teil in Erwartung steigender Preise im Herbst noch, im Juni angelegt wurden, trafen mit der einbrechenden Konjunktur zusammen. Der Ölpreis sank schnell auf rund US-$ 45 pro barrel und der Euro verlor gegenüber dem Dollar beständig an Wert. Die Absatzkrise der Automobilindustrie weitete sich von Monat zu Monat aus und zog die Zulieferer mit sich.

Die deutschen Stahlwerke kauften vom Schrotthandel in der zweiten Jahreshälfte 1,5 Mio. Tonnen weniger Schrott als im ersten Halbjahr und produzierten fast 3 Mio. Tonnen weniger Rohstahl.

Weltweit reduzierten die Hersteller ihre Produktion im 4. Quartal um 40 - 50 Prozent. Im November senkten die deutschen Verbraucher die Annahmepreise um nochmals rund € 100 pro Tonne und die Exportnotierungen fielen auf ein nicht mehr kostendeckendes Niveau von rund US-$ 130 pro Tonne Zu diesen Preisen waren jedoch die Händler nicht mehr bereit zu liefern und die Verbraucher reagierten mit Anpassungen im Dezember sowohl im EU-Raum als auch im Tiefseeexportgeschäft, da die türkischen Stahlwerke im November und ab Mitte Dezember bis Januar über 2 Mio. Tonnen Schrott in Europa und den USA kauften. Den Stahlwerken gelang es nicht, die gewünschten Mengen und die gewünschten Preise bei ihren Kunden durchzusetzen, so dass die Exportpreise wieder schwächer notierten (vgl. Bild 3)

Ein ganz neues Geschäftsgebaren zeigte der weltgrößte Stahlhersteller. Er annullierte im Oktober bereits abgeschlossene Verträge mit der Begründung der schlechten Marktlage. Dieses Vorgehen, rief starke Proteste nicht nur in der Schrottwirtschaft sondern auch bei anderen betroffenen Geschäftspartnern, wie Kohlelieferanten oder Reedereien hervor. Weitere wichtige den Schrottpreis beeinflussende Größen sind die Frachten oder der Roheisenpreis als Alternative zum Schrott. Kostete der Schrotttransport von Rotterdam in die Türkei im Januar 2008 noch US-$ 55 - 60 pro Tonne, so stieg er im Mai auf US-$ 70 - 75 pro Tonne und sank im November auf US-$ 12 - 20 pro Tonne. Der Frachtenmarkt hat den Boden erreicht und er beginnt sich langsam auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. An den Preisen für Gießereiroheisen lassen sich außergewöhnlichen Marktbedingungen des vergangenen Jahres ebenfalls gut ablesen. Im Januar 2008 kostete russisches Roheisen € 385 - 400 pro Tonne, es stieg im Juni auf über € 700 - 730 pro Tonne und war im Januar 2009 für rund € 300 pro Tonne zu haben. Es ist derzeit günstiger zu haben als die entsprechenden Schrottsorten. Während die Gießer die Marktentwicklung noch im August sehr zuversichtlich beurteilten, leiden mittlerweile besonders die Eisengießereien, die zu 60 Prozent von der Automobilindustrie abhängig sind, extrem unter der derzeitigen Wirtschaftslage. Umfangreiche Produktionskürzungen wurden und werden vorgenommen. Die Rohstahlproduktion in Deutschland ist im Januar nochmals deutlich gesunken. Prognosen hinsichtlich Preis- und Mengenentwicklungen können vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise nicht seriös sein. Die geringe Nachfrage trifft auf ein entsprechendes Angebot auf dem Schrottmarkt. Der Zulauf zu den Lägern ist schwach. Der Neuschrottentfall ist wegen der Produktionskürzungen im Automobil- und Maschinenbau gering, der Bedarf der Verbraucher ebenfalls. Sollte die Nachfrage steigen, folgen die Preise umgehend. Die Schrottwirtschaft muss sich auf weiter schwankende Preise einstellen.

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