13. Internationaler Altpapier-Tag 2010

Neue Zuversicht nach einem schwarzen Jahr

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Das Thema Altpapier und Wiederverwertung war wieder einmal sehr gefragt: 600 Teilnehmer aus aller Welt trafen sich zum 13. Internationalen Altpapiertag 2010 in Düsseldorf ? organisiert vom bvse, dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Dabei war 2009 ein schwarzes Jahr. Die Rezession hat die Altpapierbranche mit voller Wucht getroffen. Allein in Deutschland sei der Verbrauch an Altpapier um 4,5% zurückgegangen ? so Hubert Neuhaus, Vorsitzender des bvse-Fachverband Papierrecycling.

Hubert Neuhaus: "Das Jahr 2009 war ein Krisenjahr für unsere Branche und ein schlechtes Jahr für unsere Kunden. Weniger Werbung, weniger Presseerzeugnisse, der Zeitungsproduktionsbereich ging stark zurück, der Verpackungsproduktionsbereich ging stark zurück. Damit verbunden ging zudem der Anfall an Altpapier stark zurück. Wir waren bisher immer Steigerungsquoten gewohnt, nun ging es rückwärts. Das war unsere Problemlage im Jahr 2009".

Aber die Trendwende ist nun da. Der Altpapiermarkt hat sich belebt. Die Nachfrage nach Altpapier, aus Asien aber vor allem auch aus Deutschland und Europa, hat sich inzwischen wieder deutlich verbessert.

Auf die allgemeine wirtschaftliche Lage ging Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des BDI, in einer vielbeachteten Rede ein. Henkel machte angesichts der weltweiten Finanzkrise deutlich, dass es viele Verlierer gibt. Unter ihnen eine Reihe von Banken, die sich mit intransparenten Paketen von Hypothekenkrediten verspekuliert haben. Ebenso Sparer, die den Zertifikaten der US-Bank Lehman Brothers vertrauten und bei deren Zusammenbruch ihr Geld nicht wieder bekamen. Und auch den Steuerzahler zählte er zu den Verlierern, der in vielen Fällen jetzt zur Rettung der Institute in die Pflicht genommen wird.

Der größte Verlierer dieser Krise, so Henkel, sei aber die Wahrheit. Wer die deutsche Debatte der vergangenen Wochen verfolgt habe, müsse den Eindruck gewinnen, die Bankenkrise sei ein Beweis für das Versagen der Marktwirtschaft.

Henkel: "Natürlich kann niemand ernsthaft bestreiten, dass wir es mit einer großen Krise zu tun haben, in deren Vorfeld gewaltige Fehler gemacht wurden. Versagt hat aber nicht der Markt ? er hat im Gegenteil völlig logisch reagiert. Versagt haben Institutionen und einzelne Menschen wie Politiker und Manager". Er kritisierte Ratingagenturen, die Schrottkredite zu hoch bewertet haben und auch die US-Notenbank, die Amerika jahrelang mit zu billigem Geld versorgt und damit die Immobilienblase verursacht habe. Henkel ließ in seiner Rede aber auch keinen Zweifel daran, dass "wir im Zuge der Finanzkrise neue Regeln brauchen". Wer aber aus dieser Lektion öffentlich den Schluss ziehe, dass jetzt eine Systemänderung erforderlich sei, der handle nicht nur fahrlässig, sondern gemeingefährlich.

"Es gibt kein besseres System als die Marktwirtschaft, wenn wir das Ziel verfolgen, das Streben nach Glück und Wohlstand in produktive Bahnen zu lenken. Statt Ängste zu schüren, statt nach einem wie auch immer gearteten Dritten Weg zu suchen, sollten wir uns gerade jetzt, fast 20 Jahre nach dem Ende des Staatssozialismus, wieder an diese einfache Wahrheit erinnern", bekräftigte der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie.

Weiterer Brennpunkt der Altpapiertagung aus Sicht des bvse: Das Bundesverwaltungsgericht hat im vergangenen Jahr die gewerbliche Altpapiersammlung bei privaten Haushalten faktisch verboten. Der bvse hat im letzten Jahr dagegen umgehend Beschwerde bei der Europäischen Union eingelegt. Inzwischen hat die EU-Kommission diese Beschwerde aufgegriffen und ein Auskunftsersuchen an die Bundesregierung gestellt. Ein erfreulicher Zwischenerfolg aus Sicht der privaten Entsorgungswirtschaft. So bezeichnete denn auch Hubert Neuhaus, Vorsitzender des bvse-Fachverband Papierrecycling, die Entscheidung der EU-Kommission als "deutliche Warnung" an all jene, die meinen, sie könnten der privaten Altpapierbranche den Marktzutritt versperren.

Jetzt müsse die anstehende Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes genutzt werden um die Stellung der privaten Sekundärrohstoffbranche zu sichern, hieß es, denn es komme darauf an die Versorgung der Industrie mit wertvollen Sekundärrohstoffen zu gewährleisten - und das sei eine Aufgabe der privaten Entsorgungswirtschaft. Der vorliegende Gesetzesentwurf bleibe jedoch hinter diesen Erwartungen zurück, wie bvse-Präsident Burkhard Landers in seiner Rede auf der Altpapiertagung kritisierte. Deshalb habe sein Verband einen eigenen Vorschlag in die Diskussion eingebracht.

Burkhard Landers: "Wir haben einen Vorschlag gemacht, der sowohl europarechtskonform als auch sehr praktikabel ist. Wir wollen, dass die Kommunen in diesem Land steuern, lenken, planen. Dafür haben sie auch ein demokratisches Mandat und danach wird auf dem Markt ausgeschrieben. Dann können sich alle Unternehmen, kommunale wie private Unternehmen, um die Aufträge bewerben. Das führt zu effizienten Strukturen und zu vernünftigen Marktpreisen."

Fazit: Die Altpapierwirtschaft hat sich trotz der gravierenden Weltwirtschaftskrise behauptet, ihre Sammelstrukturen haben funktioniert. Es ist jetzt an der Zeit, dass der Gesetzgeber das honoriert und die Stellung der mittelständischen Sekundärrohstoffunternehmen stärkt.

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