MedInform-Seminar zu den Chancen neuer Versorgungsformen für MedTech-Innovationen am 28. April 2010 in Berlin

(PresseBox) (Berlin, ) Beim Marktzugang von Innovationen der Medizintechnologie werden künftig die neuen Versorgungsformen über Einzelverträge deutlich an Bedeutung gewinnen. Die MedTech-Unternehmen müssen sich auf die Chancen von Modellvorhaben, Haus- und Facharztverträgen oder Integrierten Versorgungsverträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern einstellen, um aus den Zwängen des Kollektivvertragssystems ausbrechen zu können. Das verdeutlichte das MedInform-Seminar "Innovationen im Gesundheitsmarkt - Marktzugang innovativer Medizinprodukte über Neue Versorgungsformen" in Zusammenarbeit mit Hildebrandt GesundheitsConsult (HGC) am 28. April 2010 in Berlin. MedInform ist der Informations- und Seminarservice des BVMed.

Der über Neue Versorgungsformen abgedeckte Anteil des Gesundheitsmarktes wächst zunehmend. Der Gesetzgeber wird künftig zunehmend den Rahmen vorgeben und den Krankenkassen, Krankenhäusern und Ärzten mehr Freiräume geben. Im Kollektivvertragssystem werden die Handfesseln immer enger angezogen. Neue Versorgungsformen gewinnen damit an Bedeutung. Das entsprechende Potenzial kann aber nur dann realisiert werden, wenn die mit den Neuen Versorgungsformen verbundenen Anforderungen und Anreizmechanismen bekannt sind. Die Beratungsexperten vermittelten den rund 30 Teilnehmern Erfolgsfaktoren im Umgang mit der "Gestaltungswiese" der Neuen Versorgungsformen. Konkrete Fallbeispiele stellte Dr. Christoph Vauth von der Krankenkasse KKH-Allianz und Dr. Martin Wetzel vom Arztnetz Gesundes Kinzigtal vor. "Gute Chancen haben Innovationen mit einem Mehrnutzen zum herkömmlichen Verfahren und nachgewiesener Wirtschaftlichkeit", so Vauth.

HGC-Geschäftsführer Magnus Stüve führte in neue Marktzugangsoptionen außerhalb der Regelversorgung über Neue Versorgungsformen ein. Da das Gesundheitssystem auf Innovationen angewiesen sei, laute die Kernfrage: Wie kann der Zugang von versorgungsverbessernden Innovationen erreicht werden? "Innovationen haben künftig nur noch eine Chance, wenn der Nutzen für das System und die Patienten nachgewiesen werden kann", so Stüve. Eine Analyse der nächsten Jahre zeige, dass sich der Marktzugang mit Verdrängungstendenzen weiter erschwere. Der ambulante und stationäre Marktzugang würden sich vermutlich zunehmend angleichen. Kaufentscheidungen würden mehr und mehr nach rein ökonomischen Kriterien erfolgen. Fazit: Innovationen müssen künftig nicht nur gut sein, sondern besser als der Standard, wenn sie das "Nadelöhr" Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) passieren wollen. Probleme gebe es mit MedTech-Innovationen, die noch ohne Nutzennachweis sind, die besser aber auch teurer als der Standard sind, die nur bei bestimmten Patientenkollektiven überlegen sind, deren Nutzen vorwiegend im Folgesektor auftritt oder die nicht in bestehende Vergütungsschemata passen und für die der traditionelle Marktzugang zu lange dauert. Hier können neue Versorgungsformen helfen. Stüve: "Krankenkassen sind sehr an sektorübergreifendem Indikationsmanagement interessiert." Indikationsbezogene Konzepte werden unter dem Gesundheitsfonds an Bedeutung gewinnen. Die Unternehmen der Medizintechnologie brauchen Partner, mit denen sie gemeinsam ein solches Konzept gebündelt anbieten können.

Das "Instrumentarium" für neue Versorgungsformen bzw. "Managed Care"-Modelle sei in Deutschland der Selektivvertrag - in Abgrenzung zum Kollektiv-Vertragssystem. Aus den verschiedenen Vertragsoptionen seien für die Medizinprodukteindustrie vier Bereiche interessant:

- Modellvorhaben (§ 63ff SGB V)
- Hausarztzentrierte Versorgung (§ 73b SGB V)
- Besondere ambulante ärztliche Versorgung (§ 73c SGB V)
- Integrierte Versorgung (§ 140ag SGB V)

Die Medizinprodukteindustrie ist dabei kein direkter Vertragspartner der Krankenkassen. Die Einbindung ist aber direkt oder indirekt über Leistungsanbieter möglich. Die Industrie ist ein "gewollter Partner", wenn beispielsweise ein Beitrag zur stationären Fallvermeidung geleistet werden kann. Erfolgskriterien seien Überlegenheit, Nutzenund/ oder Einsparpotenzial, Marketingeignung, Produkteinbindung in Versorgungskonzepte sowie Kenntnis der Präferenzen von Kassen und deren Vertragspartnern. Fazit: "Die wachsende Bedeutung Neuer Versorgungsformen rückt neue Zielgruppen und veränderte Prioritäten in den Mittelpunkt."

Dr. Christoph Vauth von der KKH-Allianz in Hannover schilderte die Perspektive einer Krankenkasse zu Selektivverträgen. Nach Einführung des Gesundheitsfonds müssen die Krankenkassen die Versorgung aktiv mitgestalten und die Interessen der Versicherten weiter in den Mittelpunkt stellen. Interessant für neue Versorgungsformen sind "echte Innovationen" aus der Medizintechnologie vor der breiten Einführung. Für die Krankenkasse spielt der Bereich "Innovationsführerschaft" dabei eine große Rolle. Für neue Versorgungsformen müssen die drei Faktoren "Nutzen - Risiko - Steuerung" zusammenkommen. Die KKH-Allianz ist ein potenzieller Partner "bei der Gefahr der Innovationsverschleppung, bei hohen Einzelkosten bzw. hohen Gesamtkosten sowie bei einem Konzept mit therapeutischen Konsequenzen", so Dr. Vauth. Die CE-Kennzeichnung reiche dabei für das "Kassenmarketing" nicht aus. Die Evidenz aus Studien sei erforderlich, um den Zusatznutzen zu belegen. Zu den Erfolgsfaktoren einer Kooperation zwischen der Krankenkasse, dem Leistungserbringer und der Industrie gehören ein aus klinischen Studien belegter Zusatznutzen und eine aus Studien und Modellen aufgezeigte Wirtschaftlichkeit. Der Nutzen muss messbar sein, so der Kassenexperte: "Wenn man es nicht messen kann, dann kann man es auch nicht steuern." Wichtig sei auch eine bestehende Kooperation des Medizinprodukteunternehmens mit Leistungserbringern.

Dr. Martin Wetzel, Mitglied im Vorstand des Arztnetzes MQNK und Vorstandsvorsitzender der an "Gesundes Kinzigtal GmbH" beteiligten Leistungspartner, schilderte seine Bemühungen, die bestehenden Freiräume im System mit Kooperationspartnern sinnvoll zu nutzen. Die Managementgesellschaft "Gesundes Kinzigtal" vereint ein starkes Ärztenetz und eine gesundheitswissenschaftlich motivierte Managementgesellschaft. Eine Besonderheit ist die Übernahme der Versorgungsverantwortung für eine gesamte Population "mit einer rein erfolgsabhängigen Vergütung auf Basis eines präzisen Berechnungsmodells, das das erzielte Delta an Gesundheitsnutzen berücksichtigt", so Dr. Wetzel. Partner ist unter anderem die AOK Baden-Württemberg, die in der Schwarzwaldregion ca. 30.000 Versicherte hat. Etabliert wurde in den letzten drei Jahren "eine Qualitätspartnerschaft zwischen Krankenkassen, Ärzte, Kliniken, Patienten und Gesundheitswirtschaft". Zentrale Aspekte sind "ambulant vor stationär", eine partnerschaftlicher Beratung des eigenverantwortlichen Patienten, neue zusätzliche Vergütungsformen, die den Gesundheitserfolg belohnen sowie die "Krankenkasse als Partner". Wetzel: "Die Gesundheitsausgaben werden analysiert und daraus Programme entwickelt, um künftig gezielt Kosten zu vermeiden." Einen siebenstelligen Betrag investieren die Partner in die begleitende Evaluation. Die Gesundes Kinzigtal GmbH erhält zudem alle Kosten-, Leistungs- und Diagnosedaten in Kopie, um Krankheits- und verlaufsbezogene Auswertungen vornehmen zu können.

Die HGC-Berater Dr. Eva-Julia Weyler und Peter Saade zeigten zum Ende des MedInform-Seminars das Potenzial gesundheitsökonomischer Analysen für den Marktzugang auf. Hintergrund ist, dass die Nutzen- und Kosten-Nutzen-Bewertung im Gesundheitssystem weiter an Bedeutung gewinnt. Eine Kosten-Nutzen-Orientierung sei ein wichtiges Erfolgskriterium bei Verhandlungen mit den Krankenkassen, aber auch ein individuelles Verkaufsargument im Krankenhausmarkt. Gesundheitsökonomische Studien seien dabei seien dabei für die Medizinprodukteindustrie kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Entscheidungen für Qualitätsorientierung und Versorgungsverbesserung positiv beeinflussen zu können." Der Nachweis von Kosten-Nutzen-Überlegenheit der eigenen Produkte gegenüber Standardprodukten und verfahren werde für die Medizinproduktindustrie zunehmend relevant. Erforderlich für den künftigen Markterfolg seien eine zielgruppenspezifische Aufbereitung der Kosten-Nutzen-Analysen und die Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Kriterien bereits bei der Produktentwicklung.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.