GAMEplaces International: BIU sieht Wettbewerbsnachteile für deutsche Game-Produktionen

(PresseBox) (Berlin, ) Der Games-Standort Deutschland hat ein strukturelles Problem: Während die deutsche Filmindustrie auf Förderung und Investitionen zählen kann, müssen es heimische Game-Produktionen zumeist mit eigenen finanziellen Mitteln schaffen. Daraus resultieren erhebliche Wettbewerbsnachteile für den Produktionsstandort Deutschland, wie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) im Vorfeld von GAMEplaces International mitteilt. Der BIU ist Mitveranstalter der Entscheiderkonferenz, die am 15. Oktober 2010 in Frankfurt stattfindet und das Thema Game-Finanzierung in den Fokus rückt.

"Um sich international mit einem Videospiel durchsetzen zu können, sind zum Teil Investitionen im zweistelligen Millionenbereich erforderlich. Vor allem kleinere Entwicklerstudios und Start-ups können solche Budgets häufig nicht aus eigener Kraft stemmen," kommentiert BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters die finanzielle Situation vieler deutscher Games-Unternehmen. Trotz guter Ideen und kreativen Potenzials gerate Deutschland deshalb immer wieder ins Hintertreffen und verliere den Anschluss an die großen Wachstumstrends, wie den boomenden Markt für Online- und Browserspiele. Hier will GAMEplaces International neue Impulse setzen, indem Games- und Finanzbranche zusammengebracht und Potenziale, Marktchancen und Risiken vermittelt werden. Nach einer Erhebung des BIU ist der deutsche Gamesmarkt in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gewachsen und umfasst aktuell ein Gesamtvolumen von ca. 1,8 Mrd. Euro. Damit liegt er umsatztechnisch vor Unterhaltungsbranchen wie Kino, DVD und Musik. Lediglich Kino und DVD-Vertrieb zusammengenommen erzielen einen noch höheren Umsatz als die Gamesbranche.

Vor allem kleinere Produktionen sind von Drittmitteln abhängig

Computer- und Videospiele zählen zu den kostenintensivsten Produktionen der Entertainmentbranche. Die Budgets von Top-Titeln wie Call of Duty oder GTA liegen durchschnittlich bei 50 Millionen Euro und bewegen sich damit in der Größenordnung erfolgreicher Hollywood-Produktionen. Werden Game- oder Film-Blockbuster in der Regel aus Eigenmitteln finanziert, ist vor allem der Erfolg kleinerer Projekte oftmals von Drittmitteln abhängig. Hier sieht Finanzierungsexperte Arwed-Ralf Grenzbach, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Conflutainment, einen klaren Nachteil für Games "Made in Germany": "Eine Spieleförderung ist in Deutschland praktisch nicht vorhanden. Bis zu 90 Prozent der Medienförderung fließen in den Film - obwohl die Games-Branche die Filmindustrie umsatztechnisch längst überholt hat. Steuererleichterungen, wie sie in Kanada erfolgreich eingesetzt werden, um Game-Entwickler anzusiedeln oder andere Subventionen gibt es nicht in Deutschland".

Auch die Investoren zeigen Zurückhaltung: "Vor allem kleinen Produktionsstudios oder Start-ups fehlt es häufig an Kapital, um innovative Ideen umzusetzen oder neue Wachstumsmärkte, wie den boomenden Online- und Browser-Games-Markt, von Deutschland aus zu erobern. Nur wenige Finanzinstitute oder Fonds in Deutschland verfügen über spezielle Finanzierungsinstrumente für die Games-Branche, Know-How und vor allem die Risikobereitschaft, um einem in den USA oder Asien etablierten Businessmodell auch in Deutschland Anschub zu geben", stellt Grenzbach weiter fest.

Deutsche Online-und Browser-Games haben es aus eigener Kraft geschafft

Online- und Browser-Games zählen aktuell zu den aussichtsreichsten Trends der Games-Branche. Laut einer aktuellen Marktbeobachtung von BIU und GfK wurden in Deutschland in 2009 etwa 200 Millionen Euro mit Abo-Einnahmen und dem Verkauf virtueller Güter generiert - ohne die Einnahmen aus flankierender Werbung. Anders als bei den klassischen PC- und Konsolenspielen hat es Deutschland in diesem Segment zur Elite der internationalen Games-Branche geschafft, allen voran durch Erfolgsstorys von Unternehmen wie Bigpoint oder Gameforge, die ihre Spiele mittlerweile in mehr als 40 Sprachversionen weltweit anbieten und sogar in exotischen Regionen wie den Arabischen Emiraten zu den Marktführern gehören. "Im Bereich der Free-to-Play Browser-Games gehören deutsche Unternehmen zu den Key Playern weltweit. Dennoch fehlt es an der Risikobereitschaft bei Investments mit einem Volumen bis zu 10 Millionen Euro, die ein erfolgreich gestartetes Jungunternehmen im Bereich Online- und Social-Games benötigt, um international auf das nächste Level zu gelangen", stellt Grenzbach weiter fest. In Folge spiele Deutschland in der boomenden europäischen Online-Games-Branche oftmals nur eine nachrangige Rolle.

Venture Capitalist Firmen haben in 2008 laut Technologie-Blog VentureBeat etwa 686 Millionen Euro in Online-Games-Unternehmen investiert, weltweit wurden 112 Unternehmen für den rasant wachsenden Markt wettbewerbsfähig gemacht. Trotz Finanzkrise wurden in 2009 immerhin noch 440 Millionen Euro in 97 Unternehmen investiert. Dabei spielen die Investitionen in deutsche Entwickler nahezu keine Rolle. Dazu Grenzbach: "Die Rising Stars der deutschen Online-Szene haben es aus eigener Kraft geschafft, das notwendige Kapital wurde zum Teil in den USA besorgt. Viele Banken sind zurückhaltend, weil die Planbarkeit von Online-Titeln im Vergleich zum klassischen Box-Produkt weniger gegeben ist. Der Erfolg eines Online-Games ist stark von der Interaktion mit der Game-Community abhängig, je nach Reaktion der Community wird das Spiel nach der Veröffentlichung als Produktmarke weiterentwickelt. Dadurch liegt der Investitionsbedarf nach der Produkteinführung deutlich höher als vor dem Release".

Conflutainment

Arwed-Ralf Grenzbach ist Gründer der Beratungsfirma www.conflutainment.com Schwerpunkt ist die Beratung von Finanzinstituten, Banken, Fonds sowie Medienunternehmen bei Investments in Online Games, Social Games, Virtual Worlds. Sein Werdegang umfasst Stationen in England, Asien und den USA, u.a. bei Disney, Take 2 und Viacom.

GAMEplaces International

Am 15. Oktober kommen internationale Führungskräfte und Entscheider der Game-, Medien- und Finanzindustrie in Frankfurt am Main zusammen. Zum vierten Mal thematisiert GAMEplaces International aktuelle Trends aus der prosperierenden Branche in hochkarätig besetzten Sessions, in diesem Jahr jedoch erstmals als Executive-Konferenz mit den Schwerpunktthemen 'Financing' sowie 'Knowledge Transfer & Best Practices'. Keynote-Speaker ist Gamer-Legende und Online-Entrepreneur Jon NEVERDIE Jacobs. GAMEplaces ist eine Initiative der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH, des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) sowie der Weber Networking GmbH.

Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) ist der Interessenverband der Anbieter und Produzenten von Unterhaltungssoftware in Deutschland. Er organisiert die Interessen der maßgeblichen Unternehmen im Bereich der interaktiven Unterhaltung. Als kompetenter Ansprechpartner für Medien sowie politische und gesellschaftliche Institutionen beantwortet der BIU alle Fragen rund um das Thema Computer- und Videospiele.

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