BBK Weihnachtsbotschaft 2011

(PresseBox) (Erkner, ) 2011 war energiepolitisch das Jahr der Atomkraftwerkskatastrophe in Fokushima, von undichten Ölplattformen, von rasant steigenden Öl- und Energiepreisen und dem Verwirrspiel der Mineralölindustrie um E10. Das Wirtschaftswachstum schwächt sich weltweit ab, hinterlässt jedoch hohe Öl- und Erdgaspreise und die dringende Frage nach kurzfristig greifbaren Alternativen - vor allem im Bereich der Sicherung der zukünftigen Mobilität. "Was tanken wir morgen" ist seit Jahren die Frage, die viele bewegt. Die "Tank oder Teller-Diskussion" ist immer noch nicht vorbei und hinzugekommen ist noch die damit verbundene Diskussion über Landnutzungsänderungen, die Biokraftstoffe angeblich verursachen sollen.

Tank- oder Teller-Diskussion

Der Hauptgrund für die "Tank oder Teller-Diskussion" weltweit ist die immer noch vorhandene Unwissenheit von Presse und Politik im Bereich der landwirtschaftlichen Wirtschaftskreisläufe. Der allgemeine englische Begriff "Biofuels" differenziert zudem nicht die einzelnen Biokraftstoffarten.

So müssen Bioethanol bzw. Pflanzenöl/ Biodiesel aus der Sicht der "Tank oder Teller-Diskussion" sowie der Landnutzungsänderung völlig unterschiedlich betrachtet werden. Biodiesel und Pflanzenöl entstehen nicht aus Rohstoffen, die angebaut werden, um Biokraftstoffe zu produzieren, sondern sie sind weltweit Nebenprodukte der Eiweißfuttermittelproduktion in unserer Nahrungskette. Eiweiß- oder Proteinfuttermittel benötigen Hühner, um Eier und Kühe, um Milch zu produzieren. Bei der Futtermittelerzeugung sind 2/3 der Rapssaat Eiweißfutter und der Rest ist Pflanzenöl, das zu 70 % als Überschuss in der Biokraftstoffproduktion Verwendung findet. Bei der Verwendung von Sojaöl beträgt das Verhältnis sogar 4/5 für Eiweißfutter.

Aus Klimaschutz-Gründen ist Raps in Europa die einzige wirtschaftlich mögliche Alternative zum Soja. Auch Rapsöl entsteht aus dem Überschuss der europäischen Eiweissfuttermittelproduktion. Deshalb wurden in Deutschland seit 2004 für LKW's und landwirtschaftliche Traktoren Pflanzenöl und auch Biodiesel als Reinkraftstoffe von allen Parteien gefordert und gesetzlich eingeführt. Pflanzenöl - das Überschussprodukt aus der Eiweißfutterproduktion wurde damit sinnvoll energetisch verwertet. Da die Produktionskapazität von Pflanzenöl und Biodiesel in Deutschland schnell bis 2006 bereits 5 Mio t erreichte, wurde Biodiesel zum gefährlichen Wettbewerber von Mineralöldiesel. Hunderte deutscher Ölpressenbesitzer und Biodieselproduzenten wurden zu heimischen Kraftstoffproduzenten. Über 3 Mio. deutscher LKW's tankten 2006 Biodiesel aus Deutschland und blieben den Tankstellen der Mineralölindustrie fern. Die "Tank oder Teller-Kampagne" musste her und wurde 2006 erfolgreich mit Beginn der großen Koalition eingeführt. "Beimischung statt Reinbiokraftstoffe" war die neue Richtung von Peer Steinbrück, Volker Kauder & Co. Führende Köpfe der SPD, wie Hermann Scheer, Ulrich Kelber und alle Mitglieder der EUROSOLAR - unter Ihnen auch Peter Ramsauer und Josef Göppel von der CSU - wurden nicht gehört. Auch Hans-Josef Fell von den Grünen weiß von diesem Problem und erinnert die heutige Regierung regelmäßig daran, den großen Fehler von 2006 zu korrigieren. Sie waren allesamt - und sind es noch heute - gegen die alleinige Beimischung und die tödliche Besteuerung der deutschen Reinbiokraftstoffe.

Biodiesel/ Pflanzenöl

Eine unbegründete, von der Öl-Lobby getriebene "Tank oder Teller-Pressekampagne" sowie die gesteuerte Angst vor Steuerausfällen, die aufgrund des vorangegangenen Tanktourismus ebenfalls völlig unbegründet war, läutete das politische "Aus" für die wichtigsten deutschen Reinbiokraftstoffe ein.

Heute ist Biodiesel/ Pflanzenöl aus Deutschland aufgrund einer hohen Besteuerung nicht mehr als Reinbiokraftstoff wettbewerbsfähig und das Anbieterfeld ist wieder dem Tankstellen-Oligopol überlassen worden. Der Biodiesel zur Beimischung im deutschen Sprit kommt zu 90 % aus Übersee, da deutscher Biodiesel zu teuer ist. Diese Entwicklung ist mehr als traurig.

Heute tanken alle deutschen LKW's wieder Mineralöldiesel und die meisten Fernlaster betreiben Tanktourismus im Ausland, weil es dort billiger ist. Viele von ihnen tanken Biodiesel in Österreich oder Tschechien - die Deutschland folgend, die gleichen Gesetze eingeführt haben - diese aber nicht aufgrund des Erfolges zurückgenommen haben, wie wir. Im letzten Koalitionsvertrag wurde aufgrund der ständigen "Mahnwache" des BBK die "Förderung von Reinbiokraftstoffen" als Ziel aufgenommen. Bis heute aber ist eine Reinbiokraftstoff-Förderung mit z.B. dynamischer Besteuerung mit wirtschaftlicher Besserstellung für deutsche Reinbiokraftstoffe nicht einmal im Ansatz politisch ermöglicht worden.

BBK-Forderungen 2012

- Erfüllung des Koalitionsvertrages
- Förderung der einheimischen Reinbiokraftstoffe Biodiesel/ Pflanzenöl
- Biodiesel-/Pflanzenöl-Besteuerung von LKW-Kraftstoffen mit max. 10 ct/l mit jährlicher Anpassung

Vorteile bei politischer Umsetzung

- ca. 50.000 deutsche Jobs in der Ölproduktion, an den freien Tankstellen und im Speditionsbereich
- Rückgang des Tanktourismus für LKWs wie bereits 2006
- Aufbau einheimischer Kraftstoffe mit Steuermehreinnahmen anstatt Steuerverluste durch Tanktourismus
- Wettbewerb im Kraftstoffmarkt
- günstige Spritpreise im Markt durch einheimische Kraftstoffe

Bioethanol

Auch Bioethanol ist in Deutschland heute zu 95 % in der Beimischung und damit in der Hand der Mineralölindustrie gelandet. E85 oder gar E100 ist von der "Tank oder Teller-Diskussion" ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden und ist in Deutschland völlig unbedeutend. Selbst das von der Mineralölindustrie nicht geliebte E10 hat keine Bedeutung.

Der BBK steht für eine klare Reinbiokraftstoffpolitik d.h. für E85/ E100. Wie Biodiesel/ Pflanzenöl für LKW's macht Bioethanol für PKW's Sinn. E85/ E100 kann in Verbindung mit BiFuels d.h. Fahrzeugen, die mit Bioerdgas und E85 betrieben werden können, nur dann eine Renaissance erleben, wenn die "Tank oder Teller-Diskussion" versachlicht wird und der Import von Ethanol aus Übersee stärker besteuert wird, als einheimischer Ethanol-Kraftstoff.

Bioethanol aus deutschen Zuckerrüben und aus Getreide mit für Lebensmittel ungenügender Qualität sowie aus Futterresten ist als Reinkraftstoff durchaus ein interessanter Kraftstoff für die Zukunft auch in Verbindung mit Biomethan für deutsche PKW's.

BBK-Forderungen 2012

- konsequente Reinbiokraftstoffpolitik auch für Bioethanol

Synthese- und Enzymatische Kraftstoffe

Seit dem Konkurs der Choren Industries GmbH wissen es endlich alle, was der BBK schon seit Jahren berichtet. Synthese- und Enzymatische Kraftstoffe sind noch nicht marktreif und bedürfen noch mehrere Jahre an Forschungs- und Entwicklungszeit.

Die Rohstoffbasis für Synthesekraftstoffe sind nicht landwirtschaftliche Feldfrüchte oder Holz, welches im Wärmebereich besser verwertet werden kann, sondern Abfälle. Wenn die Synthesekraftstofftechnologie soweit ist, Kunststoffe zu vergasen und aus dem Gas wieder flüssigen Kraftstoff zu synthetisieren, ist die große Zeit für Synthesekraftstoffe gekommen. Dieses wird mindestens noch ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Das gleiche gilt für die Entwicklung enzymatischer Kraftstoffe oder Kraftstoffe aus Algen.

Bis dahin und auch danach werden die Biokraftstoffe wie Biodiesel und Pflanzenöl den Schwerpunkt der alternativen Kraftstoffe für LKW's darstellen. Die Diskussion über die 1. und 2. Generation der zukünftigen Kraftstoffe sollte ein für alle Mal für beendet erklärt werden.

Solare Mobilität/ E-Cars

Es geht voran mit den E-Cars in Deutschland. Die Konturen einer zukünftigen Mobilität werden immer klarer und 2012 wird das Jahr zahlreicher Neuvorstellungen von E-Car-Fabrikaten - auch deutscher Hersteller.

Der BBK unterstützt u.a. den Ausbau der Photovoltaik-Kraftwerksleistungen auf deutschen Dächern und auf Konversionsflächen. Aufgrund der erheblichen Degression in der Einspeisevergütung gemäß dem geltenden EEG sind die Produktionskosten in Deutschland heute schon erheblich günstiger als Strom aus Biomasse. Die Vollkosten von PV-Strom in Deutschland liegen bei unter 20 ct/kWh für große Anlagen und werden in 3 Jahren sogar günstiger sein, als Windstrom.

Unsere Vision ist, dass PV-Anlagen auf den Dächern der deutschen Städte die E-Cars in den Straßen mit Strom versorgen werden. Diese wird schon bald Wirklichkeit sein. Gemeinsam mit Biomethan bzw. Bioerdgas wird mit der E-Mobilität in Deutschlands Städten ein dynamischer Wettbewerber zu Diesel und Benzin. Stadtwerke und Elektroenergievertreiber und andere zahlreiche PV-, Windkraft-, Biomasse- und Elektroenergie-Produzenten werden zu neuen Energielieferanten, auch für die E-Mobilität von morgen. Das Anbieterfeld wird bunter und der Wettbewerb wird größer werden.

Der BBK wird diese Entwicklung unterstützen und die unqualifizierte weit hergeholte "Tank oder Teller-Diskussionen" mit seiner Kompetenz bekämpfen.

BBK-Forderungen 2012
- keine weiteren zusätzlichen Degressionen, als diejenigen, die im EEG vorgegeben sind (ab 1.1.2012 wird die Vergütung bereits um 15 % gesenkt und ab 1.7.2012 voraussichtlich weiter)

PV-Strom ist heute schon preiswerter als die Stromerzeugung aus Biomasse und hat mehr als 100.000 Jobs in Deutschland geschaffen. Die vorhandenen EEG-Regelungen müssen eingehalten werden, damit weitere PV-Kraftwerkskapazitäten auch für die zukünftige E-Car-Versorgung aufgebaut werden.

Biomethan

Biogas in Erdgasqualität aufbereitet und in deutsche Erdgasnetze eingespeist bleibt auch 2012 eine Kernkompetenz des BBK. Gemeinsam mit unserem Schwesterverband der FEE Fördergesellschaft Erneuerbare Energien e. V. hat der BBK das BioMethan-Kuratorium (BMK) gegründet, das sehr erfolgreich von unserem Vizepräsidenten, Herrn Eberhard Oettel, geführt wird. Zahlreiche Veranstaltungen wurden 2011 wieder vom BMK durchgeführt.

Bei der Erarbeitung des neuen EEG, das ab 1.1.2012 in Kraft tritt, konnte sich der BBK vor allem im Hinblick auf die Zusatzboni für die Gaseinspeisung und der Besserstellung großer Biomethanproduktionsanlagen zum Teil durchsetzen. Grundsätzlich hat die Bundesregierung mit dem EEG 2012 richtige Zeichen gesetzt, ihre eigene Zielstellung - bis 2020 6 Milliarden m³ Biomethan in das Erdgasnetz einzuspeisen - zu erfüllen. Leider ist der heutige Erdgaspreis immer noch auf historischem Tiefpreisniveau, sodass KWK-Anlagen, die fossiles Erdgas als Treibstoff einsetzen, um Strom zu produzieren, günstiger sind, als Biomethan-betriebene BHKWs. Aus diesem Grund ist derzeitig der Absatzmarkt für Biomethan schlecht. Unter diesen Umständen ist das Erreichen des Zieles - bis 2020 6 Milliarden m³ und bis 2030 10 Milliarden m³ Biomethan einzuspeisen - unmöglich.

Bereits im letzten Jahr hat der BBK gefordert, das Wärme-EEG mindestens für 2 Jahre für Biomethan zu öffnen, damit eine höhere Nachfrage nach Biomethan gegeben ist. Diese Forderung sowie die BBK-Forderung nach einem zusätzlichen Speicherbonus für Biomethan ist immer noch aktuell. Da eine Bonusänderung vor der nächsten EEG-Novelle nicht realistisch ist, macht der BBK den Vorschlag, im Rahmen der Erarbeitung der DirektvermarktungsVO-Regelungen durch das Bundesumweltministerium einen temporären wirtschaftlichen Zusatzbonus von ca. 1 ct/kWh in der Handelskette zu ermöglichen. Dieser kann dann bis hin zur Biomethanproduktion und dem BHKW-Betrieb durchgereicht werden. Nur so wird Biomethan die nächsten 12 Monate den Absatzmarkt haben, den alle wollen. Ein "Nichthandeln" oder "Aussitzen" der jetzigen Situation kostet mindestens eine 2-jährige Verschiebung aller Investitionen und Zielvorgaben.

BBK-Forderungen 2012

- wirtschaftliche Besserstellung von Biomethan im EEG durch einen "Direktvermarktungs-Speicherbonus" von 1 ct/kWh - auch für Altanlagen - per Verordnungsweg durch das BMU

Begründung: Biomethan ist eine bedeutende regenerativ erzeugte Regelenergie, die zukünftig bundesweit im Erdgasnetz und in Erdgasspeichern optimal eingesetzt werden kann

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