Bundesamt für Strahlenschutz setzt neue Strahlenschutzordnung für Asse in Kraft

Vorsorge-Planungen auch für Störfälle

(PresseBox) (Salzgitter, ) Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die atomrechtli-chen Rahmenbedingungen für den sicheren Betrieb der Asse bis zur Stilllegung erarbeitet, wesentliche Änderungen im Be-triebsablauf vorgenommen und damit grundlegende Anforde-rungen des Strahlenschutzes umgesetzt. Dies war nötig, da der Zustand der Anlage nicht den Maßgaben des Atomgesetzes und der Strahlenschutzverordnung entsprach. "Mit diesem Schritt werden wesentliche Defizite, die wesentli-che Ursache für den Betreiberwechsel waren, behoben," sag-te der Präsident des BfS, Wolfram König, am Donnerstag in Salzgitter.

Den Antrag für den sicheren Betrieb der Asse bis zum Beginn der Stilllegung nach § 7 der Strahlenschutzverordnung hat das BfS bei der Genehmigungsbehörde, dem Niedersächsi-schen Umweltministerium, bereits eingereicht. Die jetzt vorge-legten Nachweise sind Grundlage für die Entscheidung über den Antrag. Damit liegen erstmalig vollständige und nachprüf-bare Angaben vor, wie die Asse als kerntechnische Anlage nach den strengeren Vorgaben des Atomgesetzes und der Strahlenschutzverordnung zu betreiben ist.

Als Ergebnis der Sicherheitsanalysen für den Normalbetrieb wurden unter anderem Strahlenschutzanweisungen erstellt und Verdachtsflächen, die radioaktiv kontaminiert sein könn-ten, ausgewiesen. Bei Personen, die sich dort oder in neu ausgewiesenen Strahlenschutzbereichen aufhalten, ist eine Kontaminationskontrolle vorgeschrieben. Beschäftigte, aber auch Besucher werden mit Dosimetern überwacht.

"Ich habe als Strahlenschutzverantwortlicher im Interesse der Sicherheit die Asse GmbH, die den Betrieb des Endlagers im Auftrag des BfS führt, bereits jetzt beauftragt, die neu erstellte Strahlenschutzordnung ab sofort anzuwenden", sagte König. Damit verpflichte sich das BfS noch vor einer Genehmigung zur Anwendung der strengeren Regelungen.

Die für den Antrag nach § 7 Strahlenschutzverordnung dar-über hinaus durchgeführten Sicherheitsanalysen für Störfälle zeigen, dass eine verlässliche Prognose für die Menge des zutretenden Grundwassers nicht möglich ist. Deshalb muss vorsichtshalber der Einbruch sog. aus-legungsüberschreitender Mengen unterstellt werden. In die-sem Fall könnten nach Abschätzungen des beauftragten Gut-achters größere Grundwassermengen kontaminiert und die Strahlenschutzziele nicht eingehalten werden.

Die Ergebnisse sind für das Bundesamt für Strahlenschutz Anlass zu zwei Maßnahmenpaketen. Sie dienen zum Einen der Verringerung der Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem unkontrollierten Absaufen der Grube kommt. Zum Anderen müssen die radiologischen Konsequenzen für den Fall uner-wartet großer Wassereinbrüche begrenzt werden.

Die Verringerung der laufenden Verformung der Hohlräume des Salzbergwerks ist eine Möglichkeit, dazu beizutragen, dass dieser Fall nicht eintritt. Mit den vorbereitenden Arbeiten für die Verfüllung der entstandenen Spalten zwischen den Decken der Kammern und dem lockeren Salz ist bereits be-gonnen worden.

Als Teil der Unterlagen zum § 7-Antrag hat das BfS deshalb zusätzlich Strategien ausgearbeitet, mit denen auch im schlimmsten Fall, dem massiven Anstieg der Wasserzuflüsse in die Asse, negative Auswirkungen auf die Umwelt minimiert werden sollen.

Das Konzept umfasst konkrete technische Vorkehrungen so-wie Vorsorgemaßnahmen zur Sicherung der Anlage, mit de-nen eine radiologische Ausbreitung der eingelagerten Abfälle verhindert werden soll. Hierbei stehen Maßnahmen zur Be-herrschung höherer Zutrittsraten im Vordergrund. Unter ande-rem sollen große Speicherbecken angelegt und leistungsfähi-gere Pumpen vorgehalten werden, um in einer Notfallsituation große Mengen Zutrittswässer in diesen Speicherbecken auf-fangen und abtransportieren zu können. Das BfS hat bereits mit den vor einer Genehmigung möglichen Sicherungsarbei-ten begonnen, damit keine wertvolle Zeit verloren geht.

Letzter Schritt des gestuften Vorgehens ist die Minimierung der Freisetzung radioaktiver Stoffe im Notfall, wenn alle ande-ren Maßnahmen nicht erfolgreich sind. Dabei geht es darum, die Schadstofffreisetzung aus den Gebinden zu begrenzen, die Lösungsbewegung in der Grube zu behindern und den Transport radioaktiver Stoffe zu verzögern. Wichtig ist es ins-besondere, direkte Verbindungen zwischen den Kammern mit den eingelagerten radioaktiven Abfällen und dem umgeben-den Deckgebirge und eine Auspressung radioaktiv verseuch-ter Lösung an die Umwelt zu verhindern. Dazu würden u.a. Resthohlräume in Einlagerungskammern verfüllt oder Gruben-teile mit einer gesättigten Salzlösung geflutet, um Auflösungs-prozessen des Gesteins entgegen zu wirken. Es werden Lei-tungen in bestimmte Einlagerungskammern gelegt, um im Notfall Beton einpumpen zu können.

Anders als sonst bei Maßnahmen nach Atomgesetz üblich, müssen all diese Handlungsmöglichkeiten parallel verfolgt, auf ihre Realisierbarkeit geprüft, vorgehalten oder sogar vorsorg-lich umgesetzt werden. Dieser Zeitdruck ist entstanden, da es sich bei der Asse nicht um ein geplantes Endlager, sondern um ein seit über 40 Jahren unter anderen rechtlichen Bedin-gungen betriebenes Bergwerk handelt.

Dabei wird darauf zu achten sein, dass die jetzt durchzufüh-renden Maßnahmen vereinbar sind mit den derzeit untersuch-ten Stilllegungsoptionen für die Asse. Dazu gehören die Rückholung aller oder eines Teiles der Abfälle, die Umlage-rung in einen anderen Teil des Bergwerks und die Vollverfül-lung der Asse mit Salzbeton.

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